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Homeoffice im Wilden Westen

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Von: Christine Fauerbach

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Ein Teil des Ensembles von »Lockdown Mountain«, der in Frankfurt und Bad Vilbel gedreht wurde. © Christine Fauerbach

Die gebürtige Quellenstädterin Katrin Skok hat in der Pandemie das Filmen für sich entdeckt. Und in Frankfurt und Bad Vilbel ihren dritten Kurzfilm, einen Western, gedreht - mit aktuellem Bezug.

Gezeigt wird »Lockdown Mountain« im Kino Alte Mühle in einer Sondervorstellung am Sonntag, 15. Mai, um 15 Uhr.

Kreativ zu sein, ist ein Inhalt meines Lebens«, sagt Katrin Skok. Sie arbeitet als selbstständige Theatermacherin, Regisseurin, Komikerin und Chor-Coach. Theater, generationenübergreifende Projekte und Kunstkurse für ältere Menschen bildeten bisher die Schwerpunkte ihrer professionellen Arbeit. Ihr Motto beim Theater lautet: »Professionelles Theater mit nicht professionellen Spielern machen.« Getreu diesem Motto erarbeitet sie Theaterstücke mit Laiengruppen, initiiert Theaterprojekte, entwickelt Stücke mit älteren Menschen sowie Menschen mit Demenz.

Im Lockdown brechen der Allrounderin wie vielen anderen Kulturschaffenden die Aufträge weg und sie konnte Projekte nicht weiterführen. Sie hat plötzlich viel Zeit, Ideen auszuarbeiten und umzusetzen. Und so arbeitet sie sich erfolgreich in ein völlig neues Metier ein - das Filmemachen. Vor zwei Jahren drehte sie ihre ersten beiden Kurzfilme. Drehort des ersten Films »Zirkusreif« ist die Vilbeler Seniorenwohnanlage Quellenhof im Burgpark. Der zweite Film, »Weihnachten bei den Schöllers - Give Love« entstand in der Mainmetropole.

»Zirkusreif« reichte Katrin Skok beim Deutschen Generationenfilmpreis ein. Und bekam das Lob »machen sie weiter«. Das hat sie beherzigt. Ihren dritten Film »Lockdown Mountain« drehte sie in diesem Jahr innerhalb von fünf Wochen. Drehorte waren der Western-Club Hammer-Ranch in Frankfurt-Seckbach und ihr Elternhaus in Bad Vilbel. »Zwei Stipendien der Hessischen Kulturstiftung haben mir das Experimentieren mit dem neuen Medium ermöglicht. Alle drei Filme sind in Zusammenarbeit mit einem größtenteils nicht professionellen und generationenübergreifenden Team entstanden.«

Zwölf der 16 Darsteller des Westerns »Lockdown Mountain« kommen aus dem Theaterensemble der Gemeinde Maria Rosenkranz in Frankfurt. Die Altersspanne des generationenübergreifenden Ensembles und des Teams liegt zwischen sieben und 65 Jahren. Jüngste Darstellerin ist mit sieben Jahren Lia aus Gronau und der Kameramann ist erst 16 Jahre jung. »Es ist spannend, sich auf die Vorschläge von Nachwuchsleuten einzulassen«, sagt Profi Katrin Skok.

Darsteller haben viel Freiraum

Idee, Drehbuch, Ausstattung, Besetzung, Regie, Schnitt, Ton und Musik und mehr gehörten zu ihren Aufgaben. Wie auf der Theaterbühne, so lässt die Regisseurin auch am Filmset ihren Darstellerinnen und Darstellern, bei denen es sich bis auf Schauspieler Andreas Schwarz um Laienschauspieler handelt, viel Freiraum. »Meine Regieführung basiert darauf, den Darstellern Raum zu geben, um sich durch Improvisationen den Rollen und Szenen anzunähern, sie sich zu erarbeiten.«

Der Film »Lockdown Mountain« greift die Corona-Pandemie auf. Sie bildet den Ausgangspunkt der Handlung. »Corona verschont weltweit niemanden. Auch den ›Wilden Westen‹ nicht.« Normalerweise halten sich Cowgirls und Cowboys mit ihren Herden in der Natur auf. Plötzlich ist alles anders. Die Saisonkräfte werden nach Hause geschickt, wo immer das auch ist. Die Handlung des Westerns geht mit Humor und Augenzwinkern der Frage nach, was machen Cowboys und Cowgirls im Homeoffice?

Die eigenen vier Wände sind für sie ungewohntes Terrain, in dem Leere und Stille herrscht. Wie bewältigen die Heldinnen und Helden des Films diese ungewohnte Situation? Homeoffice sorgt bei ihnen für erhebliche Irritationen. Skok zeigt, wie sich die Cowgirls und Cowboys nach und nach aus ihrer Schockstarre lösen. Sie suchen sich Aufgaben und Beschäftigungen. Ein Cowgirl beginnt die ihr vertraute Natur nach drinnen zu holen, ein Cowboy fängt an, nach Zahlen zu malen. »Wir zeigen die Entwicklung der handelnden Personen auf.« Dabei spielen Ton und Filmmusik von Jakob Reiniger, der Mediendesign in Weimar studiert, eine wichtige Rolle. Mit ihnen werden die Kontraste zwischen außen und innen, zwischen Leben und Stille verdeutlicht. Für Kamera und Schnitt war Barbara Broschart und für das Szenenbild Paula Gunkel, beide aus Frankfurt, zuständig. Der gerade einmal 29 Minuten Film beanspruchende Western »Lockdown Mountain« zeichne sich durch das spielfreudige Ensemble, die amüsante Thematik und eine experimentelle Vertonung aus, berichtet Skok.

Karten für die Sondervorstellung im Kino Alte Mühle am Sonntag, 15. Mai, um 15 Uhr gibt es an der Kinokasse oder per E-Mail unter mariasmimen2021@gmail.com.

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