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Aus Alt mach Neu

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Von: Jürgen W. Niehoff

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Bis zu 40 Prozent des recycelten Jeansstoffs kann zur umweltfreundlichen Herstellung neuer Hosen verwendet werden. Hier (v. l): Marco und Barbara Rahn sowie die IGLU-Gründerin Katharina Partyka. © Jürgen W. Niehoff

Bad Vilbel (jwn). Seit vergangenem Dezember bieten Barbara und Marco Rahn in ihrem Geschäft »byteMyStork« am Bad Vilbeler Marktplatz Jeans aus nachhaltiger Produktion zum Kauf an. Seit Mitte dieser Woche haben die beiden ihren Service erweitert. Nach dem Motto »Aus Alt mach Neu« haben sie in ihrem Laden eine blaue Tonne als Sammelstelle für alte und gebrauchte Jeans aufgestellt.

Dies geschieht im Rahmen einer Initiative der sehr auf ethische Ziele ausgerichteten Kölner Textilhändlerin Katharina Partyka. Sie setzt sich vor allem für Nachhaltigkeit ein und hat deshalb 2019 ihr »IGLU gUG«-Projekt gegründet - wobei IGLU für »Inspiration für Gemeinwohl und Lernen Umzudenken« steht. Nach Partykas Ansicht gehören alte und kaputte Jeans nämlich nicht in den Müll oder Altkleidercontainer, sondern in eine Jeans-Sammelbox. Der Grund: Jeansstoff eigne sich nämlich sehr gut zum Recyceln. Und die Menschen freuten sich, mit ihrer ausrangierten Jeans einen Beitrag zum Klimaschutz leisten zu können.

Da die Wirtschaft jedoch bei einem einheitlichen Rücknahmesystem noch nicht mitzieht, setzt Partyka mit ihrer IGLU-Initiative auf das Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Seit Donnerstag nun auch in Bad Vilbel. Zurückgenommen werden ab sofort im »byteMyStork«-Laden alte Jeans - egal, wo und wann sie gekauft wurden. Dort werden sie gesammelt und später nach Köln zur IGLU-Sammelstelle gefahren und von dort dem Herstellungsprozess wieder zugeführt.

Für die Rahns ist Nachhaltigkeit schon immer sehr wichtig gewesen. Die meisten Menschen würden sich bei der Wahl zwischen nachhaltig und konventionell hergestellter Ware für die nachhaltige Variante entscheiden, vorausgesetzt, beide Produkte sind hinsichtlich Preis, Verfügbarkeit, Auswahl und Design identisch. Die Rahns sind der Überzeugung, dass sich das Bewusstsein bei den Menschen im Zuge des Klimawandels ändere und dass der Faktor Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle spiele - auch beim Shoppen.

Auch die Kölnerin Partyka ist davon überzeugt, denn als sie 2019 ihre Idee mit IGLU umsetzte, war sie allein auf weiter Flur. Doch sie war überzeugt von ihrer Idee, denn als sie 2011 ihren ersten eigenen Modeladen in Köln eröffnete, da war ökofaire Kleidung noch nicht so angesagt. Trotzdem gab es auch damals bereits Kleidung, die wirklich modern und darüber hinaus fair produziert war. Und das zu einem bezahlbaren Preis. Diese Idee hat sie seither verfolgt und dann auch 2019 zum Start des IGLU-Projekts geführt. Ursprünglich war das Projekt nur auf Nordrhein-Westfalen begrenzt. Dort gebe es mittlerweile 30 bis 40 Sammelstellen. Mittlerweile ist der Funken jedoch auch in andere Bundeländer übergesprungen. So auch nach Hessen. Im Rhein-Main-Gebiet ist »byteMyStork« in Bad Vilbel die erste Sammelstelle. Voraussetzung für die Abgabe alter Jeans ist jedoch, dass sie aus mindestens 95 Prozent Baumwolle hergestellt wurden. Denn nur dann können sie wieder in den Kreislauf zurückkehren, um daraus neue Kleidung herzustellen. »Das reduziert Textilmüll und spart bis zu 70 Prozent Wasser und CO2«, betont Rahn noch einmal abschließend.

Erste Erfolge gibt es auch schon. So hat Partyka in Köln eine Kampagne gestartet und dabei in acht Wochen über 2000 alte Jeans einsammeln können. Insgesamt konnte IGLU im vergangenen Jahr bereits 7820 Kilogramm ausrangierte Jeans einsammeln und so helfen, 52 Millionen Liter Wasser einzusparen, die sonst bei der Herstellung neuer Jeans (pro Hose 8000 Liter) benötigt worden wären.

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