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Mit Shakespeare durch den Park

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Von: Niklas Mag

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Die Illuminationen sorgen nicht nur für ein besonderes Erlebnis, sie dienen außerdem als Wegweiser. © Niklas Mag

Die Dunkelheit bricht über dem Bad Vilbeler Burgpark herein. Das Programm »Kurz währt des Sommers Zeit« der Burgfestspiele kann beginnen. Der illuminierte Audiowalk entfaltet seine Magie.

Das Prizip des Audiowalks »Kurz währt des Sommers Zeit«, ist geblieben. Schon im Vorjahr konnten Gäste im Burgpark mit Kopfhörern wandeln. »Wir haben ein paar neue Aufnahmen und ein paar neue Illuminationen mit dabei. Es kam so gut an in der Spielzeit 2021, dass uns klar war, wir wollen das wieder mit dabei haben«, erklärt Dramaturgin Ruth Schröfel.

»Es hat etwas sehr schönes, etwas sehr meditatives. Ich finde, man kommt total entspannt vom Spaziergang zurück.« Das Prinzip ist besonders: Besucher, die ein Ticket für einen Abend erworben haben, bekommen im Kartenbüro ein Paar Stereo-Kopfhörer und ein Smartphone zum Umhängen. Und los geht’s. Die Stimme aus dem Handy erklärt kurz das Prozedere: »Es gibt keine feste Route. Du kannst dich an den Lichtinstallationen orientieren, den Park frei erkunden oder an der Karte.« Diese zeigt den Burgpark von oben. Mit blauen Kreisen sind die Stellen markiert, an denen ein Sonett wartet. Der Clou ist, dass die Gäste selbst nichts tun müssen. Nähert man sich einem der Kreise, ist das Sonett zu hören. Erst leise und wispernd, beim Näherkommen werden die Stimmen lauter. Wer zwischen zwei Kreisen steht, hört auf der einen Seite die Stimmen der einen Station und auf der anderen die der anderen. Die Übergänge funktionieren dabei beeindruckend organisch.

Es kommt es vor, dass der Besucher durch den Burgpark in Richtung einer der illuminierten Stationen wandelt und plötzlich von einem gerade passierten beleuchteten Baum Stimmen ertönen. An mindestens einer Station entfalten die qualitativ hochwertigen Kopfhörer ihr volles Potenzial. Schritte von hinten links, der Reporter dieser Zeitung blickt erschrocken über die Schulter. Eine Stimme von hinten rechts kommt plötzlich näher und zwei Stimmen unterhalten sich.

Als wären Geister unterwegs

Wenn es auch nur in den Kopfhörern passiert, wird der dunkle Raum plötzlich noch einmal zu einem ganz neuem Thema. Es klingt als würde die eine Person hinter dem Busch zur linken stehen. Von Stationen dieser Art warten leider nur recht wenige im Burgpark, hier liegt noch Potenzial für zukünftige Installationen.

Nichtsdestotrotz entfalten Shakespeares Sonette durch den dunklen Burgpark und die stimmungsvoll illuminierten Stationen eine besondere Magie. An der Brücke zur Alten Mühle meldet sich plötzlich eine Stimme in hessischer Mundart. Falsche Richtung, aber hier könne man nachher noch einen Schoppen trinken. Eine Frauenstimme ruft »Nein, hier geht es entlang« und entfernt sich dabei in Richtung Burgpark. Es fühlt sich an, als wäre der Burgpark plötzlich von Geistern besiedelt, die im Nu auftauchen oder hinter Bäumen warten und ihre Geschichten erzählen.

»Wir haben eine Woche lang aufgebaut und sind total froh, dass die ersten Tage schon ausverkauft sind«, erzählt Regisseurin Milena Wichert. Man arbeite mit Feststrom, Akkupaketen und Generatoren, der technische Aufwand sei hoch. »Ich finde, dass der Audiowalk eine ganz neue Erfahrung ermöglicht. Es ist ein niederschwelliges Angebot, das zeigt, dass eine Bühne nicht immer eine klassische Bühne sein muss.« Es sei ein Erlebnis für die Sinne, eigne sich für Meditation, für Instagram-Fotos oder einfach für Shakespeare-Fans. »Ich denke, der Audiowalk ergänzt die Burgfestspiele wirklich gut.«

Tickets wieder ab Mittwoch

Die Tickets gehen schnell weg und sind ab Mittwoch wieder erhältlich. »Kurz währt des Sommers Zeit« ist noch bis zum 11. September im Burgpark zu erleben. Alle Termine und Tickets sind unter www.kultur- bad-vilbel.de oder im Kartenbüro der Burgfestspiele, Klaus-Havenstein-Weg 1 in Bad Vilbel, zu bekommen., Telefon: 0 61 01/55 94 55.

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Regisseurin Milena Wichert ist froh über die große Resonanz. © Niklas Mag

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