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Großes Interesse an altem Bauwerk

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Von: Jürgen Schenk

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Wolf-Dieter Tigges, Dr. Michael Bender und Martin Weghofer (am Plakat, von links) können viele Gäste am Nidda-Uferweg begrüßen. © Jürgen Schenk

Bad Vilbel (jsl). Auf ihre letzten Tage hat die alte Eisenbahnbrücke in Bad Vilbel noch einmal großes Interesse auf sich gezogen. Viele Einwohner der Quellenstadt waren am Mittwoch an die Stelle gekommen, wo das altehrwürdige Konstrukt mit seinen drei Sandsteinbögen die Nidda überspannt. Ein letztes Mal vor dem geplanten Abriss konnten die Menschen Fotos von dem städtischen Wahrzeichen machen und wichtige Eckdaten aus seiner 172-jährigen Historie erfahren.

Eingeladen zum gemeinsamen Abschiednehmen hatten der Geschichtsverein und das Baustellenmarketing Bad Vilbel.

Drittälteste Eisenbahnbrücke

Stadtführer Dr. Michael Bender wies auf die Ausnahmestellung der Sandsteinbrücke von 1850 hin. Sie gehöre zu den ältesten Eisenbahnbrücken in Deutschland. »Vermutlich ist sie sogar die zweit- oder drittälteste«, stellte er fest. »In Frankfurt-Nied gibt es noch eine etwas ältere Brücke. Die dritte steht in der Nähe von Dresden.« Als das Bauwerk am 11. März 1850 feierlich eingeweiht wurde, steckte das Eisenbahnwesen in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Erst 15 Jahre waren seit der Inbetriebnahme der ersten Eisenbahnstrecke von Nürnberg nach Fürth vergangen. Seit dem Jahr 1852 gab es einen durchgehenden, zunächst noch eingleisigen, Zugverkehr auf der Main-Weser-Bahn zwischen Frankfurt und Kassel. Vilbel mit seiner Brücke über die Nidda galt als wichtige Streckenverbindung und Tor zur Messestadt Frankfurt am Main. Fünf Jahre hatten die Arbeiten an der Sandsteinbrücke gedauert.

»Es gab im 19. Jahrhundert kaum solide Brücken. Auf Vilbel traf das jedoch nicht zu«, erklärte Bender. »In der Regel waren solche Bauwerke aus Holz gefertigt. Erst ab der Jahrhundertwende kamen gusseiserne Brücken in Mode. Heute bestehen sie aus Stahl und Beton und sind anderen Beanspruchungen ausgesetzt. Für ihre Zeit gesehen, war die Vilbeler Eisenbahnbrücke das Beste, was man bauen konnte.« In der Anfangszeit rollten täglich nur vier Personenzüge über die Sandstein-Konstruktion. Ab 1852 wurde die Vilbeler Poststelle direkt an den Bahnverkehr angeschlossen, was eine erhebliche Verkürzung der Transportzeit mit sich brachte. In den Jahren 1863 bis 1865 wurde die Strecke zweigleisig ausgebaut. Die Pfeiler der Brücke erhielten damals eine Versteifung, damit sie den Abnutzungen durch das Nidda-Wasser Paroli bieten konnten. Auf historischen Bildern kann man sehen, dass die drei Bögen bei Hochwasser fast komplett im Wasser standen. »Und Hochwasser gab es oft in Vilbel«, weiß Stadtführer Bender.

An die wachsenden Anforderungen des Bahnverkehrs konnte die Brücke immer wieder angepasst werden. Doch nun bricht mit dem viergleisigen Ausbau der Main-Weser-Bahn zwischen Frankfurt-West und Friedberg eine neue Ära an. Die S-Bahnen sollen künftig im 15-Minuten-Takt fahren, auch der Fern- und Güterzugverkehr wird zunehmen. Das könne von dem 172 Jahre alten Monument nicht mehr getragen werden, hat die Deutsche Bahn entschieden.

Belastungen am Rand zu groß

Der technische Leiter der S-Bahn FFM-Friedberg, Wolf-Dieter Tigges, bekundete sein Bedauern über den bevorstehenden Abriss. »Zunächst sollte die Brücke erhalten bleiben, aber wahrscheinlich hätte der Randbereich den Belastungen nicht standgehalten.«. Die Brücke werde nicht gesprengt, sondern Stück für Stück im Meißelverfahren zurückgebaut. Für den Neubau mit allen erforderlichen Arbeitsschritten veranschlagte er eine Dauer von rund sechs Wochen. Ziel sei es, die Fernbahngleise bis zum 5. September fertigzustellen. »Der Komplettausbau soll im Dezember 2023 fertig sein«, sagte Tigges.

Die Abrissarbeiten beginnen planmäßig am Montag. Gearbeitet wird im Dreischichtverfahren von morgens bis abends um 22.30 Uhr. Zunächst muss ein Fundament gelegt werden, in das die neue Brücke eingeschoben wird.

Nach dem Abriss bekommt die Stadt Bad Vilbel vier Steine als Andenken. Gemeinsam mit dem Geschichtsverein könnte es ein Anliegen sein, daraus an geeigneter Stelle einen Ort der Erinnerung zu schaffen. Die Reaktion in der Bevölkerung klang sehr positiv. jsl

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