»Neuausrichtung der Forstwirtschaft«

Bad Vilbel (pm). Die Grünen fordern infolge des Klimawandels eine Neuausrichtung der Forstwirtschaft und weniger Baumfällungen. »Schon wieder stehen im Bad Vilbeler Stadtwald Fällungen an. Dieses Mal sind große, alte Eschen zur Fällung und zum Abtransport markiert, weil sie teilweise vom Eschentriebsterben betroffen sind«, schreibt die Partei. Die Grünen hätten deswegen einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, um die beauftragte Fällung der Eschen zu stoppen.

Erster Stadtrat Sebastian Wysocki habe die Stadtverordneten darüber informiert, dass nach Auskunft von Hessen Forst lediglich 20 Eschen am Rand von Wegen aufgrund der Verkehrssicherungspflicht gefällt werden müssten. Über die übrigen Eschen könnte nach seiner Auffassung noch im Dezember beraten werden. Dieser Auffassung hätten sich alle Fraktionen mit Ausnahme der Grünen angeschlossen und den dringlichen Beratungsbedarf abgelehnt. Hinsichtlich der zum Fällen markierten Eschen verweisen die Grünen auf die Empfehlung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald: Betroffene Bäume sollen zunächst stehen gelassen werden. Frühestens wenn zwei Drittel der Krone abgestorben sind, sollte der betroffene Baum gefällt werden. Denn nur so können sich die Eschen durchsetzen, die Resistenzen gegen den Pilz ausbilden.

Auf Holzgewinnung verzichten

Sabina Eberlein formuliert deshalb: »Unsere Forderung lautet: Es sollen erst einmal keine Eschen und anderen geschwächte Bäume gefällt werden, es sei denn, sie stehen direkt an einem Weg und sind nicht mehr standfest. Alle anderen Bäume müssen zum Schutz des Waldes im Wald verbleiben. Auf die bisherige Holzgewinnung muss bis zur Gesundung des Waldes verzichtet werden.«

»Der Bad Vilbeler Stadtwald ist ein Patient in einem sehr ernsten Zustand«, beschreibt Clemens Breest, Stadtrat und Bürgermeisterkandidat den Zustand des Stadtwaldes. »Angesichts massiver Schäden aufgrund des Klimawandels benötigt der Wald dringend Schonung und eine naturnahe Bewirtschaftung, die die Bäume nur noch im eingeschränktem Maße schlägt - sofern kein dringende Notwendigkeit gegeben ist.«

»Bei der bisherigen Bewirtschaftung wird der Wald neben dem Klimawandel zusätzlich geschwächt. Daher muss das Fällen geschwächter Bäume sofort aufhören«, fordert Sabina Eberlein, Stadtverordnete von Bündnis90/Die Grünen und Mitglied der Kommission für Umweltschutz, Land- und Forstwirtschaft. Vier Maßnahmen sehen die Grünen für das Überleben des Stadtwaldes im Klimawandel als unerlässlich an:

Für Baumkronenschluss sorgen - »Schon heute sehen Spaziergänger an einigen Stellen größere Lücken im Wald, wo früher große Bäume standen. An dieser Stelle heizt sich der Wald viel mehr auf und die benachbarten Bäume sterben langsam ab«, bemängelt die Stadtverordnete. »Hier muss man dafür sorgen, dass das Kronendach überall geschlossen ist und den Waldboden und die Stämme beschattet.

Totholz im Wald belassen - »Die Förster kommen hier immer mit der Verkehrssicherungspflicht und fällen jeden Baum, der erkrankt ist, aber noch Jahre stehen bleiben würde«, wundert sich Eberlein, »dabei besteht die Sicherungspflicht im Wald gar nicht, nur an Wegen sollten gefährdete Äste abgeschnitten und nicht mehr standfeste Stämme gefällt werden.«

Auf Naturverjüngung setzen - »Verglichen mit anderen Waldstandorten macht eine starke Naturverjüngung im Stadtwald Hoffnung. Die natürliche Auslese der Natur trägt die beste Sorge dafür, dass die richtigen Bäume an dem jeweiligen Standort unter den neuen klimatischen Bedingungen alt werden. Deshalb soll vermehrt auf die Naturverjüngung gesetzt werden. Fremde Baumarten sind lediglich an einzelnen Standorten und zum Erhalt eines Mischwaldes anzupflanzen«, schildert Clemens Breest.

Bäume alt werden lassen - »Je dicker ein Stamm, desto mehr CO2 kann er binden. Aber auch im Boden speichert ein alter Baum viel mehr CO2 als ein junger Baum. Werden diese dann gefällt, entweicht das von ihnen im Boden gespeicherte CO2, während das Holz verwertet werden kann und weiterhin als CO2-Speicher dient.«, erläutert Sabina Eberlein. Die Grünen verweisen auf den Vorschlag von Herrn Reißmann von Hessen Forst, ausgesuchte Bäume bewusst altern zu lassen und nicht der Holzernte zuzuführen.

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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