Schleenbäcker-Grundstück

Zuerst wird der Kran aufgebaut

Schwere Baufahrzeuge auf der Frankfurter Straße und ein noch größerer mobiler Autokran auf dem abgesperrten Grünen Weg deuten auf die beginnenden Bauarbeiten auf dem ehemaligen Schleenbäcker- Grundstück und einer Baulücke im Grünen Weg hin.

Die Arbeiten beginnen bereits um 6 Uhr in der Frühe mit der Anfahrt des übergroßen mobilen Autokrans, der bis zu 150 Tonnen Gewicht heben kann. Der schwere Kran fährt von der Frankfurter Straße rückwärts in den Grünen Weg. Weil die Straße dort stark abschüssig ist, sorgen Stabilisatoren für den notwendigen Halt. Für die Männer des Bad Kreuznacher Spezialunternehmens Bott reine Routine. Und deshalb ist der Kran trotz der noch herrschenden Dunkelheit auch nach einer Stunde schon einsatzbereit.

Keine Sekunde zu früh, denn mittlerweile steht der erste Schwerlasttransporter mit Teilen des Baukrans auf der Frankfurter Straße und wartet darauf, dass seine Ladung gelöscht und die schweren Eisenteile auf die Baustelle des Schleenbäcker-Geländes gehievt werden. Thomas Reimann, Inhaber der Baufirma Alea Hoch- und Tiefbau AG aus Bad Vilbel, ist auch bereits vor Ort. „Eigentlich ist das nicht meine Aufgabe und ich rede da auch niemals rein, aber ich bin nun mal von ganzem Herzen Bauunternehmer und deshalb bin ich beim Start einer größeren Baustelle immer dabei“, verrät er im inzwischen einsetzenden dichten Schneetreiben.

Für den Aufbau der beiden Kräne spielt das Wetter eine eher untergeordnete Rolle. Lediglich Sturm würde den Ablauf behindern. Als gegen 10 Uhr bereits das dritte Kran-Element verschraubt wird und der halbfertige Kran bereits über die Nachbargrundstücke schaut, atmete dann aber auch Reiman auf. „Bis jetzt sind schon sechs Schwerlasttransporter entladen worden und trotzdem ist es zu keiner Zeit zu irgendeinem Stau auf der Frankfurter Straße gekommen“, zeigt er sich zufrieden. 16 Schwerlasttransporter werden es am Ende sein, denn der zweite Kran auf der Baustelle im Grünen Weg muss auch noch angefahren und montiert werden. Seit Monaten laufen bereits die Vorarbeiten für die beiden nur durch die Frankfurter Straße getrennten Baustellen.

Denn für den Einsatz der Fahrzeugkräne beim Hausbau ist die exakte Planung von der Anfahrt über das Gelände bis zum Aktivitätsradius das A und das O der Bauvorbereitung. Straßen und Zufahrten müssen für das massive Gefährt geeignet sein. Auch sollte er so platziert sein, dass seine Stabilisatoren keine anderen Arbeitsabläufe behindern. Gleichzeitig müssen Sicherheitsabstände zu Baugruben oder den Nachbarhäusern eingehalten, notfalls zusätzlich abgesichert werden. „Das gehört alles zu unseren Vorarbeiten. Und da muss dann alles passen, denn wir haben für die Sondernutzung der Straßen nur 36 Stunden Zeit“, berichtet Reimann.

Das sei die Zeitspanne, die ihm die Stadt zur Einrichtung der Baustelle gewährt habe. Genau 21 Personen sind an diesem Morgen in den Ablauf eingebunden. Neben dem Oberbauleiter und dem Bauleiter, beides Diplom-Bauingenieure, und dem Polier gehören noch drei Bauarbeiter dem insgesamt 68 Mitarbeiter zählenden mittelständischen Bauunternehmen an. Die Übrigen sind Mitarbeiter beteiligter Firmen.

„Gute Mitarbeiter zu bekommen ist momentan eines der größeren Probleme in der Baubranche. Oftmals sogar schwieriger als Nachfolgeaufträge zu bekommen“, meint der Unternehmer nachdenklich. Er selbst hat in dem ursprünglichen Familienunternehmen Schmidt 1985 begonnen und die Firma dann vor einigen Jahren übernommen. Obwohl in der Baubranche Spitzenlöhne gezahlt würden, im dritten Lehrjahr beispielsweise 1400 Euro monatlich und ein Polier verdient oftmals mehr als ein Diplom-Ingenieur, bleiben auch heute noch Leerstellen unbesetzt. „Dabei ist die Baubranche krisensicher. Das sieht man doch jetzt deutlich auch bei der Regierungsbildung in Berlin: Der Wohnungsbau ist ein zentrales Thema“, so Reimann weiter. Für ihn ist Stadtentwicklung und bezahlbarer Wohnraum auch ein Anliegen, um das er sich in seiner Freizeit als Stadtverordneter im Bad Vilbeler Stadtparlament kümmert.

Ob der Wohnraum, den er mit seiner Firma im Auftrage der beiden Investoren in der Frankfurter Straße und dem Grünen Weg in den kommenden Monaten schaffen wird, bezahlbar ist, weiß er aber nicht: Das sei Sache der Investoren. Dann kommt aber doch wieder der Politiker in ihm durch: „Da müssen Bund und Land endlich etwas dafür tun.“

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