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Besichtigung einer »Jahrhundertinvestition«

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Von: Patrick Eickhoff

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Im Gespräch mit DB-Sprecherin Claudia Münchow (von links) geben Dezernent Stefan Majer (Grüne), Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU), der hessischeVerkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), Gerd-Dietrich Bolte und Dr. Klaus Vornhusen von der Bahn sowie RMV-Geschäftsführer Dr. André Kavai Einblicke in die Bedeutsamkeit des Gleisausbaus der S6. © Patrick Eickhoff

Die Deutsche Bahn hat gestern Vormittag zur S-Bahn-Baustellenbegehung in Bad Vilbel eingeladen. Das Fazit der Veranstaltung: Die Vollsperrung rückt näher, die Arbeiten laufen nach Plan.

Ohne Weste geht’s hier nicht weiter. Da gibt es keine Ausnahme«, sagt DB-Projektleiter Wolf-Dieter Tigges, der dabei auf eine Kiste mit orangenen Warnwesten deutet. Das gilt an diesem Montagvormittag auch für den hessischen Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir, Bad Vilbels Bürgermeister Thomas Stöhr, RMV-Geschäftsführer Dr. André Kavai sowie Stefan Majer, Frankfurter Dezernent für Mobilität und Gesundheit.

Kosten liegen bei 570 Millionen Euro

Zu Beginn der Führung durch die Baustelle heben die Gäste gemeinsam mit Tigges, dem Leiter für Bahn-Infrakstrukturprojekte Mitte, Gerd-Dietrich Bolte, sowie Dr. Klaus Vornhusen, DB-Konzernbevollmächtigter für das Land Hessen, die Bedeutung des Projektes hervor. Tarek Al-Wazir nennt das 570-Millionen-Euro-Projekt »eine Jahrhundertinvestition«. Die neuen Gleise für die S6 seien sehr wichtig. Schließlich stehe die Bahn auf der Strecke von Friedberg bis Frankfurt öfter mal auf dem Abstellgleis. »Die Verkehrswende wird mit dem Ausbau konkret. Die Bahn kommt pünktlicher und häufiger.«

Dass aus »Ideen Wirklichkeit wird«, darüber freute sich RMV-Geschäftsführer Dr. André Kavai. »Wir können ein besseres und pünktlicheres Angebot auf die Beine stellen.« Die letzte Fahrgastzählung vor Corona habe ergeben, dass 60 000 Menschen die Linie an einem durchschnittlichen Wochentag nutzen würden.

Im Sommer müssen sich die Vilbeler und Pendlerinnen und Pendler jedoch auf Sperrungen einstellen. Ab dem 13. Juni gibt es eine Teilsperrung. Die S6 fährt in diesen Wochen halbstündlich. Die große Vollsperrung erfolgt vom 9. Juli bis 5. September. Dann wird die Strecke Bad Vilbel-Frankfurt voll gesperrt. In diesen acht Wochen wird in der Quellenstadt die historische Niddabrücke abgerissen und der Ersatz eingeschoben. »Der Regionalverkehr wird über Hanau umgeleitet. Die Informationen gibt es demnächst auf der Homepage des RMV«, berichtete Vornhusen.

Nidda wird »verfüllt«

Kavai berichtete, dass es ab Bad Vilbel zwei unterschiedliche Varianten des Schienenersatzverkehrs geben wird: Eine Art Schnelltransport zur Konstablerwache »und einen, der jede Station einzeln anfährt«.

Bis Ende 2023 die eigenen Gleise in Betrieb gehen, ist allerdings noch einiges zu tun. Projektleiter Wolf-Dieter Tigges sagte: »Wir liegen im Zeitplan.« Erster Stopp der Baustellenbegehung: die Alte Niddabrücke.

Tigges informierte, dass für die Arbeiten die Nidda »verfüllt werden« müsse. Die neu entstehende Fläche diene als Arbeitsebene. Damit der Fluss eben weiter fließen kann, werden mehrere Rohre mit bis zu einem Meter Innendurchmesser verlegt. Während der Bauphase von 1. Mai bis zum 30. Oktober dürfen rund um die Brücke auf der Nidda keine Boote fahren - auch Wassersport ist verboten. »Darauf haben wir mit Schildern extra noch einmal hingewiesen.« Die bestehende Brücke werde abgerissen, die neue, die in Teilen schon zu sehen ist, eingehoben und eingeschoben. Das Ganze passiert während der acht Wochen Vollsperrung. »Leider bringt so eine Baustelle auch Einschränkungen mit sich.«

Minister Al-Wazir ergänzte, dass die Arbeiten »insgesamt natürlich viel zu lange gedauert haben«. Er habe auch Verständnis für Leute, die viele Fragen haben, aber »nicht zurecht« komme er mit einer Art Protest aus Prinzip. »Das sorgt auch dafür, dass das Projekt teurer wird. So ein Ausbau gelingt nicht ohne Sperrungen, doch sie sind zeitlich begrenzt und sorgen anschließend für eine deutliche Verbesserung.«

Anschließend ging es weiter über die Baustelle, auf der »rund um die Uhr gearbeitet wird«, so Tigges weiter. »Wir versuchen natürlich gerade die Lärmbelastung für Anwohner gering zu halten.« Der Steg, der Fußgänger und Radfahrer vom Südbahnhof in Richtung Freibad und Schulzentrum bringe, sei der größte Steg, der so je gebaut wurde. »Wichtig ist, dass wir alle Anbindungen eventuell mit kleinen Umwegen wieder hergestellt haben. Der Steg wird frühestens 2024 abgebaut.«

Die neue Unterführung ist allerdings ebenfalls schon zu sehen. »Damit wird ein barriefreier Zugang möglich sein«, freute sich Bad Vilbels Bürgermeister Thomas Stöhr. »Die Haltestellen sind mitten in der Stadt. Wir haben viele neue Baugebiete und wissen um die Bedeutung des Projektes. Wir freuen uns über die gute Zusammenarbeit mit der Bahn.«

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