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Busverkehr in Reutlingen

Entlastung für den Nahverkehr

Grüne wollen Busse beschleunigen

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Vorrang für Busse in Bad Vilbel: Mehr Busspuren fordern die Grünen angesichts der vielen Staus. Sie stoßen damit allerdings auf einigen Widerstand – besonders im bürgerlichen Lager. Das sieht sich zu ganz grundlegenden ideologischen Debatten herausgefordert.

Die täglichen Staus in Bad Vilbel sind nicht nur nervig für alle, die jeden Tag in ihrem Auto darin stehen. Ärgerlich ist es auch für Fahrgäste, deren Busse ebenfalls kaum vorankommen. Und damit kosten die Staus inzwischen die öffentliche Hand in Bad Vilbel jeden Tag ganz praktisch bares Geld.

Fahrgäste sind stocksauer

Da nämlich die Linienbusse so viel im Stau stehen, müssen die Stadtwerke mehr Busse fahren lassen. Statt zwei Fahrzeugen rollen seit Mitte Dezember dauerhaft drei auf der Vilbus-Hauptlinie vom Heilsberg durch die City nach Dortelweil. Von den normalen Fahrzeiten her würden zwei Busse genügen. Doch die Praxis zeigte: Durch die Staus bauen die Busse besonders in den Hauptverkehrszeiten enorme Verspätungen auf. Die Fahrgäste waren stocksauer, die Stadtwerke mussten reagieren.

Das Problem lösen würden die Bad Vilbeler Grünen gern. 15 000 Euro für ein Konzept, das sie mit "ÖPNV first" betiteln, haben sie für den Doppelhaushalt 2019/20 beantragt. Zentrales Element sollten Busspuren in der Kasseler Straße sein, erklärt Stadtverordneter Christopher Mallmann (Grüne).

"Geringe Investition nötig"

Dann müssten die Busse dort nicht mehr im Auto-Stau mitwarten. Breit genug sei die Straße bereits – mit Ausnahme der Nidda-Brücke, für die sich eine Lösung zum Beispiel mit einer Ampel finden ließe, ist der Grüne überzeugt. "Das wäre eine geringe Investition mit großem Nutzen."

Entlang der Kasseler Straße sei so etwas "vielleicht denkbar", formuliert CDU-Fraktionschefin Irene Utter vorsichtig. Allerdings sei die Straße nicht breit genug für noch zusätzliche Busspuren. "Eventuell müssen wir anderes dafür opfern, wenn der Platz fehlt, zum Beispiel die Fahrradspuren." Dem widerspricht SPD-Stadtverordnete Isil Yönter: "Wir dürfen die Verkehrsteilnehmer nicht gegeneinander ausspielen." Sei auch nicht nötig, betont Christopher Mallmann: "Im Allgemeinen können Busspuren auch von Radfahrern genutzt werden, da gibt es keine Konflikte." Wichtig sei es nun, schnell zu reagieren, um schnell zu Lösungen zu kommen, findet der Grüne. FDP-Fraktionschef Jörg-Uwe Hahn lehnt eine solche Bevorzugung des öffentlichen Nahverkehrs jedoch ab. "Unsere ideologische Überzeugung ist eine andere."

SPD-Beistand genügt nicht

Eine Bevorzugung sei das aber gar nicht, widerspricht ihm SPD-Stadtverordneter Carsten Hauer. "Wenn alles gleichberechtigt sein soll, dann haben wir derzeit einen Nachteil für den ÖPNV", sagt er, "weil der Bus in einem Stau steht, den er nicht verursacht." Könnten die Busse dagegen schneller vorankommen, würden die Linien attraktiver und mehr Fahrgäste führen mit, die bisher Auto fahren – was wiederum die Straßen entlaste.

"Mit schnelleren Bussen ist allen geholfen", wirbt Carsten Hauer. Er fragt sich deshalb auch: "Warum gibt es keine Grüne Welle für Busse?" Eine solche einzurichten sei "zwingend nötig", um den Nahverkehr attraktiver zu machen.

Die sozialdemokratische Hilfe aber genügt nicht. Letztlich scheitern die Grünen mit der Busspur-Forderung im Stadtparlament. CDU, FDP und Freie Wähler lehnen den Vorstoß ab. "Wir halten das", erklärt CDU-Fraktionschefin Utter, "nicht für umsetzbar."

von Dennis Pfeiffer-Goldmann

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