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Die Nase fühlt sich in der Nidda wieder wohl

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Hin und wieder sind Nasen mit der Unterwasser-Kamera zu sehen. Foto:pv © Red

Die Nase ist ein Fisch mit hohen Ansprüchen. Und dennoch ist es Wissenschaftlern gelungen, die Art wieder in der Nidda anzusiedeln

. Das ist ein weiteres Zeugnis davon, wie viel besser es dem renaturierten Fluss geht. Nach 30 Jahren Wiederansiedlungsprojekt war nun Zeit, zu feiern. Marco Weller, Vorsitzender des Bad Vilbeler Anglervereins, begrüßte die Wissenschaftler, Ingenieure und Gewässerverantwortlichen zur Fachtagung. Einen Nachmittag voller Vorträge rund um die Nidda und die Nase waren geplant. »Hassia stellt uns dafür nicht nur die Räume zur Verfügung, sondern hat die Wiederansiedlung und generell viele Projekte rund um die Nidda immer finanziell unterstützt«, bedankte sich Weller.

Für die Einleitung in den Tag gab es keinen Besseren als Gottfried Lehr. Denn der Bad Vilbeler Nidda-Experte und Gewässerökologe kümmert sich seit Jahrzehnten um die Nidda und gab deshalb einen Überblick über das, was es zu würdigen gilt. »Kanalisierung und Verschmutzung der Nidda waren der Hauptgrund dafür, dass Arten wie die Nase verschwunden sind«, begann er seine Ausführungen. In den 60er-Jahren habe die Nidda enorme Probleme gehabt. Immer wieder sei der Fluss umgekippt. Mit Beginn der ersten Renaturierungsmaßnahmen hatten Lehr und weitere Wissenschaftler und Institutionen über mehrere Jahre 600 Kilogramm »Laichtiere« - so nennt es der Experte - in die Nidda gebracht.

»Marketing und Pressearbeit waren für uns damals ganz wichtige Bausteine, denn so konnten wir in der Bevölkerung ein Bewusstsein für die Probleme schaffen«, berichtete Lehr und zeigte Zeitungsartikel aus den frühen 90er-Jahren, die ihn und seine Kollegen in der Nidda stehend zeigen. »1992 gab es einen harten Rückschlag. Eine Firma in Bad Vilbel beging einen großen Fehler, ein Tank lief über und Ätzlauge kam in die Nidda. Das führte dazu, dass viele Fische verendet sind.« Doch man habe weiter gemacht.

Gezielte Maßnahmen für die Nasen und andere Fische sollte es geben, Minibiotope und Sandbänke wurden errichtet. So zeigte Lehr ein Vorher-nachher-Bild der Erlenbachmündung. Ein kleiner Kanal in den 60er-Jahren, der durch eine karge und mit dem Lineal gezogene Hanglandschaft läuft. »Das aktuelle Bild habe ich vor zwei Wochen gemacht«, sagte Lehr. Der Unterschied ist augenfällig: In der neuen Aufnahme trifft der wilde Erlenbach auf die Nidda, gesäumt von Auenwäldern. Von geraden Linien ist nichts mehr zu sehen. »Die Nidda ist 90 Kilometer lang und hat den Vorteil, dass es sehr lange nicht unterbrochene Fließstrecken gibt.« Fast 40 Kilometer zwischen Eschersheim und Staden kann der Fluss frei laufen.

Auch das ist wichtig für die Wiederansiedlung von Fischarten. »Die Frankfurter Wehre werden außerdem zu den Wanderzeiten der Fische abgesenkt. So wird die Ausbreitung deutlich erleichtert«, weiß Lehr. Doch die Nase lasse sich nicht so einfach wieder ansiedeln und sei schwer zu beobachten. »Letztlich brachte uns Vandalismus auf die Idee, wie wir nachweisen können, an welchen Orten in der Nidda es bereits Nasen gibt. Jemand hatte einen Bauzaun in den Fluss geworfen und dieser wies später Kratzspuren auf. Nasen hinterlassen diese beim Fressen.«

Man habe deshalb Platten in der Nidda versenkt, die die Kratzspuren der Fische aufnehmen und somit konnte man deren Aufenthaltsorte und Anzahl dokumentieren. Die Ergebnisse: »Seit 2019 haben wir deutlich mehr Jungfischnachweise. Die Wiederansiedlung ist also auf gutem Weg. Die Population vergrößert sich zusehends.«

Neben der Nase haben sich viele Vogelarten wieder an der Nidda niedergelassen. Auch die europäische Sumpfschildkröte ist wieder heimisch und der Biber ist zurück. Die Renaturierung hat das Gesicht der Nidda positv verändert. Der Fluss kann sich selber seinen Weg suchen, was dank geschaffener Retentionsflächen Anliegerstädte vor Überschwemmungen schützt. nma

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