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Gratulation und Kampfansagen

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Von: Patrick Eickhoff

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Clemens Breest (links, Grüne) und Sebastian Wysocki (CDU) haben sich ein spannendes Rennen um den Posten des Bad Vilbeler Bürgermeisters geliefert. Letzterer sicherte sich 53 Prozent und gewann die Wahl denkbar knapp. © Nicole Merz

Sebastian Wysocki (CDU) hat sich bei der Bürgermeister-Stichwahl gegen den Grünen-Bewerber Clemens Breest durchgesetzt. Wie ordnen die Parteien die Wahl ein?

Von Katerstimmung keine Spur: Am Morgen nach der Bürgermeisterwahl gibt sich der denkbar knapp unterlegene Clemens Breest (Grüne) kämpferisch. »Nach der ersten Wahl wusste ich, dass es eine Herkulesaufgabe wird«, sagt er. »Dieses Wahlergebnis ist ein deutliches Signal an die Koalition. Ich bin froh, dankbar und entschlossen.«

724 Stimmen lagen letztlich zwischen Breest (47 Prozent, 5667 Stimmen) und Sebastian Wysocki (CDU, 53 Prozent, 6391 Stimmen). Breest holte 2041 Stimmen mehr als bei der ersten Wahl zwei Wochen zuvor. Viele Wählerinnen und Wähler, die ihr Kreuz noch bei Gunther Salomon (SPD) und Anja Nina Kramer (FDP) gemacht hatten, votierten für den Grünen. Für Breest ein eindeutiges Zeichen. »Fast die Hälfte der Wähler wünscht sich eine andere Politik. Diese Wählerwanderung muss die CDU-SPD-Koalition als ein deutliches Stoppzeichen verstehen.« Persönlich ist Breest »über die große Zustimmung sehr ergriffen, ich bedanke mich sehr herzlich dafür.«

Wysocki ist überglücklich

Glücklich und zufrieden ist man bei der Bad Vilbeler CDU. Vorsitzender Tobias Utter, der morgens noch den Bundespräsidenten in Berlin wählte und pünktlich um 18.40 Uhr in Bad Vilbel ankam, sagt: »Wir sind sehr glücklich. Es ist besser als das, was die CDU derzeit an Ergebnissen einfährt, auch wenn sie auf dem Weg der Besserung ist. Ich bin sehr optimistisch, dass Sebastian Wysocki ein toller Bürgermeiser wird.« Der Wahlkampf sei in den letzten Wochen etwas hochgekocht. »Nicht alles fanden wir in Ordnung. Sebastian ist diesen Stil nicht mitgegangen. Jetzt werden wir mit voller Kraft weiter den Koalitionsvertrag umsetzen.« Dafür verantwortlich wird der neue Bürgermeister sein. Wahlsieger Sebastian Wysocki beschreibt seinen Zustand am Montag als »freudige Erschöpfung«. Die ganze Anspannung sei abgefallen. »Ich bin natürlich überglücklich und die Stimmung ist hervorragend. Aber es ist auch viel Arbeit gewesen.« Er habe geahnt, dass es ein enges Ergebnis geben werde. »Umso glücklicher bin ich, dass es für mich gereicht hat. Wir haben in den zwei Wochen nochmal Vollgas gegeben und die Wähler animiert.« Er lobt: »Clemens Breest hat wirklich einen engagierten Wahlkampf betrieben.«

Das sieht man auch beim Koalitionspartner der CDU, der SPD. Deren Vorsitzender Bernd Hielscher sagt: »Uns bleibt festzustellen, dass Clemens Breest ein sehr gutes Ergebnis erzielt hat und dazu gratulieren wir.« Eine Mehrheit habe jedoch Sebastian Wysocki zum nächsten Bürgermeister gewählt. »Allerdings ist die Mehrheit nicht so deutlich ausgefallen, wie sie von vielen erwartet wurde. Dies verstehen wir so, dass die SPD als Partner in der Koalition hier in Bad Vilbel ein Signal für Veränderungswünsche an die Bad Vilbeler Politik nicht übersehen kann.« Enttäuscht ist man bei den Sozialdemokraten von der Wahlbeteiligung. Sie lag in der Stichwahl bei 45,78 Prozent. »Es hat sich nicht mal jeder zweite Wahlberechtigte für einen der beiden Kandidaten entschieden. Es macht uns in der SPD ratlos, wie das zu interpretieren ist, ist mehr als der Hälfte die Entwicklung Bad Vilbels egal? Die sozialen Medien erwecken aber einen anderen Eindruck.«

Grüne wollen Ersten Stadtrat stellen

Auch die FDP gratuliert dem Wahlsieger, aber auch Clemens Breest zu Ergebnis. Das Ergebnis mache deutlich »dass die Zeiten, die immerhin 1977 begonnen haben, vorbei sind, wonach die CDU immer große Wahlsiege erzielen konnte«, so FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn. »Offensichtlich sollte die CDU auch in Bad Vilbel wieder etwas demütiger werden.«

Die stellvertretende Vorsitzende der FDP Stadtverordnetenfraktion Julia Russmann empfiehlt gerade der CDU, nach dem Wechsel von Wysocki auf den Sessel des Bürgermeisters auf die Besetzung des Amts des Ersten Stadtrats mit einem weiteren hauptamtlichen CDU-Politiker zu verzichten. Die derzeitigen Wahlergebnisse würden eine derartige Dominanz für die Union nicht mehr legitimieren. Hier müsse auch die SPD ihren Koalitionspartner »auf den Boden der Demut« zurückholen.

Da sind sich die Oppositionsparteien einig. Denn: Kathrin Anders und Jens Matthias, Fraktionsleitung der Grünen, fordern angesichts des knappen Ausgangs: »Die Bürgerinnen und Bürger in der Stadt vermissen wichtige Themen in der Stadt, für die Clemens Breest eintritt. Deshalb fordern wir, die freiwerdende Position des hauptamtlichen Ersten Stadtrates mit Clemens Breest zu besetzen.« Ein Thema, das in den kommenden Monaten mit Sicherheit an Fahrt aufnehmen wird.

Raimo Biere (AfD) gratuliert im Namen der AfD-Fraktion Sebastian Wysocki zu seinem Wahlerfolg, aber zollt »gleichzeitig Clemens Breest Respekt für sein Wahlergebnis«. Das Ergebnis der Stichwahl sei fast exakt das Ergebnis der Kommunalwahl aus dem Vorjahr, als Grüne und SPD zusammen auf 46,21 Prozent der Stimmen kamen. »Leider war die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl noch einmal geringer als bei der ersten Wahl mit vier Kandidaten.« Mit Wysocki wolle man sachorientiert zusammen arbeiten, erklärt Biere.

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