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Ein Blick ins Bad nach der Flutkatastrophe... © Christine Fauerbach

Die Menschen im Ahrtal brauchen auch noch ein Jahr nach der verheerenden Flut dringend Hilfe und Unterstützung. Uta W. aus Bad Neuenahr-Ahrweiler hat diese bekommen. Jetzt sagt sie allen Helfenden vor Ort, die aus ganz Deutschland ins Ahrtal kamen, dem Verein Hoffnungswerk und den vielen Spendern aus Bad Vilbel, dem Rhein-Main-Gebiet, Gießen und Garmisch-Partenkirchen »von ganzem Herzen« Danke.

I n der Nacht des 14. Juli 2021 trifft die Jahrhundertflut Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Wucht der Wassermassen ist zerstörerisch. Häuser, Autos, Straßen, Brücken, Strommäste, Bahngleise, Menschen und Tiere, alles wird von den Fluten mitgerissen. Die Ahr hat sich in einen reißenden Strom verwandelt. Wassermassen aus vier Landkreisen der beiden Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz fließen im Ahrtal zusammen.

Die Druckwelle der Sturzfluten und Überflutungen ist enorm. Sie bringt Tod und Zerstörung in die 29 000 Einwohner große Stadt wie auch alle anderen Orte im Ahrtal. Allein in Bad Neuenahr-Ahrweiler starben 69 Menschen.

Die Bad Vilbelerin Daniela Hinkel bittet die Quellenstädter am 22. Juli 2021 im »Hilfe, die vor Ort ankommt« überschriebenen Artikel in dieser Zeitung um Spenden für ihre Freundin Uta W. Auch zwei ehemalige Jugendfreundinnen in Gießen und Garmisch-Partenkirchen rufen Bürger in privaten Aktionen auf, der gebürtigen Gronauerin zu helfen.

Ihr direkt an der historischen Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert gebautes, kleines Fachwerkaus versank in Wassermassen und Schlammlawinen. Das Wasser bahnte sich seinen Weg durch Fenster und Türen, stiegt hoch bis knapp unter die Decke, riss alles mit. »Im Keller und im Parterre stand das Wasser 2,10 Meter hoch. Die Druckwelle war so groß, dass sie die Eckbadewanne im ersten Stock aus ihrer Befestigung gerissen und hochgehoben hat. Wände mussten entfernt werden, da zwischen der Stadtmauer und der Wohnzimmerwand Wasser und Schlamm stand.«

Haus musste entkernt werden

Zwar schützen die Stadtmauer und die auf der anderen Seite stehende große Klinik das Häuschen etwas, es musste aber trotzdem komplett entkernt und saniert werden. Die 57 Quadratmeter Wohnfläche des Fachwerkhauses mit den niedrigen Decken verteilen sich auf Keller, Erdgeschoss, ersten Stock und Dachgeschoss. »Es gibt zwei Zimmer pro Etage.« Im Haus war alles zerstört.

Daniela Hinkel organisierte Geräte wie Bauentfeuchter, Stromerzeuger und Schmutzwasserpumpen, brachte Schläuche, Schaufeln, Eimer, Verlängerungskabel, Besen, Gummihandschuhe, Anglerhosen, Gummistiefel, Getränke, Obst und Gemüse aus dem Garten nach Ahrweiler. Die Hilfsgüter kamen bei ihrer Freundin und allen Nachbarn zum Einsatz. »Viele Helfer kamen vom Bodensee nach Ahrweiler. Sie haben Dreck, Schlamm und Treibgut mit Schaufelbaggern und anderem schweren Gerät aus der Stadt gefahren. Zu den Helfern gehörten viele junge Leute. Sie haben uns allen geholfen. Sie sind in Pulks von bis zu 30 Leuten von einem zerstörten Haus in das nächste gezogen, haben angepackt und den Bewohnern beim Aufräumen und Abreißen geholfen«, berichtet die 58-Jährige. »Wir hatten keinen Strom, kein WC, kein Bad, keine Küche. Es war wie im Krieg. Eine totale Zerstörung ohne Waffengewalt.«

Das Gemeinschaftsgefühl ist im Ahrtal seit der Flut sehr stark, sagt die Physiotherapeutin Uta W. Und sie fügt hinzu: »Meine Familie und ich haben großes Glück gehabt. Meine Tochter Hannah (28) und ihre Freundin, die in meinem Haus seit 2014 wohnen, hatten es mit ihren Tieren verlassen, um sich vor der Flut in die Weinberge zu retten. Das war unmöglich. Eine alleinstehende Nachbarin hatte die beiden beobachtet und sie in ihr Haus geholt. Das Trio verbrachte die Nacht mit den Tieren unterm Dachgeschoss des Nachbarhauses. Auch mein Sohn Bastian (29) und ich wurden körperlich nicht verletzt.«

Zu kämpfen haben alle Betroffenen mit seelischen Traumata. »Andere haben es viel schwerer als ich. Die haben Angehörige verloren.« Seit der Flut leben die Menschen im Ahrtal im Dauerstress, stehen unter riesiger Anspannung. Bedanken will sich Uta W. bei allen, die ihr, ihrer Familie und den Nachbarn in ihrer großen Not bisher geholfen haben. Und durch ihre Spenden, insgesamt ist ein fünfstelliger Betrag zusammengekommen, die die Sanierung des Hauses ermöglichten. »Wir haben wieder eine Haustür, WC und Dusche funktionieren. Die Lehmbauer haben ihre Arbeit abgeschlossen, dass hinter einer Rigipswand versteckte Fachwerk wurde freigelegt und saniert. Den Schimmel konnten wir durch Lüften und Trocknen mit dem neuen Ofen entfernen.«

Uta W. berichtet, dass es noch viele Menschen im Ahrtal gibt, die Hilfe und Unterstützung beim Wiederaufbau brauchen. Mehr als 5000 Gebäude wurden stark beschädigt oder vollständig zerstört. Zwar stünden 30 Milliarden Euro Fördergelder für die Menschen im Flutgebiet aus einem staatlichen Hilfsfonds zur Verfügung, doch bisher sei nur sehr wenig Geld und wenn dann nur in niedrigen Abschlagszahlungen geflossen, sagt sie. »Ich habe nichts von der Versicherung bekommen und im Mai das erste Geld von der Bank erhalten. Andere haben noch gar nichts bekommen, konnten nicht anfangen ihrer Häuser zu sanieren.«

»Großartiges Geschenk«

Im Gegensatz zu ihr. Durch die Hilfe der ehrenamtlichen Helfer und die finanzielle Hilfe der Spender. »Es beschämt und belastet mich sehr, dass ich dieses großartige Geschenk habe annehmen müssen. Meine Ersparnisse hatte ich in den beiden Jahren vor der Flut in neue Fenster, eine neue Heizung und die Sanierung der Hausfassade gesteckt. Die Spenden ermöglichten den Rückbau und die Renovierung großer Teile des Hauses, in das meine Tochter und ihre Freundin im Mai wieder einziehen konnten. Jetzt warten wir auf Handwerker und Material. Ich danke allen und wünsche jedem, dass er in schwierigen Momenten Hilfe erhält wie ich.« Bei vielen Bewohnern sei nach der anfänglichen Aufbruchstimmung Ernüchterung, Ratlosigkeit und Verbitterung über bürokratische Hürden eingetreten. Die von Politikern und der Regierung versprochene unbürokratische Hilfe sei im Ahrtal nicht angekommen, sagt sie.

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... und ein Blick ins Bad nach nach der Sanierung. © Christine Fauerbach

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