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Pfarrer Klaus Neumeier erzählt von Angst im Dunklen und welche Sicherheit Licht gibt.

Licht der Welt auf dem Festplatz

Bad Vilbel (pm). Schon auf dem Weg durch den Bad Vilbeler Burgpark sind die Klänge der Band zu hören, während sich die Menschen auf den Weg zum Festplatz machen. Ihr Ziel: Der Heiligabend-Familiengottesdienst der ganz anderen Art. Wie gut, dass es trocken ist und auch nicht so kalt. Der Regen soll erst in der Nacht einsetzen - ob da der liebe Gott seine Finger im Spiel hat?

Mit Kinderwagen und Kindergartenkind kommen wir an der Eisbahn vorbei und sehen die große Bühne vor uns. Für die Großen gibt es Liedzettel und die Erinnerung an den Mund-Nase-Schutz und an das Abstandhalten. Aber das ist kein Problem auf dem Festplatz, auch wenn sicher über 1000 Menschen anwesend sind, unter ihnen mehrere hundert Kinder.

Nach den Vorspiel-Liedern der Jugendband »Flötengedöns« geht es dann aber mit Glockengeläut los: Die Kinder des Spatzenchors läuten die Glocke, mit der auch sonst die Gottesdienste der »Kirche für Kurze« eingeläutet werden. Pfarrer Klaus Neumeier begrüßt und freut sich über einen hoffentlich einmaligen Gottesdienst und über die vielen Menschen, die auf den Platz gekommen sind - und auch wenn es von vorne nach dicht stehenden Menschen aussieht, erkennt man beim Gang über den Platz, dass alle gut Abstand halten - es soll ein sicherer Gottesdienst sein in der noch immer vorhandenen Corona-Pandemie. Aber anders als im Vorjahr gibt es dieses Jahr Präsenzgottesdienste und vielfach hört man die Dankbarkeit der Menschen darüber. Und auch gesungen werden darf - mit Maske, aber auch daran kann man sich gewöhnen.

Ungewohntes Singen mit Maske

»Alle Jahre wieder« und »Ihr Kinderlein kommet« - es hört sich ungewohnt an mit der Bandbegleitung, aber hervorragend arrangiert und gespielt. Gemeindereferent und Musikchef Thorsten Mebus hatte die Band vorbereitet, aber vor Ort singen und spielen die jungen Menschen dann sehr routiniert alleine. Als dann rund 20 Spatzenchorkinder unter der Leitung von Lena Mebus von der Krippe im Stall singen, schauen vor allem die Kinder genau hin: Ja, da trauen sich Gleichaltrige was! Vikarin Lydia Katzenberger trägt die Weihnachtsgeschichte vor, aber nicht als Lesung der vertrauten Luther-Übersetzung, sondern frei und in kindgerechter Sprache - und nicht selten sind auch die Erwachsenen froh, wenn von der Bühne aus in einfachen Worten philosophisch-theologische Wahrheiten ausgesprochen werden.

Das gilt natürlich auch für das Krippenspiel, das einige Konfirmanden zusammen mit Gemeindepädagogin Martina Radgen einstudiert haben: Die Hirten sehen das große Licht, das von der Krippe mit dem neugeborenen Jesuskind ausgeht. Die Jugendlichen sind auch auf dem Platz sehr gut zu verstehen und man kann erahnen, dass dies viel Probenarbeit erfordert hat.

In einer Kurzansprache erzählt Pfarrer Klaus Neumeier von der Angst im Dunklen und von der Sicherheit, die Licht gibt. Das können auch die Kinder gut verstehen. Die Übertragung auf die oft durch Gewalt und Leid dunkle Welt ist dann ebenso wie das Bild des manchmal durch Traurigkeit und persönliches Leid dunkle Herz eher für die Erwachsenen bestimmt. »Licht der Welt« hat Jesus sich als Erwachsener selbst bezeichnet. Licht der Welt und des eigenen Lebens will er auch heute sein, so der Pfarrer.

Das eigene Herz leuchten lassen

Er lädt dazu ein, das Licht des Christkindes im eigenen Herzen leuchten zu lassen und so alle Sicht auf das Leben zu verändern. »Und dann dürfen wir selbst Licht werden für andere. Wir dürfen das in unserem Herzen leuchtende Licht des Glaubens weitertragen in die Welt und so einen Unterschied machen im Leben anderer Menschen. Seid Licht der Welt«, ermutigt Neumeier die Heiligabendgemeinde auf dem Festplatz. »Deine Liebe trägt mich« singt die Band und Svenja Szczes vom Team der »Kirche für Kurze« und Lydia Katzenberger laden zum Gebet ein. Und als dann nach dem Segen in der Abenddämmerung des Heiligen Abends das vertraute »O du fröhliche« erklingt, da dürfen alle Kinder die zuvor verteilten elektrischen Teelichter anmachen und so selbst dazu beitragen, dass das Weihnachtslicht in den Abend hinein leuchtet.

Erneut begleitet von Klängen der Band »Flötengedöns« geht es nach Hause. Viele sind zu Fuß gekommen, aber auch viele Autos stehen in einer langen Schlange in der Festplatzstraße und warten auf das Grün der Ampel. Wie schön, dass trotz Pandemie mit Kind und Kegel ein gemeinsamer Heiligabend-Gottesdienst gefeiert werden konnte…

Lutz Rosenkranz

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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