1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis
  4. Bad Vilbel

»Wasser außergewöhnlich sauber«

Erstellt:

Von: Niklas Mag

Kommentare

gaed_klaeranlage_140722
Die vierte Reinigungsstufe von Kläranlagen ist in vielen Kommunen im Gespräch. Für Bad Vilbel wurde eine Analyse dazu vorgestellt. © Niklas Mag

Die vierte Reinigungsstufe von Kläranlagen ist in vielen Kommunen im Gespräch.Die Ergebnisse einer Analyse verblüfften, aber ganz so einfach ist es nicht.

Die Mitglieder des Planungs, Bau-, und Umweltausschusses hören sich die Präsentation von Miriam Winklhofer und Simone Merkel aufmerksam an. Die beiden Ingenieurinnen der DAR aus Wiesbaden haben sich mit der Vilbeler Kläranlage beschäftigt und geben dem Ausschuss einen Überblick: »Generell geht es bei einer vierten Reinigungsstufe darum, Spurenstoffe aus dem Wasser zu holen, die die herkömmlichen Reinigungsstufen nicht erwischen«, erklärt Winklhofer. Dazugehören Medikamentenrückstände, Hormone, verschiedene Chemikalien, multiresistente Keime oder Pestizide.

Wysocki hofft auf Fördermittel

»Wir reden hier über Vorkommnisse im Mikro- und Nanobereich. Das Problem ist aber, dass diese Stoffe schon in diesen geringen Mengen schädlichen Einfluss auf die Umwelt oder das Trinkwasser haben können.« Die beiden Ingenieurinnen haben sich eine Stichprobe aus der Bad Vilbeler Kläranlage geholt und sind zu einem sehr positiven Ergebnis gekommen: »Das Wasser ist außergewöhnlich sauber und die Konzentration dieser Spurenstoffe ist sehr gering«, meint Merkel.

Sie betont: »Es war nur eine Stichprobe und ist deshalb in keiner Weise repräsentativ. Wir empfehlen hier unbedingt eine umfassende Untersuchung.«

Unabhängig davon haben sie und ihre Kollegen sich fünf Varianten für Bad Vilbel überlegt, die auch baulich auf dem Gebiet der Kläranlage umzusetzen wären. Generell funktioniert die vierte Reinigungsstufe über verschiedene Kombinationen von Ozonbehandlung und Aktivkohlefiltern.

Mögliche Kosten: 8 Millionen Euro

»Jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile. Diese haben wir bewertet.« Miriam Winklhofer zeigt eine Tabelle, die von Arbeitssicherheit bis zur Reinigung der Spurenstoffe alle Aspekte auflistet. Auch der Flächenbedarf und die Bau- und Wartungskosten wurden bewertet. Die Kosten der fünf Varianten belaufen sich zwischen sieben und elf Millionen Euro. »Nach unserer Bewertung ist eine Aktivkohle-Variante die geeignetste für Bad Vilbel.« Diese wäre für etwa 8,2 Millionen Euro zu haben. »Die Variante bietet das beste Verhältnis aus Aufwand, Reinigungskraft und Kosten«, weiß Simone Merkel. Letztendlich gehe es aber darum, die Spurenstoffe möglichst vollständig aus dem Wasser zu holen. Bevor sich die Stadt entscheidet, sollte die Untersuchung des Wassers vorgenommen werden. Keime beispielsweise lassen sich nur mit einer Ozon-Variante abtöten. Sollte eine Untersuchung eine Belastung des Bad Vilbeler Wassers mit multiresistenten Keimen beweisen, sei eine teurere Variante mit Ozon in Kombination mit Aktivkohle deshalb sinnvoller.

Der Ausschussvorsitzende Bernd Hielscher (SPD) warnt: »Bad Vilbel befindet sich derzeit in einer dynamischen Entwicklung. Wir sollten weitere Untersuchungen und Tests abwarten.« Auch Bürgermeister Sebastian Wysocki (CDU) will keinen Schnellschuss: »Es geht um sehr viel Geld. Ich hoffe, dass es doch bald Fördermittel dafür gibt.«

Pilotprojekt in Langen

Das Landesumweltamt informiert online über Pilotprojekte zur vierten Reinigungsstufe wie in Langen. »Im Hinblick auf den demografischen Wandel und den damit zusammenhängenden erhöhten Verbrauch von Pharmazeutika sowie auf den Klimawandel, in dessen Folge ein häufiger auftretender Trockenwetterabfluss einen höheren Abwasseranteil in den Fließgewässern bedingt, steht das Land Hessen auch in Zukunft vor großen Herausforderungen«, kommentiert das Amt das Pilotprojekt. nma

Auch interessant

Kommentare