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Ärger um S6-Bahnausbau in Bad Vilbel: „Das ganze Haus wackelt“

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Von: Patrick Eickhoff

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Sind mit den geplanten Messungen der Deutschen Bahn nicht ganz einverstanden (von links): Marco Erlenbeck, Enkhzul Bürkler und Gabriele Lutz-Weber wünschen sich umfassendere Untersuchungen und Messungen an ihren Häusern in Dortelweil.
Sind mit den geplanten Messungen der Deutschen Bahn nicht ganz einverstanden (von links): Marco Erlenbeck, Enkhzul Bürkler und Gabriele Lutz-Weber wünschen sich umfassendere Untersuchungen und Messungen an ihren Häusern in Dortelweil. © Patrick Eickhoff

Aus zwei Gleisen mach vier: Der Ausbau der Main-Weser-Bahnstrecke schreitet voran. In Bad Vilbel will die Bahn jetzt Rüttelmessungen vornehmen. Einigen Anwohnern geht das nicht weit genug.

Bad Vilbel – Marco Erlenbeck, Enkhzul Bürkler und Gabriele Lutz-Weber haben etwas gemeinsam. Sie sind nicht nur an der Altkönigstraße in Dortelweil zu Hause - ihre Häuser stehen auch in unmittelbarer Nähe zu den zwei Bahngleisen. »Das führt leider nachts zu einem gewissen Problem«, sagt Marco Erlenbeck. »Das ganze Haus wackelt.« Tagsüber würde man das im Haus schon merken, fügt Enkhzul Bürkler an, »aber wenn nachts die Güterzüge fahren, dann ist es wirklich extrem. Am Anfang haben wir uns richtig erschrocken.« Mittlerweile haben sie sich zumindest etwas an das Problem gewöhnt.

S6-Bahnausbau zwischen Bad Vilbel und Frankfurt: Messungen werfen Fragen auf

Umso glücklicher waren die Dortelweiler, als sie Anfang November Post von einem Ingenieurbüro und der Deutschen Bahn erhalten »zur Durchführung von zusätzlichen Erschütterungsmessungen in den Gebäuden«. Diese werden nötig weil zwei neue Gleise hinzukommen. Marco Erlenbeck sagt: »Messungen sind gut für den erforderlichen Erschütterungsschutz. Wir hatten Hoffnung, dass dieser aufgrund der Messungen groß genug wird.« Doch die Anwohner haben nicht für alle Punkte Verständnis. »Rüttelmessungen sind gut, aber wir verstehen nicht, warum tagsüber für 24 Minuten gemessen werden soll und nicht nachts«, sagt Gabriele Lutz-Weber. Marco Erlenbeck fügt an: »Außerdem sind manche Messungen nur in vertikaler Richtung vorgesehen. Die viel schlimmeren Vibrationen sind jedoch horizontal.« Für die drei ist das »nichts halbes und nichts ganzes«. Sie wünschen sich: »Wenn schon gemessen wird, dann richtig.«

Wie eine Sprecherin der Bahn auf Anfrage mitteilt, sei die Uhrzeit nicht von großer Bedeutung. Es sei zwar richtig, dass die Art der Zugvorbeifahrten sich im Tagesverlauf unterscheide, diese höheren Erschütterungen würden auch berücksichtigt. »Ziel der aktuellen Messungen ist es jedoch, die erschütterungstechnischen Eigenschaften eines Gebäudes zu bestimmen, um die durchzuführende Erschütterungsprognose für das jeweilige Gebäude spezifizieren zu können. Die Übertragungsfunktionen, die messtechnisch ermittelt werden, sind Eigenschaften des jeweiligen Gebäudes und von der Stärke der Anregungsquelle unabhängig.« Das bedeute, dass die Anregung durch vermeintlich »leichtere« Züge bei den vorliegenden Entfernungen der Gebäude zur Bahnstrecke ausreichend ist, um diese Übertragungsfunktionen ermitteln zu können«.

Weiter erklärt die Sprecherin, dass, um statistische Sicherheit zu erlangen, über einen Beobachtungszeitraum von bis zu drei Stunden gemessen werde. Bei den Rüttelmessungen in Dortelweil soll an folgenden Punkten vertikal gemessen werden: »Im Kellergeschoss, auf der Sohlplatte vor der streckenzugewandten Außenwand, und in der Mitte des Fußbodens in den für die Prognose relevanten Räumen des Gebäudes. Marco Erlenbeck sagt: »Sie können von mir aus in jedem Raum messen, aber wieso nur in eine Richtung?«

S6-Bahnausbau in Bad Vilbel: Anwohner unglücklich mit Messungen

Die Sprecherin der Bahn schreibt: »Da hier die Vertikalkomponente, Z-Richtung, die Horizontalkomponenten, X-, Y-Richtung, übersteigt, werden die Berechnungen ausschließlich für die Vertikalkomponenten durchgeführt. Die hierbei ermittelten Beurteilungsschwingstärken werden mit den Beurteilungsanhaltswerten der DIN 4150-2 verglichen.« Anhand dieses Vergleichs werde im Anschluss geprüft, ob das Planvorhaben zu einer wesentlichen Erhöhung der Belästigungen infolge des Schienenverkehrs führt. »Wenn eine wesentliche Erhöhung nachgewiesen wird, besteht Anspruch auf Prüfung hinsichtlich erschütterungstechnischer Minderungsmaßnahmen.«

Die Anwohner sind damit nicht glücklich, suchen den Kontakt zur Bahn - bisher ohne Erfolg. Anwohner Marco Erlenbeck sagt: »Wir geben aber nicht auf. Wir sind schließlich nicht dagegen, wir wollen ja sogar, dass mehr gemacht wird als geplant.«

Was sind Rüttelmessungen?

Wer sich mit Gutachten rund um Rüttelmessungen befasst, der muss technisch bewandert sein. Schnell geht es um »DIN-Normen« und weitere Fachbegriffe. Doch was genau ist eine Rüttelmessung? Eine Sprecherin der Bahn erklärt auf Anfrage: »Grundsätzlich dienen die Messungen der Schärfung und statistischen Absicherung der durchzuführenden erschütterungstechnischen Prognoseberechnungen.« So würden mit den geplanten Messungen »die spezifischen baudynamischen Eigenschaften eines Gebäudes bestimmt«. Auf Grundlage der ermittelten Übertragungsfunktionen werden die zukünftigen Erschütterungsimmissionen für das Gebäude gebildet. wpa

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