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Wetterhahn wacht wieder

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Von: Christine Fauerbach

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Mit Technik, Kraft, Geschick und Erfahrung bringen die Mitarbeiter der Spezialfirmen den Wetterhahn wieder auf der Turmspitze an. © Christine Fauerbach

Dach und Turm der St.-Nikolaus-Kirche schmücken nach eineinhalb Monaten wieder die vertrauten christlichen Symbole. Sie wurden aufwendig in der fränkischen Gold- und Silberschmiede der Benediktinerabtei Münsterschwarzach restauriert und neu mit Blattgold überzogen.

M it der Sonne um die Wette strahlten am Dienstag Pfarrer Herbert Jung, die stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende Dr. Dorothea Knoblauch und Jürgen Werner, Mitglied des Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrates von St. Nikolaus Bad Vilbel. Auf Decken lagen ausgebreitet der Wetterhahn samt Windrose und Halterung für den 30 Meter hohen Kirchturm sowie die von einem Kreuz gekrönte Weltkugel für das 25 Meter hohe Dach der St.-Nikolaus-Kirche. Sie erstrahlen alle wieder in neuem Glanz. Kein Wunder, denn sie wurden sechs Wochen lang in der Gold- und Silberschmiede der Benediktinerabtei Münsterschwar-zach in vielen Arbeitsschritten gereinigt, ausgebessert, restauriert und neu mit Blattgold überzogen. An den christlichen Symbolen aus Bad Vilbel hatten der Zahn der Zeit, Wind, Wetter und Falken ihre Spuren hinterlassen. Und es fehlte zudem ein halbkreisförmiger Verschluss an der Röhre der Weltkugel.

Am Dienstagmorgen hielten zwei Lkw mit 52 Meter hohen Kränen auf dem Parkplatz neben Kirche und Turm. Mit ihrer Hilfe brachten Stefan Wulf und Felix Heinrich von der Bad Vilbeler Firma Dingeldein und Christian Zinnel vom Friedberger Kran- und Mietservice Schuchmann die Symbole wieder in luftiger Höhe an Ort und Stelle.

Aufmerksam beobachtet wurde das Anbringen von den Mitarbeitern und Mitgliedern der katholischen Kirchengemeinde, von Kita-Kindern aus St. Nikolaus, Bewohnern aus der Seniorenresidenz Quellenpark und Besuchergruppen der Burgfestspiele. Zuerst brachten die Männer die mit einem Kreuz gekrönte 50 Kilogramm schwere Weltkugel auf dem Kirchendach an. In ihrem Inneren sollen alte Dokumente aufbewahrt sein. »Die Kugel ohne Ecken und Kanten symbolisiert die Unendlichkeit. Sie kann auch als Weltkugel angesehen werden, die in eine neue Zeit, ein goldenes Zeitalter verweist«, sagte Dorothea Knoblauch. Bevor der Wetterhahn, der bereits auf der alten St.-Nikolaus-Kirche seinen Dienst versehen hatte, zurück auf seinen Stammplatz kehrte, segnete ihn Pfarrer Jung: »Im neuen Federkleid Gold glänzend, schau wachend über unsere Stadt, lass notfalls deine Stimme laut erschallen, dein Krähen hören, wenn sich Gefahr ihr nähert….« Die Bedeutung des Hahns auf dem Kirchturm geht zurück auf den Bibelvers Johannes 18,15 im neuen Testament. Dort prophezeit Jesus dem Petrus: »Du wirst mich dreimal verleugnen, ehe der Hahn kräht.« Der Hahn auf den Kirchtürmen ist ein Mahnmal für Aufrichtigkeit und ein Symbol für die Bitte des Christentums, Jesus in keiner Zeit zu verraten, sagte Pfarrer Jung. Allgemeiner formuliert möchte der Hahn die Gesellschaft am Einschlafen hindern, vor Desinteresse und Gleichgültigkeit warnen und wachrütteln.

In einem Gespräch mit dem früheren Apotheker Kurt Sebald erfuhr Dorothea Knoblauch, dass der Wetterhahn vom Turm der alten St.-Nikolaus-Kirche stammt. »Dort ist er schon einmal vom Kirchturm gefallen.« Gemeindemitglied Sebald habe ihn damals eloxieren lassen. Jetzt krönt der Wetterhahn wieder die sechs Wochen lang verwaiste Turmspitze und die goldenen Kugeln seiner Windrose zeigen die vier Himmelsrichtungen an.

Die Kosten für die Restaurierungsarbeiten und die Blattgold-Vergoldungen belaufen sich auf 13 000 Euro. Hinzukommen die Kosten für den Ab- und Aufbau.

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Auf Kirchendach und Turm glänzt es wieder golden: Der Wetterhahn samt Windrose ist mit dem Kran zur Turrmspitze gebracht worden. © Christine Fauerbach
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Pfarrer Herbert Jung spricht den Segen für den Wetterhahn, der bereits auf der alten St.-Nikolaus-Kirche seinen Dienst versah. © Christine Fauerbach

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