1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis
  4. Bad Vilbel

»Eine gewisse Bastlermentalität«

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Niklas Mag

Kommentare

gaed_Reparaturcafe_nma_3__4c_3
Klaus Arabin wirft einen ersten Blick auf die mitgebrachten Gegenstände. FOOS: MAG © Niklas Mag

Das Reparaturcafé der AWO Bad Vilbel ist nach langer Pandemiepause endlich wieder geöffnet. Gleich am ersten Tag nutzten zahlreiche Bad Vilbeler die Chance, ihre kaputten Geräte zur Überprüfung bei den Tüftlern abzugeben.

D er Milchaufschäumer läuft nicht mehr. Zwar konnte man ihn in der Vergangenheit immer noch einmal anschieben, aber jetzt rührt sich nichts mehr, erzählt die Vilbelerin, die mit dem Fahrrad aus Dortelweil zum Freizeitzentrum in der Saalburgstraße gekommen ist. Hier nimmt Klaus Arabin von der AWO an einem unter der Sonne aufgestellten Tisch die Geräte entgegen und wirft außerdem einen ersten Blick auf die Gegenstände.

Schnell ist der Milchaufschäumer geöffnet und Arabin beginnt mit der Diagnose: »Sie sind auch sicher, dass die Batterien immer neu waren?« Ein altes Gesetz aus der Medizin besagt, dass oftmals die einfachste Antwort die richtige ist. Vermutlich ergibt es Sinn, das auch auf kaputte Elektrogeräte anzuwenden. Leider scheint es beim Milchaufschäumer aber tatsächlich komplizierter zu sein. Selbst nachdem die Batterien geprüft wurden, läuft das Gerät nicht. Die Vilbelerin würde aber auch eine Weile darauf warten, sagt sie. »Ich habe hier schon diverse Geräte repariert bekommen. Das ist ja auch eine Form von Nachhaltigkeit. Wenn das Gerät wirklich irreparabel ist, kann ich es dann mit gutem Gewissen wegwerfen.«

Selbst Ersatzteile bestellen

Das Reparaturcafé ist nun außerdem noch deutlich effektiver, wie Klaus Arabin zu berichten weiß: »Wir können jetzt auch selbst Ersatzteile bestellen und können auch mal etwas lagern, falls eine Reparatur länger dauert.«

Bügeleisen, Toaster und eine Mikrowelle warten bereits an diesem Nachmittag darauf, von den Tüftlern in Augenschein genommen zu werden. Der Toaster ist fast schon wieder geheilt. Ralph Bülow und Hans Bloos haben in Teamarbeit am Gerät geschraubt und setzen die Außenabdeckung wieder auf die Technik. »Über die Jahre eignet man sich das Wissen an. Das ist auch einfach eine gewisse Bastlermentalität«, glaubt Ralph Bülow. Man müsse ein gewisses Gefühl für die Gegenstände mitbringen und verstehen, wie sich der Ingenieur die Funktionsweise einst gedacht hat. »Meist sind es auch Bedienfehler, die wir korrigieren. Das Gerät funktioniert eigentlich noch, nur der Schalter klemmt. Solche Dinge.«

Die größte Herausforderung für ihn sei einmal ein altes Radio gewesen, überlegt er: »Das war ein ganz ganz altes, wo vorne noch eine Nadel die Frequenzen angezeigt hat. Da war ein Zugband gerissen.« Er habe sich daraufhin sehr exakt mit dem Gerät befassen müssen, denn das Gummiband lief durch das ganze Gehäuse. »Manchmal bekommt man hier Sachen auf den Tisch, die man erst mal gründlich untersuchen muss.«

Der Toaster jedoch läuft wieder. »Es riecht schon«, freut sich die Vilbelerin, die diesen mitgebracht hat, und tatsächlich: Der typische Geruch von verbrannten Brotkrümeln steigt vom eigentlich totgeglaubten Toaster auf. »Heiß wird er auch. Ich denke, der ist repariert«, lautet das Fazit von Hans Bloos.

An jedem ersten Montag im Monat ist das Reparaturcafé in der Saalburgstraße 1 von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Begutachtung und Reparatur sind kostenlos, Spenden werden aber gerne entgegengenommen. Die Kosten für Ersatzteile tragen die Besitzer der Geräte. nma

gaed_Reparaturcafe_nma_4__4c_3
Hans Bloos (links) und Ralph Bülow haben in Teamarbeit den Toaster wieder in Gang gesetzt. © Niklas Mag

Auch interessant

Kommentare