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Besondere Stimmung in der Burg

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Von: Niklas Mag

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Die Golden Voices of Gospel begeistern auf der Burgbühne. © Niklas Mag

Die »Golden Voices of Gospel« sind zu Gast bei der Sonntagsmatinee der Burgfestspiele. Die Burg ist ausverkauft und die Sonne strahlt. Beste Voraussetzungen für gute Stimmung in Bad Vilbel.

Bevor es in der Burg richtig los geht, betritt die Managerin der Golden Voices, Ilia Haag, die Burgbühne. Denn 2022 sind die Sängerinnen und Sänger auf einer ganz besonderen Tour. »Sie sehen im Hintergrund ein sehr altes Gemälde«, erklärt Haag. Dieses zeigt Menschen in viktorianischer Kleidung beisammen sitzen. Ein Bild, dass vor fast 200 Jahren der englischen Königin geschenkt wurde. Es sind Schülerinnen und Schüler der Fisk School aus Nashville in den USA.

»Die Schule war pleite und die Schüler afro-amerikanischer Herkunft entschieden sich, mit ihrer Musik aufzutreten, um die Kasse aufzubessern.« Schnell habe der Direktor gemerkt, dass Gospels und Spirituals bei den Zuschauern sehr gut ankommen. »Die Schüler wurden in der Folge an den königlichen Hof in England eingeladen und tourten durch Europa. Sieben Jahre. Eine große Herausforderung im 19. Jahrhundert«, sagt Haag.

Euphorisch und hoffnungssuchend

160 Jahre ist diese Tour nun her und genau dieser ist es zu verdanken, dass Songs wie »Amazing Grace« oder »Go Down Moses« heutzutage in Amerika und Europa zum allgemeinen Repertoire gehören.

Die Golden Voices of Gospel betreten unter viel Applaus die Bühne. Sie haben sich in die zeitgenössischen Klamotten von 1862 geworfen und eben jene Songs dabei, die schon vor langer Zeit das Publikum eingenommen haben. Die Sängerinnen und Sänger werden von Bass, Keyboard und Schlagzeug begleitet, wechseln sich mit Soli ab und singen mehrstimmig die Spirituals und Gospels.

Das Burg-Publikum klatscht bei den euphorischen Stücken begeistert mit und verfällt bei den Klängen von »Go Down Moses« in andächtige Ruhe - es ist eines der Lieder, dessen Entstehung auf die afrikanischen Sklaven in Amerika zurückzuführen ist. Traurig und hoffnungssuchend, mit kurzen Strophen und einem wiederkehrenden Refrain.

Dwight Robson dirigiert seine Musikerinnen und Musiker und leitet in einer charmanten Mischung aus Englisch und Deutsch die einzelnen Songs ein. »Es heißt, dass das nächste Lied vom Kapitän eines Sklavenschiffs geschrieben wurde«, sagt er.

Momente mit Gänsehauteffekt

Dieser war vor Ägypten mit seinem Schiff voller Sklaven in einen heftigen Sturm geraten. »Er sagte zu Gott, er wolle sein Leben komplett ändern, wenn er diesen Sturm überlebt. Und dann ging die Sonne auf«, erzählt Robson. »Amazing Grace« lautet der Titel des Songs, den der Kapitän später geschrieben hat. Eines dieser Stücke, dessen erste Zeilen nahezu jeder im Kopf hat. Das Publikum hat das auf jeden Fall auch und singt auf Einladung von Robson die erste Strophe alleine. Das sorgt für Applaus seitens der Sängerinnen und Sänger auf der Bühne, die danach im mehrstimmigen Gesang für noch mehr Gänsehaut in der Wasserburg sorgen.

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