Wer beim Böllern kommende Nacht umsichtig vorgeht, kann den Spaß am Feuerwerk am besten genießen – so wie hier Ende November beim alljährlichen Probeschießen der Frankfurter Feuerwerkerei Anton Schwab.im Bad Vilbeler Burgpark.

Polizei-Chef gibt Ratschläge

Zehn Tipps für sicheres Böllern in der Neujahrsnacht

Zu Silvester gehören Raketen und Feuerwerk genauso dazu, wie Sekt zum Anstoßen. Doch was muss ich beim Böllern an Silvester beachten? Kann ich Raketen, Wunderkerzen und anderes einfach benutzen? Polizeihauptkommissar Holger Götzmann, dem Chef der Polizeistation Bad Vilbel, hat zehn Tipps fürs richtige Verhalten an Silvester. Reporter Alexander Seipp hat sie aufgezeichnet.

1. "Geböllert werden darf den ganzen 31. Dezember und 1. Januar über", erklärt Polizeihauptkommissar Holger Götzmann. "Es gibt da keine Einschränkungen, das heißt, wenn jemand am 31. Dezember um 15 Uhr böllert, ist das zwar für andere vielleicht blöd, aber erlaubt ist es auf jeden Fall."

2. Böller sind gefährlich. "Nicht umsonst finden sich die Richtlinien für den Einsatz von Böllern in der Sprengstoffverordnung", weiß Götzmann. "Man sollte da die Sprengwirkung keinesfalls unterschätzen." Selbst kleine Böller können gefährlich sein, wenn sie falsch eingesetzt werden. "Nur weil ein Böller klein ist, heißt das nicht, dass er keinen Schaden anrichten kann", erklärt der Polizeihauptkommissar. "Wenn so ein kleiner Böller neben dem Ohr hoch geht, dann kann einen das schon einmal das Trommelfell kosten. Es platzt einfach durch den lauten Knall. Daher ist es besonders wichtig, sich an die Packungsanweisungen zu halten und in jedem Fall einen Sicherheitsabstand einzuhalten."

Der Leiter der Polizeistation Bad Vilbel, Holger Götzmann weiß, was beim Böllern an Silvester zu beachten ist.

3. Feuerwerk ist erst für Personen ab 18 Jahren zugelassen. "Dies liegt daran, dass man für den Einsatz schuldfähig sein muss", sagt der Polizist. "Ausnahmen gibt es da nur für Tischfeuerwerke, Wunderkerzen und kleine Böller der Kategorie A. Diese dürfen ab zwölf Jahren eingesetzt werden, da sie weniger gefährlich sind. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Erklären sie den Kindern also vorher, was sie zu beachten haben."

4. Feuerwerk sollte man nur in Läden kaufen. "Alles was sie im Laden kaufen können, ist garantiert in Deutschland zugelassen und daher auch mehrfach geprüft und immer wieder getestet", sagt Götzmann. "Das heißt nicht, dass diese Dinge ungefährlich sind, aber die Gefahr ist abschätzbar."

5.  Gefährlich wird es vor allem bei Böllern, die aus dem Ausland bestellt oder gar selbstgebaut wurden. "Die Sprengkraft dieser Gegenstände ist kaum abzuschätzen", erklärt der Polizeihauptkommissar. "Diese sogenannten Polen- oder Russenböller enthalten oft eine Menge an Sprengstoff, die in Deutschland weit über der zugelassenen Menge liegt. So kommt es oft vor, dass der Sicherheitsabstand zu niedrig eingeschätzt wird und dann enormer Schaden entstehen kann. Daher ist vom Einsatz dieser Böller abzuraten. Ebenso sieht es mit selbstgebastelten Sachen aus. Sie können unkontrolliert explodieren und können daher eine Gefahr für Leib und Leben darstellen."

6. Versuchen Sie Blindgänger nicht noch einmal anzuzünden. "Mit einem Blindgänger ist ein Stück Feuerwerk gemeint, das zwar angezündet wurde, aber nicht hochgegangen ist", sagt Götzmann. "Doch durch das vorherige Anzünden ist die Lunte bereits verkürzt. Daher kann bei einem erneuten Anzünden die Sicherheit durch rechtzeitiges Erreichen des Sicherheitsabstandes nicht garantiert werden. Lassen Sie also solche Blindgänger liegen oder räumen Sie sie vorsichtig zur Seite, damit sie nicht zufällig, etwa durch Funkenflug angezündet werden und doch noch hochgehen", rät der Polizeihauptkommissar.

7.  Jedes Jahr kommt es in Frankfurt an Silvester zu etwa zehn schweren Handverletzungen durch Feuerwerk. "Besonders betroffen davon sind Jugendliche", weiß Götzmann. "Diese unterschätzen die Kraft des Feuerwerkes oft, halten keinen oder kaum Sicherheitsabstand ein oder zünden Böller in der Hand an, um sie zu werfen. Ein besonderes Problem dabei ist, dass Jugendliche Silvester auch gerne ohne Eltern feiern. Solchen Gruppen an Jugendlichen nehmen wir oft das Feuerwerk ab."

8. Ein weiteres großes Problem ist die enthemmende Wirkung von Alkohol. "Dass der Sekt zu Silvester dazu gehört, ist kaum abzustreiten", sagt Götzmann. "Doch durch zu viel Alkoholkonsum wird die Fähigkeit der Gefahrenabschätzung eingeschränkt, die Handlungen werden risikoreicher. Jemand, der zu tief ins Glas geschaut hat, sollte also vom Feuerwerk die Finger lassen.

9.  Nicht überall darf Feuerwerk genutzt werden. "In der Nähe von Alten- und Kinderheimen, Kirchen und denkmalgeschützten Häusern darf kein Feuerwerk genutzt werden", erklärt der Polizeihauptkommissar. "Einen festgeschriebenen Abstand gibt es da aber nicht. Gehen Sie also auf Nummer sicher, dass sich keine Rakete auf das Dach verirrt oder irgendeine Art von Gefahr entstehen könnte."

10. Generell gilt beim Feuerwerken: "Nutzen Sie die Gegenstände so, dass niemandem Schaden zugefügt werden kann, sei es körperlich oder materiell", sagt Holger Götzmann. "Vom berühmten ›Böller im Briefkasten‹ ist also abzuraten und auch das Werfen von Böllern in Gullis ist nicht zu empfehlen."

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