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Statt sechs Wohnhäusern will die Interessengemeinschaft »Alte Hopfengärten« auf dem Areal lieber weiterhin Gartenland sehen.

Bauland oder Gartenland?

  • VonEdelgard Halaczinsky
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Im Streit um die Bebauung der »Alten Hopfengärten« in Ober-Rosbach scheint eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung noch immer nicht in Sicht. Zwar hat der Investor seine anfänglichen Vorstellungen nach Protesten aus der Nachbarschaft zurückgeschraubt. Doch für die Interessengemeinschaft »Alte Hopfengärten« ist das nicht genug.

Eigentlich wollte die H & B Wohnbau GmbH aus Friedrichsdorf auf dem 4200 Quadratmeter großen Gelände »Alte Hopfengärten« in Ober-Rosbach acht Einfamilienhäuser errichten. Nach Protesten der Nachbarn sind jetzt nur noch sechs Häuser geplant, und auch die Höhe der Gebäude ist verringert worden.

Der Interessengemeinschaft »Alte Hopfengärten« reicht das aber nicht. Sie will am liebsten gar keine Bebauung sehen und wehrt sich gegen die Pläne (die WZ berichtete). Die Nachbarn wollen das Areal lieber anteilig erwerben und weiterhin als Gartenland nutzen.

Plakate an ihren Hoftoren zeugen von ihrem Willen, sich gegen eine Bebauung zu stellen. Einzig die von FWG-Mitglied Beate Karschny inoffiziell ins Spiel gebrachte Idee, Tiny-Häuser statt Massivbauten zu errichten, findet Anklang, doch da stellt sich für den Investor die Frage nach der Rendite. »Wir wissen, dass die Rendite bei Tiny-Häusern nicht so üppig ausfällt, aber man kann es ja mal versuchen«, räumt BI-Mitglied Claudia Reimer ein.

Bürgermeister Steffen Maar, der im September die Frage von Anwohnern, warum überhaupt eine Bebauung beabsichtigt sei, mit Schweigen beantwortet hatte, lässt inzwischen erahnen, warum er sich mit der Antwort schwertut: »Die Aufstellung eines Bebauungsplans ist in diesem Fall eine undankbare Aufgabe, denn man muss einen Kompromiss finden, mit dem alle Beteiligten zufrieden sind.« Hier gebe es aber »widerstreitige Interessen«, und Bauland, wie der Investor es im Visier hat, sei schließlich »höherwertiger zu verwenden« als Gartenland, wie die Anwohner es fordern.

75 000 Euro für Kita-Plätze

Während die Anwohner noch auf eine Abkehr von den Bebauungsplänen hoffen, haben Stadt und Investor bereits einen städtebaulichen Vertrag entworfen, der den Weg für die Bebauung ebnen soll. Laut diesem Vertrag übernimmt H & B sämtliche Planungs- und Erschließungskosten und die Kosten für den Verwaltungsaufwand der Stadt in Höhe von 23 800 Euro. Zusätzlich zahlt das Unternehmen einen Infrastrukturbeitrag in Höhe von 75 000 Euro für die Bereitstellung von Kita-Plätzen.

Gebaut werden sollen sechs Flachdach-Einfamilienhäuser mit zwei Geschossen plus Staffelgeschoss mit einer Höhe von maximal 10,5 Metern. Die überbaubare Fläche beträgt zu den nördlich angrenzenden Grundstücken sechs Meter, zu den östlich angrenzenden Grundstücken fünf Meter.

Für Daniel Kuhlemann in der Hopfengartenstraße heißt das, dass die Südseite seines Hauses künftig genau im Schatten der Neubauten liegen wird. Das sei wertmindernd und habe negative Auswirkungen auf die Lebensqualität. Auch die Leistungsfähigkeit des Kanalnetzes bereitet ihm Sorge. Schon jetzt hat er wegen des hohen Grundwasserspiegels bei Starkregen des Öfteren Wasser in seinem Keller. Noch schlimmer könnte es werden, wenn sechs neue Häuser hinzukommen. »Wir bewegen uns jetzt schon am Limit, aber dann könnte es richtig eng werden.« Häufig sei der Kanal so belastet, dass in der Friedberger Straße die Kanaldeckel hochgespült würden.

Hoffnung ruht auf Bäumen

Im Rathaus weiß man von den Problemen und sucht mit einem Ingenieurbüro nach Lösungen wie z. B. dem Bau von Zisternen, in denen Regenwasser gesammelt und etwa für die Gartenbewässerung bereitgestellt oder in gedrosselter Menge schubweise ins Kanalsystem geleitet werden könnte. Für die Mitglieder der Interessengemeinschaft klingt das weder überzeugend noch ausreichend. »Wenn man erst nach dem Bezug der Häuser merkt, dass man sich vertan hat und die Keller regelmäßig geflutet werden, ist es zu spät«, meinen sie.

Ein weiteres Problem sieht man in Sachen Verkehr: Müllabfuhr und Feuerwehr könnten auf dem 4200 Quadratmeter großen Areal Schwierigkeiten bekommen, Anwohner-Pkw könnten auf der langen, schmalen Zufahrt mit Grenzbebauung zu unzumutbarer Lärm- und Abgasbelästigung führen und parkende Fahrzeuge die ohnehin schon angespannte Parksituation verschärfen.

»Wir haben den Bürgermeister und unsere Politiker gewählt, damit sie die Interessen der Rosbacher Bürger vertreten und nicht die der Frankfurter Wohnungssuchenden«, sagt Reimer. Sie und die 83 weiteren Bürger, die eine Petition an den Bürgermeister und die Stadtverordneten unterschrieben haben, fühlen sich im Stich gelassen. »Wir können das Argument bald nicht mehr hören, dass man hier Wohnraum für die Frankfurter schaffen muss«, meint sie verbittert. Sie hofft, dass nicht zuletzt der erhaltenswerte Baumbestand mit einer Vielzahl von Vogelarten eine Entscheidung im Sinne der Bürgerinitiative begünstigen werde, um das Geviert zwischen Friedberger Straße, Fuhrstraße, Hopfengartenstraße und Schützenrain naturnah zu belassen.

Die Proteste der Mitglieder zeigen bislang keine große Wirkung.

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