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Ein Verein erfindet sich neu

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Von: Jürgen W. Niehoff

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Bürgermeister Sebastian Wysocki überreicht einen Spendenscheck zum Vereinsgeburtstag an die Vorsitzende des Bienenzuchtvereins Bad Vilbel, Sabine von Trotha. © Jürgen W. Niehoff

Der Bienenzuchtverein Bad Vilbel besteht seit 150 Jahren. Das wird in diesem Jahr gefeiert. Auch am vergangenen Sonntag beim Tag der offenen Tür auf dem Vereinsgelände im Bienengrund.

Es herrschte Kommen und Gehen im Bienengrund, einem Gelände nahe der Bahnstrecke am Berkersheimer Weg, das der Verein erst 2015 von der Stadt erhalten hat. Ein Jahr später war die Stadt erneut behilflich und vermittelte dem Verein geflüchtete Menschen, die mithalfen, den Garten auf Vordermann zu bringen und für eine gemütliche Atmosphäre sorgten, blickte man in die Geschichte des Vereins zurück.

Global denken, lokal handeln

Neuen Schwung brachte die seit 2014 amtierende Vorsitzende Sabine von Trotha mit. Von 42 Vereinsmitgliedern bei Übernahme des Vereinsvorsitzes, schafften die Bienenzüchter bis heute fast eine Verdoppelung der Mitgliederzahl - auf 78. Noch eine positive Zahl gibt es zu vermelden: Besaßen die Vereinsmitglieder 2014 zusammen 145 Bienenvölker, so nennen sie heute 279 ihr Eigen. Davon gehören 73 Völkern weiblichen Mitgliedern, im Gegensatz zu 2014, da waren es nur sechs Völker.

Und noch etwas hat sich nach Aussage der Vereinsvorsitzenden in den vergangenen Jahren verändert. Stand 140 Jahre fast ausschließlich die Bienenzucht im Mittelpunkt des Vereinslebens, so hat sich dies im vergangenen Jahrzehnt auf den Schutz der gesamten Insektenwelt ausgedehnt. »Der Spruch ›global denken, lokal handeln‹ gilt nun auch für uns. Die Biene wird überall auf unserem Globus gebraucht und deshalb müssen wir dafür sorgen, dass sie uns erhalten bleibt«, erklärte von Trotha.

Auch für den Nachwuchs gibt es allerlei zu entdecken: So lädt der Verein Schulklassen zu Informationsveranstaltungen in den Bienengrund ein.

Kinder für die Natur begeistern

»Viele Kinder wissen überhaupt nicht, wie wichtig die Bienen für unsere Natur sind«, sagte von Trotha. Nicht umsonst sei eines der 17 Ziele der UN-Agenda für nachhaltige Entwicklung den Insekten vorbehalten. Zum Tag der offenen Tür des Bienenzuchtvereins war auch Bürgermeister Sebastian Wysocki (CDU) gekommen. Er hatte einen Scheck über 750 Euro dabei und zollte dem Verein viel Anerkennung: »Mit 150 Jahren zählt er zu den ältesten Vereinen der Stadt.« Wysocki erklärte, warum Traditionsvereine wie beispielsweise der Bienenzuchtverein seiner Meinung nach überlebten: »Sie richten sich einfach immer wieder neu aus und erfinden sich neu.«

Dabei sei ihr Markenkern, der Enthusiasmus für den Umweltschutz, die wesensgemäße Bienenhaltung und die Faszination für die Bienen nie verloren gegangen. »Bewahren sie diese Eigenschaften. Dann ist mir um ihren Verein nicht bange«, gab der Bürgermeister den Vereinsmitgliedern mit auf den Weg.

Derweil wollten kleinen Gäste unendlich viel über die Bienen und die Arbeit der Züchterinnen und Züchter wissen: Woher wissen die Bienen, in welchen Kasten sie fliegen müssen? Wie finden sie überhaupt wieder zurück zu ihrem Bienenstock? Haben sie etwa auch ein Navi? Wie oft bist du schon gestochen worden? Es waren so viele Fragen, dass die drei Vereinsmitglieder an den Bienenkörben kaum alle beantworten konnten.

»Also die gelb-schwarzen Brummer, die euch beim Kuchenessen auf der Terrasse immer ärgern, das sind keine Bienen, sondern Wespen. Und gestochen werde ich im Durchschnitt etwa 100-mal im Jahr. Aber das merke ich kaum noch und es passiert auch nur an den Händen, wenn ich die Rahmen mit den Honigwaben aus den Bienenkästen herausholen will und nicht aufpasse«, so lauteten einige der Antworten.

Ganz aufmerksam verfolgten sodann Jung und Alt, wie ein Rahmen aus dem Kasten geholt wird und wo genau der Honig im Rahmen steckt. Dass Bienen keinen allzu großen Appetit auf Kuchen haben, konnten dann die Gäste anschließend selbst ausprobieren, denn es gab Kaffee und Kuchen für die Gäste, aber auch für die Vereinsmitglieder, die gelegentlich Zeit für eine Pause hatten.

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