Tage der Industriekultur

Die Ziegelei wird Geschichte

  • VonDieter Deul
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Die Massenheimer Ziegelei ist ein Thema während der Tage der Industriekultur Rhein-Main, die am Freitag beginnen. Allerdings nicht am Originalschauplatz, denn dort hat die Keraform bereits den Ausverkauf der Gerätschaften begonnen. Bald soll dort das Wohngebiet Ziegelhof entstehen.

Zur Erinnerung an die Ziegelei-Industrie soll im Massenheimer Heimatmuseum eine spezielle Abteilung die Jahrhunderte zurückreichende Ziegelei-Historie darstellen. Doch auch das Bad Vilbeler Brunnen- und Bädermuseum, die Bad Nauheimer Badehäuser und Gradierbauten sowie das Friedberger Rosental-Viadukt und das Alte Hallenbad können in Führungen erkundet werden.

Er ist das Wahrzeichen Massenheims – der 60 Meter hohe Schornstein der Ziegelei. Ende Oktober wird er Geschichte sein – so wie der gesamte Standort, den Keraform-Geschäftsführer Michael Strauch nach Schönlind in der Oberpfalz verlagern wird.

Damit endet in Bad Vilbel eine über Jahrhunderte zurückreichende Produktionsgeschichte, wie Kulturamtsleiter Claus-Günther Kunzmann betont. Über Jahrhunderte wurde dort Feldbrand betrieben. Dabei wird die an der Luft getrocknete Keramik in einer Mulde gestapelt und um sie herum ein Feuer entzündet. In einem offenen Feldbrand werden Temperaturen um 800 Grad erreicht.

Heinrich grüßt am Fenster

Im 19. Jahrhundert begann die Geschichte der Massenheimer Ziegelei. Der erste Ringofen für Mauersteinbrand wurde von Julius Peters 1898 in Massenheim erbaut. Dessen Sohn Hans Peters, der später Bürgermeister von Massenheim war, führte die Ziegelei als Geschäftsführer weiter. 1936 erwarb die Firma Tonwerk Fritz Strauch den Betrieb und verbesserte ihn ständig. Der alte Ringofen wurde 1973 abgerissen. Ein neuer, moderner Tunnelofen mit elektronischer, vollautomatischer Steuerung wurde errichtet und mit einem 60 Meter hohen Schornstein versehen. Seit 1989 führt Michael Strauch das Unternehmen in der dritten Generation.

Das Abbaugebiet für die Tonerde habe sich früher links und rechts der Homburger Straße ab der Eisenbahnunterführung Richtung Massenheim befunden, erläutert Kunzmann. Schon vor zehn Jahren wurde dem Ziegeleiwesen eine Dauerausstellung im Massenheimer Heimatmuseum gewidmet. Am Glasfenster grüßt Heinrich, der fleißige Ziegeleiarbeiter, die Besucher, die auf eine Wand aus Ziegeln und etliche Utensilien blicken.

Doch nicht nur die Ziegelei zieht um, auch ihre Ausstellung wird verlegt. Künftig, so Kunzmann, soll sie in den ersten Stock des Heimatmuseums wandern und neu konzipiert werden. Konrad Schneider, stellvertretender Leiter des Frankfurter Instituts für Stadtgeschichte, hat eine umfassende Geschichte des Massenheimer Ziegeleiwesens geschrieben und beteiligt sich auch an der Neukonzeption. Der Raum im Parterre des Museums soll künftig für das Museums-Café und Sonderausstellungen genutzt werden.

Verkauft nach Aserbaidschan

Strauch hat dem Museum eine 15-minütige Dokumentation geschenkt, die an die längst eingestellte Produktion der Spezialziegel wie U-Schalen erinnern soll. Der Film ist zentraler Teil der künftigen Ziegelei-Ausstellung und wird am Samstag, 18. Juli, ab 15 Uhr im Heimatmuseum gezeigt. Zu sehen ist die Oberdorfeldener Tongrube, aus der einst täglich 200 Tonnen Ton angeliefert wurden. Die Tonerde wurde dann zwei Stunden lang zu Rohlingen geformt, die schließlich auf den Ofenwagen verladen und gebrannt wurden – 38 Stunden lang und bei Temperaturen bis 980 Grad.

18 Mitarbeiter waren zuletzt in Bad Vilbel beschäftigt, davon elf saisonal, denn produziert wurde nur an vier Monaten im Jahr. Künftig wird in der Oberpfalz produziert, die Büros der Keraform wandern in einen Neubau, der am Dienstag dieser Woche Richtfest hatte. Sechs Wohnungen und die private Krabbelstube Kunterbunt drei minus werden dort unterkommen. Auf dem 3,6 Hektar großen Ziegelei-Gelände sollen 88 Einfamilienhäuser entstehen. Verkaufsstart ist im Januar 2016. Ein Großteil der Anlage wird nach Genca Kerpic Zavodu im Nordwesten von Aserbaidschan verkauft, darunter die Ziegelei-Pressen und die Ofenwagen. Doch noch bis Ende August wird das Gelände genutzt, um letzte Produktionsreste zu lagern, erläutert Strauch.

Zu den Tagen der Industriekultur ist das Massenheimer Heimatmuseum an den Samstagen 18. und 25. Juli von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Die Geschichte der Bad Vilbeler Brunnenbetriebe zeigt das Brunnen- und Bädermuseum an den Sonntagen 19. und 26. Juli von 12 bis 18 Uhr in Führungen. Am Sonntag, 19. Juli, startet um 16 Uhr eine Führung zur Massenheimer Auenkunst und am Sonntag, 25. Juli, zu der Vilbeler Graffitikunst. Treffpunkt ist um 16. 30 Uhr am Niddaplatz.

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