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Gesang, Erfolg und Leid

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Von: Niklas Mag

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Harry Frommermann (Mitte, Lukas Benjamin Engel) treibt seine Gesangskollegen mit seinem Perfektionismus an: Fünfstimmiger Gesang begleitet am Klavier. Die Premiere der Revue »Die Comedian Harmonists« begeistert in der Wasserburg. FOTO: SOMMER © Red

Ein jeder kennt ihre Songs, doch nicht die düstere Geschichte. Der Revue »Comedian Harmonists« auf der Burgfestspielbühne gelingt es eindrucksvoll dies nachzuzeichnen.

Das Bühnenbild kommt dezent daher. Hier hat Bühnenbildnerin Dorothea Mines kein 30er-Jahre-Panorama aufgebaut, sondern sich für weiße Platten entschieden, vor denen fünf schwarze Platten stehen. Hinter diesen erscheint zu Beginn Harry Frommermann (Lukas Benjamin Engel). Dieser lädt zum Vorsingen ein, denn er hat einiges vor: Die Gründung eines Gesangsensembles wie es vorher noch nie da war. Nachdem einige eher schrullige Gestalten beim Casting aufgetaucht sind, lässt Robert Biberti (Jan Henning Kraus) ihn mit offenem Mund stehen. Die beiden finden schnell alle weiteren Mitglieder: Ari Leschnikoff (Samuel Meister), Erich Collin (Christian Müller), Roman Cycowski (David Severin) und den Pianisten Erwin Bootz (Horst Maria Merz).

Das Ensemble zeigt den frühen Probenalltag der noch namenlosen Gruppe. Ein Jahr lang trainieren sie perfekte Harmonien, fünfstimmigen Gesang. Harry Frommermann ist nie wirklich zufrieden und treibt mit seinem Perfektionismus seine Kollegen in den Wahnsinn. Doch alle hegen den selben Traum. Sie wollen das berühmteste Gesangsensemble werden, das die Welt kennt. Aber der Weg ist mehr als steinig. So hinterfragen immer wieder Mitglieder der Gruppe die Sinnhaftigkeit des Vorhabens. Erich Collin verliert seine Freundin, Harry Frommermann wird wegen des Probenlärms aus seiner Wohnung geworfen.

Erfolg stellt sich rasch ein

Der Fortgang der Geschichte ist bekannt. Nach einigen weiteren Rückschlägen landen die Comedian Harmonists einen großen Auftritt nach dem nächsten. Sie touren durch Europa und schwimmen plötzlich im Geld. Die Euphorie ist auf dem Höhepunkt. Pause. In der zweiten Hälfte wendet sich das Blatt. Es geht für die »Comedian Harmonists« nicht mehr steil bergauf. Zwar beginnt der zweite Teil des Abends mit einem großen und lang von der Gruppe erwarteten Konzert, doch läuft es den Zuschauern nach Erich Collins Kommentar: »Habt ihr gehört? Adolf Hitler ist zum Reichskanzler ernannt worden«, das erste Mal kalt den Rücken hinunter. Was die Musiker in diesem Moment als Nachricht nebenbei abtun, wird ihr Leben bald verändern.

Einer der roten Vorhänge seitlich der Bühne wird zum Hintergrund für eine grausige Ansprache eines hohen Nazis (Hendrik Vogt). Er erklärt die Musik wegen der englischen Einflüsse und den drei jüdischen Mitgliedern für »entartet«.

Streit unter besten Freunden

Die Gruppe darf nicht mehr auftreten, muss sich einen neuen Namen suchen und die jüdischen Mitglieder müssen das Ensemble verlassen. Unter den vormals besten Freunden kommt es zu verzweifelten Streits, Anschuldigungen und einem letzten gemeinsamen Lied, das im Publikum sogar für die ein oder andere Träne sorgt. Hendrik Vogt erklärt dem Publikum diesmal als Erzähler: »Alle Comedian Harmonists überlebten den Zweiten Weltkrieg, konnten aber nie wieder an ihren Erfolg anknüpfen und sind nie wieder zusammen aufgetreten.«

Mit dem Finale der Inszenierung und drei Zugaben begeistert das Ensemble die Zuschauer zum Abschluss noch einmal und bekommt dafür viel Beifall. Fünfstimmiger Gesang, der nur durch ein Klavier begleitet wird, verzeiht keine Fehler. Noch dazu ist die Musik der Comedian Harmonists für Komplexität bekannt. Zudem müssen die Schauspieler die Choreographie verinnerlichen. Das verschafft beim Publikum Respekt.

Gespielt wird bis Ende Juli

Am 20. Juni geht es mit den Aufführungen von »Comedian Harmonists« in der Burg weiter. Gespielt wird das Stücke ebenso am 21., 22. und 23. Juni. Dann gibt es eine Pause bis in den Juli. Ansonsten wird das Stück nur bis Ende Juli aufgeführt, wer noch Karten für die Revue möchte, sollte sich also beeilen. Weitere Informationen und Tickets gibt es im Interner unter der Adresse www.kultur- bad-vilbel.de sowie im Kartenbüro der Burgfestspiele, Klaus-Havenstein-Weg 1. Telefonisch zu erreiche ist das Kartenbüro unter der Nummer 06101/559455. nma

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