Der Zug der Corona-Gegner in Bad Vilbel schlängelt sich durch die Frankfurter Straße. Die Polizei berichtet, dass sich die Teilnehmenden unkooperativ verhalten haben.
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Der Zug der Corona-Gegner in Bad Vilbel schlängelt sich durch die Frankfurter Straße. Die Polizei berichtet, dass sich die Teilnehmenden unkooperativ verhalten haben.

In Bad Vilbel und Karben

Bad Vilbel/Karben: WZ-Reporter bei Corona-Demo bedroht – Polizei berichtet von weiteren Schwierigkeiten

Im Süden der Wetterau finden am Montag (27.12.2021) sogenannte Montagsspaziergänge statt. Die Teilnehmer zeigen sich gegenüber der Polizei teils „völlig unkooperativ“.

Bad Vilbel/Karben – Rund 15 sogenannte Montagsspaziergänge gegen Coronabeschränkungen und Impfpflicht fanden am Montagabend (27.12.2021) in Mittelhessen statt. Einer davon in Bad Vilbel. Etwa 75 Menschen trafen sich auf dem Marktplatz vor dem alten Rathaus. »Wir wollen damit nur darauf hinweisen, dass hier in unserem Staate mit den angeordneten Beschränkungen wegen Corona etwas kräftig schiefläuft«, erklärte ein Teilnehmer. Was in Leipzig vor der Wende als beispielhaft für das Demokratieverständnis der Bürger gelobt wurde, könne nicht plötzlich völlig falsch sein, versucht er zu argumentieren.

Aber es gab auch andere, eindeutig aggressivere Stimmen aus dem Kreis der Teilnehmer wie »Weg mit der Lügenpresse« oder »Schlagt dem Mann die Kamera aus der Hand«. Es blieb jedoch bei den Drohungen. Die Polizei war mit etwa zehn Einsatzkräften vor Ort, um den Ablauf aufmerksam zu beobachten. Sie beließ es an dem Abend bei der Erinnerung über Lautsprecher, doch Abstand zu halten und Masken aufzusetzen. Doch dieser Bitte der Polizei kam niemand nach.

Corona-Demos in Bad Vilbel und Karben: Festnahme in der Quellenstadt

Deshalb meldete ein Polizeibeamter an seine Einsatzleitung: »Die Gruppe hält keinen Abstand untereinander, es werden keine Schutzmasken getragen und eigentlich ist es so eine unangemeldete Demonstration.« In der Einsatzleitung entschied man sich an diesem Abend nach Abwägung aller Gesichtspunkte für das kleinere Übel: Solange alles friedlich verlaufe, solle die Veranstaltung wegen der Verhältnismäßigkeiten der Mittel fortgesetzt werden. Und es blieb friedlich, auch wenn viele Fußgänger auf der Frankfurter Straße angesichts des Demonstrationszuges die Köpfe schüttelten.

Nach Angaben der Polizei ist es am Rande des Bad Vilbeler Aufmarschs zu einer Festnahme gekommen. Wie in der vergangenen Woche wurde eine Frau vorläufig verhaftet, die nicht bereit war, ihre Personalien anzugeben. Die Frau sei wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz kontrolliert worden. Sie wirkte als mutmaßliche Verantwortliche einer nicht angemeldeten Versammlung auf die Teilnehmenden ein.

Corona-Demos in der Wetterau: „Es sind alles Einzelfallentscheidungen“

Die Polizei erklärt, dass selbst nicht angekündigte Versammlungen stattfinden können, solange die Regeln eingehalten werden. »Versammlungen müssen nicht genehmigt, sondern angemeldet werden«, sagt Guido Rehr, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen, das auch für die Wetterau zuständig ist. Werde eine Versammlung angekündigt, dann lege die Genehmigungsbehörde Auflagen fest und teile sie dem Versammlungsleiter mit. Die Auflagen müssten dann zu Beginn der Veranstaltung verlesen und während der gesamten Versammlung eingehalten werden.

Seien Demonstrationen nicht angemeldet, dann versuche die Polizei, vor Ort einen Versammlungsleiter zu finden und alles Wesentliche zu besprechen. Wichtige Aspekte sind zum Beispiel die Dauer und die Wegstrecke der Demonstration und speziell in der Pandemie gerade auch das Einhalten des Abstandes von eineinhalb Metern und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Werden die Regeln eingehalten, darf die Versammlung stattfinden, sagt Rehr. Werden sie nicht eingehalten, dann muss die Polizei vor Ort abwägen, wie gravierend die Verstöße sind. »Es sind alles Einzelfallentscheidungen.«

Ein Kriterium ist die Frage, ob die öffentliche Sicherheit gefährdet ist. Und da kommen wieder Abstand und Mund-Nasen-Schutz ins Spiel. Insgesamt stellten die Einsatzkräfte in Bad Vilbel fest, dass sich die Teilnehmenden „völlig unkooperativ“ verhielten.

Corona-Demo in Karben: Geisterzugartiger Gang durch Karben

Am ersten Montagsaufmarsch durch Karben gegen Corona-Maßnahmen, Impfungen, aber auch Unzufriedenheit mit dem Staat nahmen 27 Menschen teil. Die Protestierenden versammelten sich vorm Rathaus. Die ersten beiden Teilnehmer waren bereits um 17 Uhr da. Dort wurden sie von acht Polizeibeamten und der Stadtpolizei erwartet.

»Es finden immer in mehreren Orten unangemeldete Demonstrationen statt, um möglichst viele Einsatzkräfte zu binden«, berichtete der Einsatzleiter. Gegen eine ordnungsgemäße Demonstration sei nichts zu sagen. In Karben habe es keine Anmeldung gegeben. Die Polizisten fragten nach, wer der Verantwortliche sei, ob die Demonstranten Masken und Impfnachweise dabeihaben und auf welcher Route sie »spazieren gehen« wollten. »Das geht sie nichts an, ich gehe spazieren, wo ich will«, lautete die Antwort eines Teilnehmers. Alle anderen schwiegen. Die Gruppenmitglieder gaben an, aus Karben, Bad Vilbel und der Region zu kommen. Eine Karbenerin sagte: »Es geht mir nicht um die Impfung, sondern darum, dass das Land plattgemacht wird.« Die Gruppe war vom Rathaus aus auf der Homburger Straße bis zum Karbener Weg unterwegs, drehte eine Runde durch das Wohngebiet und bewegte sich dann auf der Homburger Straße in entgegengesetzter Richtung weiter bis zur neuen Stadtmitte.

Nur wenige Bürger nahmen Notiz von dem schweigenden Demonstrationszug. Die beiden Karbener Stadtverordneten Nora Zado (SPD) und Thorsten Schwellnus (FW) beobachteten den Aufmarsch. SPD-Vorsitzende Nora Zado sprach den Polizeibeamten ein großes Lob aus: »Nicht überall war die Polizei bereits vor den unangemeldeten Demonstrationen vor Ort und so gut vorbereitet wie hier in Karben.«

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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