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Robin Hood geht kindgerecht auf grundlegende Fragen des menschlichen Miteinanders ein. © EUGEN SOMMER

Die Geschichte von Robin Hood ist bekannt und nun auch in Bad Vilbel zu sehen. Regisseurin Kirsten Uttendorf bringt das Stück auf die Burg-Bühne und ihr Ensemble sorgte für stehende Ovationen.

Die Sonne strahlt und die Burg ist ausverkauft. Mehr können sich die Macher, Schauspieler und Künstler, die teils seit Monaten mit den Planungen für Robin Hood beschäftigt sind, für die Premiere eigentlich nicht wünschen.

Ein Holzgestell bietet die Kulisse für die Geschichte um den Räuber aus England. Ein Baum- und ein Hirschaufsteller sind zu sehen, sonst hat Bühnenbildner Claus Stump den Sherwood Forest sehr blank gelassen. Bei den Kostümen greift er dafür tief in die Kisten: Von altertümlichen Roben über viktorianisch anmutende Kleider bis zu modernen Sporthosen ist alles dabei.

Clever die Vorteile der Burg genutzt

Gewohnt clever haben die Verantwortlichen die Vorteile der Burg ausgenutzt: Das Bühnenbild geht über drei verschiedene Ebenen, die oberste ist die Burgmauer. Auf diese Weise gibt es für die Kinder immer etwas zu sehen und zu erspähen. So schleichen sich Large und Extra Large (Tobias Gondolf, Florian Thunemann) langsam durch das Holzgestell an Robin Hood (Mario Neumann) und Mitch (Friedemann Eckert) heran. Die Kinder werden aufmerksam, zeigen dorthin und Gemurmel wird laut.

Zuvor hat das Schauspiel für Kinder ab sechs Jahren musikalisch begonnen. Uwe Dreysel leitet jeden der drei Akte mit seiner Ukulele ein, fasst die wichtigsten Punkte noch einmal singend zusammen. Doch ist vermutlich kaum ein Kind im Publikum, das noch nicht weiß: »Er nahm den Reichen und gab den Armen.«

In den Szenen prallen die verschiedenen Charaktere aufeinander. Dabei wechselt sich gehobenere Sprache mit Umgangssprache ab. In klar definierten Szenen wird die Handlung vorangetragen und die Lehren vermittelt: Während Robin Hood und seine Bande im Winter fast verhungern, kommt ein Bauer vorbei, der mit seinem Korn seine sechs Kinder ernähren muss. Wäre es in dieser Notlage nicht in Ordnung oder zumindest notwendig, diesem sein Korn abzunehmen? Nein, entscheidet Robin Hood, während die Kinder der dramatischen Szene gebannt folgen.

Dafür erhalten »Die Vogelfreien« vom dankbaren Farmer einen wertvollen Tipp: Eine Getreidehändlerin, die den Bauern Spottpreise zahlt, um sich selbst reicher und reicher zu machen, komme bald des Weges. Die große drehbare Zielscheibe in der Mitte des Bühnenbildes wird nun zur Getreidekolonne und simuliert die fahrende Kutsche, die von Robin Hood und seiner Bande attackiert wird.

Über Freundschaft und Gerechtigkeit

Lady McMean (Maria Brendel) ist sich jedoch keiner Schuld bewusst. Auf Robin Hoods Anklage, sie verkaufe das Getreide für das Zehnfache, entgegnet sie: »Wofür hältst du mich? Für das Zwanzigfache!«

Aber dafür könne sie ja nichts. Umsatzsteuer, Einkommenssteuer und Luxussteuer machen ihr das Leben schließlich zur Hölle. Hier kichern vor allem die Erwachsenen im Publikum.

Die Szenen, die den Kindern die Lehren des Stücks über Freundschaft, Freiheit und Gerechtigkeit mitgeben, sind zwischen den spannenden und komischen Dialogen und Kämpfen gut verteilt. Bei einem Stockkampf zwischen Robin Hood und Little John (Britta Hübel) halten die Kinder den Atem an, Szenenapplaus gibt es für eine kurze und in Zeitlupe ablaufende Kampfszene. »Die Geschichte ist alt, doch die Not ist noch da. Der Mensch ist verschieden, doch der Hunger ist gleich«, so endet das Kindertheaterstück und fährt Ovationen ein.

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