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Rum und Zigarre – perfekt!

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Von: Thomas Kopp

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Es ist der etwas andere Laden, der etwas andere Typ: Klaus Ricci Riegelhuth ist weit über die Grenzen Bad Vilbels bekannt. Weil er mit Leidenschaft für seine Leidenschaft missioniert.

Seit dem Jahr 2009 gibt es im Duden das Wort „Aficionado“. Es bedeutet „begeisterter Anhänger, Liebhaber“, meist von Zigarren. Dass Ricci Riegelhuth einer ist, wird schnell klar, wenn man sich in seinem Laden in der Frankfurter Straße 115 umsieht. Nach einem Umzug hatte er etwas zu kämpfen, doch mittlerweile haben nicht nur seine Stammgäste das etwas versteckte Geschäft im Hinterhof wiederentdeckt.

„Ja, die Leute kommen auch aus Frankfurt hierher“, schmunzelt Riegelhuth. Nicht nur, weil sie mit Glück einen Parkplatz direkt vor der Tür finden. Es ist das Ambiente des kleinen Geschäftes: Dort sitzt man auf Café-Stühlen dem Inhaber gegenüber, blickt dabei auf die Humidore mit erlesenen Tabakwaren.

Und es ist das Gespräch: Denn Riegelhuth schreckt nicht davor zurück, den „Banderolenrauchern“ seine Meinung zu sagen – und ihnen günstigere, aber bessere Zigarren zu verkaufen. „Viele wollen immer Kuba. Dabei sind es fast immer kubanische Zigarren, die Fehler aufweisen und wieder bei uns landen“, präsentiert er aufgeplatzte und fast explodierte Exemplare.

Dabei war es Kuba, das ihn zum Experten machte. Auf den Geschmack gekommen ist er allerdings auf La Palma. 1994 war er dort, wanderte viel. Und steckte sich danach eine Zigarre an, die er in einer kleinen Manufaktur erworben hat.

40 Meter Graffiti

1998 dann bereiste er erstmals Kuba, „und danach noch sehr oft“. Noch heute hat er engen Kontakt zu einer Pflanzerfamilie, telefoniert mit ihr. Doch beste Qualität gibt es inzwischen in anderen Ländern wie Nicaragua, Mexiko, Ecuador.

Im April 1999 verkaufte er erstmals Zigarren in seinem Kiosk, der zur ehemaligen Stadtschänke in der Frankfurter Straße 141 gehörte. Sie war 75 Jahre im Besitz der Familie Riegelhuth. Das Restaurant haben er und seine Mutter schon früher verpachtet, schließlich 2011 das Haus verkauft. Es ist heute abgerissen, doch Aufnahmen in Bild und Ton gibt es noch.

Denn Riegelhuth ließ die hintere Wand des Hauses auf 40 Metern Länge mit Graffiti besprühen – mit Motiven zum Thema Havanna. „Es war das erste legale Graffiti in Bad Vilbel“, sagt er. Riegelhuth sagte dem gelernten Hotelfach adieu und konzentrierte sich auf das Geschäft.

Der Hessische Rundfunk, aber auch andere Sender und Zeitungen wie die FAZ und die FNP wurden aufmerksam – und Frankfurter Zigarrenliebhaber auch. Sie kamen in Strömen. Als Ricci schließlich wegen Überlastung den Kiosk aufgab und ein neues und kleineres Ladengeschäft suchte, kamen sie natürlich nicht mehr. Seit November 2012 hat er nun seinen neuen Laden, „und so langsam spricht sich das wieder herum“, freut sich Riegelhuth.

Einige Grundbedingungen

Es ist wohl die Expertise, die Kunden schätzen. „Ich erkenne einfach, woher ein Tabak kommt, ich kann Geschmäcker einschätzen und dazu beraten“, sagt er. Das hebt ihn wohl von manch anderem Laden in der Frankfurter City ab. Und er nimmt sich Zeit für das Gespräch zu seinem Lieblingsthema, „das war das, was ich immer wollte, im alten Kiosk aber nicht anbieten konnte“.

Das verbindet ihn auch mit der Genusserie (siehe oben). „Tim Wegge arbeitet mit großer Leidenschaft, das verbindet uns.“ Und Riegelhuth, der früher viele Veranstaltungen für immer den gleichen Kundenkreis anbot – trifft dadurch auf neue Interessierte.

Doch nicht nur das ist die Verbindung: „Um sich dem Genuss einer Zigarre öffnen zu können, braucht es vorher etwas Gutes zu essen, eine dunkle Schokolade, einen Espresso und eine Grundsüße wie einen Rum oder Rumlikör. Erst dann kann die Zigarre ihren Geschmack entfalten. Der Geschmack liegt auf der Zunge, nicht auf der Lunge“, sagt er und lacht.

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