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Auf die Produktion des Karbener Büromöbelherstellers König+Neurath wirken sich die Lieferengpässe von Rohstoffen nicht aus. Bei anderen Unternehmen sieht es etwas anders aus, und viele haben mit massiven Preissteigerungen zu tun.

Lieferkrise schlägt nicht überall durch

  • Holger Pegelow
    VonHolger Pegelow
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Allenthalben ist von Lieferengpässen die Rede, die vor allem die Rohstoffe betrifft. Autofirmen haben ihre Mitarbeiter in Urlaub geschickt, weil sie keine Halbleiter erhalten haben. Andere Unternehmen klagen über zu späte Lieferungen, wiederum andere über massive Preissteigerungen. Wie wirkt sich das auf die Produktion von heimischen Betrieben aus?

Laut aktueller Umfragen klagen branchenübergreifend mehr als 80 Prozent der Unternehmen über Materialengpässe, weiß Dirk Fischer, Vorstand Technik/Produktion/Einkauf beim Karbener Büromöbelhersteller König+Neurath. Das kann Thomas Reimann, Vorstandsvorsitzender des Bad Vilbeler Bauunternehmens ALEA, bestätigen. Es drohe auf vielen Baustellen trotz gut gefüllter Auftragsbücher Kurzarbeit aufgrund knapper Baumaterialien. Auch die finanziellen Risiken aufgrund einzuhaltender Verträge seien nicht zu unterschätzen.

Materialpreise bis zu 100 Prozent teurer

Reimann sieht die schnelle Konjunkturerholung in China und den USA und die schnell anziehende Nachfrage als Ursache dafür, »dass der Markt für viele Baustoffe leer gefegt« sei. »Die Lieferkette stockt bei Holz, Dämmstoffen, Stahl, PVC-Rohren, Farben und Lacken.« Zudem seien die Preise vieler Materialien um bis zu 100 Prozent gestiegen. Auch Corona sieht Reimann dafür als Ursache. Seit Beginn der Pandemie habe sich der Stahlpreis mehr als verdoppelt. Auf seine Branche wirkt sich das besonders aus. »Selbst Dämmstoffe für Mehrfamilienhäuser müssen wir mühsam zusammentelefonieren«, sagt der Vorstand. »Das gab es in den 35 Jahren, in denen ich in der Bauwirtschaft tätig bin, noch nicht.«

Die Okarbener Firma ClimAir, ein bedeutender Zulieferer für die Autoindustrie, etwa von Windabweiser- und Sonnenblendensystemen, spürt das gleichfalls. Die Pandemie habe »weltweit zu einem Ungleichgewicht von Nachfrage und Angebot von Rohstoffen« geführt, sagt Firmeninhaber Guido Hommel. »Mit dieser Rohstoffverknappung, gestörten Lieferketten und explodierenden Frachtkosten gehen im Bereich der Kunststoffe, Stahl/Metalle, Papier/Pappe, Holz und nicht zuletzt auch bei Acryl Preissteigerungen von bis zu 60 Prozent einher«, berichtet Hommel. Seinem Unternehmen lägen Informationen vor, »wo uns sowohl längere Lieferzeiten wie auch Preiserhöhungen von unseren Lieferanten angekündigt werden«. Dies stelle auch ClimAir vor Herausforderungen, »aber wir können weiterhin unsere Liefertermine einhalten«.

Conti in Karben gehört zu den Firmen, die von den Lieferengpässen bei den Halbleitern betroffen sind. »Wir spüren die Lieferengpässe in erster Linie bei Halbleitern. Im Grunde sind davon alle unsere Elektronikwerke betroffen. Da stellt Karben keine Ausnahme dar. Durch die enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden und Lieferanten können wir die Produktion aber weitestgehend aufrechterhalten«, sagt Sebastian Fillenberg, für die Außenkommunikation des Unternehmens zuständig.

Ganz anders das Karbener IT-Unternehmen Artec Computer Solutions. »Von den Lieferengpässen sind wir glücklicherweise nicht betroffen. Wir sind aktuell gut aufgestellt und können wie gewohnt liefern«, betont Marissa Mück, Marketing & Kommunikation des Unternehmens.

Gleichfalls nicht betroffen ist das Möbelunternehmen König+Neurath (K+N). Vorstand Dirk Fischer sagt auf Anfrage dieser Zeitung: »In unserer Beschaffungspolitik konzentrieren wir uns seit Jahren strategisch auf Lieferantenbeziehungen innerhalb Europas. So profitiert König+Neurath gerade in der jetzigen Situation von der langjährigen partnerschaftlichen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit unseren Zulieferern.« Ein weiterer Grund, warum bei der Herstellung von Büromobiliar und Raumsystemen Lieferengpässe in Karben aktuell gut gemanagt werden könnten, sei die hohe Fertigungstiefe im Unternehmen. »Dank unserer enormen Fertigungstiefe sind wir in der Lage, flexibel auf mögliche Veränderungen zu reagieren und spürbare Auswirkungen auf Kundenseite zu minimieren. Hier hilft uns zudem das außergewöhnliche Engagement unserer Mitarbeitenden, eine vorausschauende Planung und die Tatsache, dass wir in einem engen Kontakt mit unseren Kunden stehen. Mit intensiver Abstimmung lassen sich auch für Lieferverzögerungen gemeinsam Lösungen erarbeiten«, sagt Produktionsvorstand Fischer.

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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