1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis
  4. Bad Vilbel

Große Veränderungen stehen an

Erstellt:

Von: Christine Fauerbach

Kommentare

HP_0LOK01NDP-B_101429_4c_1
Die Strukturen in der katholischen Kirche wandeln sich. Auch die St.-Nikolaus-Gemeinde wird einem großen Pastoralraum angehören. © Christine Fauerbach

Im Bistum Mainz stehen gravierende Veränderungen an. Der seit drei Jahren beschrittene sogenannte Pastorale Weg ist in seine zweite Phase eingetreten. Das hat auch Auswirkungen auf die heimische Kirchenlandschaft.

G roße Veränderungen stehen den katholischen Kirchengemeinden im Bistum Mainz bevor. Eingeleitet wurden sie bereits 2019 mit dem Pastoralen Weg. Angestoßen hatte den Prozess der geistlichen und strukturellen Erneuerung der Kirche im Bistum Bischof Peter Kohlgraf. Mit dem Pastoralen Weg trägt das Bistum Mainz, wie andere Bistümer auch, der Veränderung der Rolle der Kirche in der Gesellschaft Rechnung. Ziel ist es, die Zukunftsfähigkeit zu gewährleisten.

Seit Beginn der zweiten Phase des Pastoralen Weges Ende April dieses Jahres gibt es 46 Pastoralräume im Bistum, aus denen bis zum Jahr 2030 insgesamt 46 neue Pfarreien hervorgehen sollen. Die Gründung der Pastoralräume ist die Vorstufe zur Gründung von neuen Pfarreien.

Künftig sind es

vier Regionen

In dieser Übergangsphase sollen die bisherigen 134 Pfarrgruppen und Pfarreienverbünde im Bistum sowie die verschiedenen Kirchenorte wie Caritas, Kindertagesstätten und Schulen zu einem »lebendigen Netzwerk« zusammenwachsen. Das Bistum Mainz ist zudem ab August dieses Jahres in vier Regionen unterteilt. Die bisherigen 20 Dekanate wurden zum 1. Juni aufgelöst. Ein Teil der Aufgaben der bisherigen Dekanate wird auf die neuen Pfarreien übergehen, einige Aufgaben auf die Bistumsebene.

Das Bistum Mainz gliedert sich künftig in die vier Regionen: Oberhessen (bisherige Dekanate Alsfeld, Gießen, Wetterau-Ost und -West), Mainlinie (bisherige Dekanate Dreieich, Offenbach, Rodgau, Rüsselsheim, Seligenstadt), Rheinhessen (bisherige Dekanate Alzey-Gau-Bickelheim, Bingen, Mainz-Stadt und -Süd, Worms) und Südhessen (bisherige Dekanate Bergstraße-Mitte, -Ost, -West, Darmstadt, Dieburg, Erbach).

Das katholische Pfarramt St. Nikolaus Bad Vilbel mit den Filialen St. Marien in Dortelweil und Herz-Jesu in Massenheim sowie das katholische Pfarramt Verklärung Christi auf dem Heilsberg gehören zum künftigen Pastoralraum Wetterau-Süd, wie Pfarrer Herbert Jung und die stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende Dr. Dorothea Knoblauch informieren. Zu diesem Pastoralraum gehören Kirchengemeinden aus dem Wetterau- und Hochtaunuskreis sowie Frankfurt. Es sind Pfarreien in Burgholzhausen, Ober-Erlenbach, Ober-Eschbach, Nieder-Eschbach, Nieder-Erlenbach und Harheim.

Das Pastoralteam und den Pastoralraum Wetterau-Süd leiten wird Pfarrer Sebastian Goldner aus der heutigen Pfarrgruppe Harheim und Nieder-Eschbach. Das Pastoralteam bilden neben dem Leiter drei Priester und die Gemeindereferentinnen, die alle Gemeinden seelsorgerisch und liturgisch betreuen. Ende September zieht in das bis dahin renovierte Pfarrhaus von St. Nikolaus Pfarrvikar Dieter Bockhold aus Seligenstadt ein. Er betreut die beiden bisher selbstständigen Pfarreien Bad Vilbel St. Nikolaus mit den beiden Filialgemeinden und Verklärung Christi seelsorgerisch und liturgisch. Mit der Verwaltung nichts mehr zu tun haben werden der Pfarrvikar und seine beiden Kollegen. »Sie ist Aufgabe des leitenden Pfarrers, der später durch einen Verwaltungsleiter entlastet werden soll. Bis 2026 sollen alle zehn Gemeinden im Pastoralraum Wetterau-Süd zu einer fusionieren. Sie verlieren ihren Gemeindestatus. Es wird einen neuen Namen für das Gebiet und die neue Groß-Gemeinde geben, und es muss eine Pfarrkirche gefunden werden«, so Pfarrer Jung.

INFO Pfarrer Jung favorisiert anderes Modell

Pfarrer Herbert Jung, von dem sich die Gläubigen von St. Nikolaus am 10. September von 16 bis 22 Uhr auf dem Pfarrgelände nach fast 25 Jahren als Seelsorger ihrer Gemeinde verabschieden können, steht dem Pastoralraum Wetterau-Süd skeptisch gegenüber.

»Ich halte das Pastoralraum-Modell für demotivierend, nicht für motivierend.« Das von ihm favorisierte Alternativmodell wurde in Frankreich realisiert. Dort wurden die Gemeinden in ihrer bisherigen Struktur und ihrem Dienst belassen. »Zugeordnet ist der Gemeinde ein Pfarrer. Jede Gemeinde hat ein Leitungsteam mit Ehrenamtlichen vor Ort, die über eine große Kompetenz verfügen. Etwa zur Gestaltung und Renovierung ihrer Kirche.« Die Gemeinden und Strukturen bleiben, die Kirchen auch, nur die Pfarrer kommen und gehen. Die Gemeinden in einer Region werden eingeladen zur Zusammenarbeit.

»Ich finde, dass das französische Modell das Bessere ist. Dort bleibt die Kompetenz vor Ort, und die Motivation ist höher. Ich vermute, dass das Modell des Pastoralen Weges für die Gläubigen nicht zukunftsfähig ist. Die Struktur ist dort, wo sie gelebt wird, wo die Gemeinde funktioniert. Warum macht man das kaputt?« cf

Projektgruppen

werden eingerichtet

Dorothea Knoblauch erklärt: »Bereits im September wird es eine Konferenz mit Vertretern aus allen Gemeinden geben, und es werden sieben Projektgruppen zu Gottesdiensten, Katechese und Verkündigung, Diakonie, Gebäude, Vermögen und Finanzen, Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit eingerichtet. Aufgabe der Gruppen ist es unter anderem, sich Gedanken über die Neuorganisation, die Verteilung der Finanzen, die Verwendung von Gebäuden und Pfarrheimen zu machen. Es müssen Entscheidungen getroffen werden zu den Fragen, welche Gebäude in den Gemeinden des Pastoralraumes vermietet, welche neu genutzt und welche verkauft werden Die Entscheidung überlässt das Bistum Mainz der Pastoralraumkonferenz, welche die Fusion ab Oktober vorbereitet.«

Die Pastoralraumkonferenz und ihre Gruppen sind ein wichtiges Gremium. Sie berät nicht nur über Formen, Zahl und Ort der Gottesdienste, die Katechese-Angebote zur Vorbereitung auf die Sakramente und unterstützende diakonische Hilfen im Pastoralraum, sondern auch über Vermögens-, Immobilien- und Verwaltungsfragen.

Knoblauch sieht in den Synergieeffekten einen großen Vorteil: »Nicht mehr alle Gemeinden machen alles. Beispielsweise eine intensive Jugend- und Gemeindearbeit oder Angebote der Erwachsenenbildung. Was muss vor Ort bleiben wie Kitas, Kranken- und Seniorenbetreuung, was kann wie Vorträge, ein Wallfahrtangebot oder ein Kirchenchor an einem Ort gebündelt werden?« »Es heißt nicht mehr, wie bisher: alle alles«, ergänzt Jung. So könnten Hauptamtliche keine Dauerbezugspersonen mehr sein, sondern vorstellbar wäre eine Zentrale, wo diese zu finden sind. »Man hat damit noch keine Erfahrungen.«

Gründe für die geistliche und strukturelle Erneuerung der Kirche im Bistum Mainz sind ein Rückgang von Seelsorgern und von Katholiken sowie - damit verbunden - weniger Kirchensteueraufkommen.

Auch interessant

Kommentare