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Frischer Saft aus eigenen Äpfeln

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Heiko Lorenz schüttet seine Äpfel aufs Förderband. © Christiane Kauer

Es rumpelt, es knattert und es rattert. Und es riecht nach frisch gepressten Äpfeln, wenn die mobile Kelter des Mainäppelhauses in Aktion ist. Das war sie am Sonntag auf dem Festplatz, wo sie in Kooperation mit dem Obstbauverein Bad Vilbel Station machte.

Dein Obst ist dein Saft« lautet das Motto der mobilen Kelter. Acht Leute, meist Streuobstwiesenbesitzer, hatten sich angemeldet, um aus ihrem eigenen Obst - insgesamt etwa 2000 Kilo Äpfel - ihren eigenen Saft keltern zu lassen, berichtet Wilfred Stöcker vom Mainäppelhaus am Frankfurter Lohrberg.

Wie das Keltern funktioniert, erläutert Peter Beltz, Vorsitzender des Obstbauvereins: Über ein Förderband werden die Äpfel in einen Bottich transportiert, wo sie gereinigt werden. Über ein weiteres Förderband gelangen sie in ein Häckselwerk, werden nach oben getragen und ausgepresst. Der Saft - so frisch gepresst heißt er Süßer oder Most - wird in große Behälter gefüllt.

Grundstock für Apfelwein

Wer Süßen haben möchte, bringt sich die Kanister dafür mit und befüllt sie. Der Süße ist trinkfertig, kann aber auch verwendet werden, um daraus Apfelwein zu machen. Wer Saft haben möchte, hat noch eine Station vor sich: einen weiteren Behälter, in dem der Süße schonend auf 82 Grad erhitzt und pasteurisiert, also haltbar gemacht wird, bevor er steril in Saftboxen von drei, fünf oder zehn Litern gefüllt wird.

Das Rumpeln und Knattern und der Geruch nach frisch gepressten Äpfeln zieht am Sonntagvormittag auch Leute auf den Festplatz, die an der nahen Nidda spazieren, und insbesondere die Kinder beobachten die Vorgänge genau. Das Angebot des Kelterteams, den Trester zu probieren, also das ausgepresste Fruchtfleisch, lehnen sie jedoch ab. So appetitlich sehe der schließlich nicht aus, auch wenn es ein wertvolles Produkt sei. Was passiert also damit? »Den holt ein Landwirt ab, um ihn an seine Tiere zu verfüttern«, sagt Peter Beltz. Die erste Ladung Äpfel an diesem Keltertag hat dem Besitzer rund 200 Liter Saft eingebracht. Während er seine Saftboxen auf der einen Seite der mobilen Kelter ins Auto lädt, fährt Heiko Lorenz mit seinem Anhänger an der anderen Seite vor und schüttet seine etwa 300 Kilo Äpfel aufs Förderband. Er ist Imker aus Maintal und Besitzer von zwei Streuobstwiesen mit etwa 180 Obstbäumen - für ihn die »perfekte Symbiose«, wie er sagt. Sie beschere ihm eine gute »Ernte im Glas«, eben den Honig und den Apfelsaft. Er nutzt zum ersten Mal die Gelegenheit der mobilen Kelter und freut sich, dass er seinen eigenen Saft, ein gutes Bioprodukt, gleich mit nach Hause nehmen kann.

Vor neun Jahren begann die Kooperation des Obstbauvereins mit der mobilen Kelter des Mainäppelhauses, sagt Peter Beltz. Die ersten Male wurde am Kurhaus gekeltert, inzwischen am Festplatz, wo man mit großen Autos oder mit Anhängern besser vorfahren könne. In den vergangenen Jahren war die mobile Kelter sehr gut ausgelastet, es seien jeweils acht bis neun Tonnen Äpfel verarbeitet worden. In diesem Jahr ist die Apfelernte nicht so gut, wie auch die angemeldete Menge von etwa zwei Tonnen Äpfeln zeigt. Woran liegt das? »Es gab spät noch mal Frost«, so Peter Beltz, »das hat vielen Bäumen geschadet.« Zudem gebe es alternierende Apfelsorten, also Sorten, die nur alle zwei oder drei Jahre größere Mengen an Früchten tragen.

Die mobile Kelter ist während der Kelterzeit von Ende August bis Anfang November in einem großen Umkreis unterwegs: von Höchst im Odenwald bis Reichelsheim in der Wetterau, von Neu-Anspach im Taunus über den Kahlgrund bis nach Aschaffenburg.

Wer keltern lassen möchte, sollte mindestens 100 Kilo Obst mitbringen, sagen die beiden Experten. Geringere Mengen beanspruchen die Anlage mehr und verursachen höheren Aufwand, auch bei Reinigung und Filtration.

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