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Bahnknoten Stockheim wird für 8,6 Millionen Euro umfangreich modernisiert

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leo_kraetschmer_280122_4c_1 © Björn Leo

Wichtige Bahnlinien im Wetteraukreis erfahren einen Modernisierungsschub. Davon profitieren wird vor allem dieNiddertalbahn. Der Stockheimer Bahnhof wird umfangreich modernisiert.

Zu Bundesbahn-Zeiten, die immerhin erst 1993 endeten, verließ am Wochenende kein Zug den Stockheimer Bahnhof. In die Region im strukturarmen Osten der Wetterau verirrten sich eine Handvoll Bahnbusse, mehr nicht. Frankfurt schien unerreichbar ohne eigenes Auto. Heute, 30 Jahre später, erwartet den Eisenbahnknoten die größte Veränderung seit der Auflösung des Bahnbetriebswerkes, das zeitweise mehreren Hundert Menschen Arbeit gab. Die Niddertalbahn nach Bad Vilbel wird elektrifiziert. Der Bahnhof, der auch an der Lahn-Kinzig-Bahn von Gießen nach Gelnhausen liegt, wird für 8,6 Millionen Euro umgebaut und saniert. Ab 2027 können in Stockheim vier Züge gleichzeitig abgefertigt werden.

Auswirkungen bis Gedern

Für Carsten Krätschmer, den scheidenden Glauburger Bürgermeister, sind die anstehenden Investitionen ein Bekenntnis der Bahn zum »Stockheimer Lieschen«, wie die Strecke in Richtung Frankfurt im Volksmund genannt wird. »Für die Menschen ist das ihre Lebensader. Vom Ausbau profitiert das gesamte Obere Niddertal. Er wird die Nachfrage nach Wohnraum in der Region befeuern. Die Auswirkungen werden bis in Gedern zu spüren sein.«

Krätschmer, der 30 Jahre lang in der AGNV, der Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr im Niddertal, mitwirkte, spricht von Erhebungen, die davon ausgehen, dass im Zuge der Elektrifizierung der Strecke nach Bad Vilbel zwischen Stockheim und Ortenberg bis 2030 800 neue Wohneinheiten entstehen sollen. »So schnell wird es wohl nicht laufen, aber Oberhessen wird weiter boomen, das steht fest«, sagt Krätschmer.

Beide in Stockheim zusammentreffenden Bahnlinien erfahren eine Taktverdichtung. In Richtung Bad Vilbel, Gießen und Gelnhausen geht dann alle 30 Minuten. Der Mittelbahnsteig wird auf 310 Meter verlängert. Unterschiedliche Bahnsteighöhen ermöglichen das parallele Halten der Triebzüge beider Bahnlinien. Neue Weichen sorgen für die reibungslose An- und Abfahrt. Allein dieser Teil des Ausbaus kostet zwei Millionen Euro.

Baubeginn im August

Zudem wird die Unterführung erneuert, sie wird barrierefrei und es kommt zu einem Durchgang auf die andere Seite des Bahnhofs, wo nicht nur das neue Baugebiet »Hinter dem Falder« (150 Wohnheiten), sondern auch Park-und-Ride-Plätze entstehen sollen. Dass ganz in der Nähe der Vulkan-Radweg vorbeiführt, dürfte sich ebenfalls als Vorteil erweisen. Baubeginn soll voraussichtlich im August sein. Die Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs ist für Ende 2024 vorgesehen.

Die Kosten für den Umbau, teilen sich die Deutsche Bahn AG (DB Netz), das Land Hessen und die Gemeinde Glauburg. »Da werden noch dicke Bretter zu bohren sein, denn fast drei Millionen Euro kann die Gemeinde nicht stemmen. Für dieses Projekt benötigen wir dringend Hilfe«, sagt der Bürgermeister und hofft darauf, dass das Finanzierungsprozedere ähnlich wie bei der angestrebten Reaktivierung der Verbindung Wölfersheim-Hungen zugunsten der Gemeinde geändert wird.

Ausbau des Busbahnhofes

Ebenfalls im Sommer wird der Ausbau des Busbahnhofs im Umfeld der Bahnstation anlaufen. Vorgesehen sind vier Bussteige, die es ermöglichen sollen, dass künftig mindestens zwei Vulkan-Express-Busse mit Hänger gleichzeitig abgefertigt werden können. Mit Blick auf die interkommunale Landesgartenschau 2027 spricht Carsten Krätschmer von einem Mobilitäts-Hub, der in Stockheim entsteht. »Dabei könnten auch heute noch absurd klingende Ideen wie das autonome Fahren oder Flugdrohnen-Taxis eine Rolle spielen.« Ziel sämtlicher Investitionen sei es, den Osten der Wetterau sinnvoll zu vernetzen. Dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist, zeigen die jetzt vorgestellten Pläne obendrein. Immerhin gestaltet sich der gesamte Ausbau der Niddertalbahn derart, dass zu einem späteren Zeitpunkt die Umstellung auf einen S-Bahn-Verkehr relativ problemlos möglich sein soll. Und wie der einmal aussehen könnte, das zeigt ein Nahverkehrsplan für die Region-Rhein-Main, in dem bereits Überlegungen für die Zeit nach 2030 integriert sind. Eingezeichnet ist da unter anderem die S-Bahn-Linie 7, die in dem Entwurf in Stockheim beginnt und an Bad Vilbel vorbei über Gronau-Süd nach Frankfurt führt und dort in Fechenheim, an der Konstablerwache, am Hauptbahnhof, am Fußballstatadion und am neuen Terminal 3 des Flughafens hält. »Vielleicht kommt es erst 2040 dazu, aber alles, was jetzt gebaut wird, ist auch für diesen Betrieb ausgelegt. Und ich bin mir sicher: Irgendwann fährt hier die S-Bahn«, sagt Krätschmer.

Die Pendlerströme aus den Kommunen entlang der Niddertalbahn in Richtung Frankfurt wachsen kontinuierlich. In den vergangenen 30 Jahren haben sich die Fahrgastzahlen verdreifacht. Vor diesem Hintergrund wird die 31 Kilometer lange Bahnstrecke von Stockheim nach Bad Vilbel nach dem Willen der Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr im Niddertal (AGNV) bis 2027 elektrifiziert. Davon profitieren unmittelbar drei Kommunen aus dem Wetteraukreis sowie drei aus dem benachbarten Main-Kinzig-Kreis.

Die Bahnlinie wird auf zwei Abschnitten, zwischen Altenstadt und Höchst sowie zwischen Büdesheim und Kilianstädten, zweigleisig ausgebaut. Das ermöglicht Zugkreuzungen bei laufendem Betrieb. Zwei Brücken müssen neu gebaut werden. Über eine führt die geplante Altenstädter Umgehungsstraße. Aufgrund der veränderten Trassierung der Bahnstrecke muss zudem die Brücke von der Bundesstraße 521 (Zufahrt Höchst) durch einen Neubau ersetzt werden.

Geplant ist ein durchgängiger 30-Minuten-Takt. Das Ziel soll sein, von Stockheim aus in weniger als einer Stunde in Frankfurt zu sein. Die bislang verkehrenden Dieseltriebwagen (Baureihe 642) und die wenigen mit Dieselloks (Baureihe 245) bespannten Züge werden durch moderne Elektro-Doppelstock-Triebzüge ersetzt. Die sollen erstmals zum Fahrplanwechsel im Dezember 2027 zum Einsatz kommen.

Die Gesamtkosten belaufen sich auf 100 Millionen Euro. Allein der Aus- beziehungsweise Umbau des Bahnknotens Glauburg-Stockheim kostet 8,6 Millionen Euro. leo

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Der Bahnknoten Stockheim wird in den kommenden Jahren umfassend modernisiert. Künftig sollen an den Bahnsteigen vier Züge parallel abgefertigt werden können. Das Investitionsvolumen liegt bei 8,6 Millionen Euro. © Björn Leo

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