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Begegnung mit dem dritten Mann vom Glauberg

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Von: red Redaktion

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Eine außergewöhnliche Entdeckung nahe des Grabhügels des Keltenfürsten macht ein Bauer im Herbst 1997 - einen weiteren Sandsteinkopf. Doch wie kam er hierher? © pv

Archäologie lebt neben viel fachlichem Können auch von einer guten Portion Glück. Diese war ihr 1997 hold, als man unweit des Grabs des Fürsten vom Glauberg einen Sandsteinkopf fand.

Glauberg (red). Archäologie lebt von Geduld, einem guten Auge für Details und einer guten Portion Glück. Und davon hatte man im Herbst 1997 reichlich, als man nach dem Fund der Sandsteinstatue des »Keltenfürsten vom Glauberg« und der reich ausgestatteten Gräber in den Jahren zuvor noch etwas entdeckte. Wie Werner Erk, Vorsitzender des Glauburger Heimat- und Geschichtsvereins, berichtet, trug sich die Begebenheit folgendermaßen zu:

Als ein Bauer auf einem Acker unweit des Grabhügels mit seiner Egge den Boden bearbeitete, verfing sich etwas im Ackergerät. Der Mann wurde stutzig, stieg von seinem Traktor und schaute sich genauer an, was er da eingesammelt hatte. »Es kommt immer wieder vor, dass man auf dem Acker Steine und kleine Felsbrocken ans Tageslicht holt, was aber an diesem Tag ans Tageslicht kam, war etwas ganz anderes. Denn das Objekt stellte sich als ein weißer Sandsteinkopf heraus, dessen Gesicht dem des kürzlich entdeckten ›Keltenfürsten‹ bis auf die fehlende Blattkrone erstaunlich ähnelte«, so Erk.

Keltenkopf auf dem Sitzungstisch

Es ist Heimatforscherin Emma Kauschat zu verdanken, dass man ihr der Kopf schon kurz nach der Entdeckung für die Sammlung des Heimat- und Geschichtsvereins Glauburg übergab. Unvergessen für alle Vorstandsmitglieder ist, dass sie bei der zufällig an diesem Tag stattfindenden Sitzung den Statuenkopf auf den Tisch stellte.

Eine kleine Sensation, doch der Überraschungsfund stellte Werner Erk vor einige Probleme, denn es war Freitag und die Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege schon im Wochenende. Es schien also zunächst keiner da zu sein, der den Sandsteinkopf sicher verwahrte. »Wir mussten damals schnell improvisieren, also brachten wir den Kopf bei mir zu Hause unter. Einen Namen hatten wir dabei schnell gefunden, wir tauften ihn den ›Dritten Mann‹, da er nach dem steinernen Keltenfürsten und den Überresten einer zweiten Statue der dritte Kelte vom Glauberg ist«, sagt Erk. »Am nächsten Montag kam dann Landesarchäologe Dr. Fritz-Rudolf Herrmann, und der Kopf kam in die Restaurierungswerkstatt.« Der ungereinigte Kopf wurde dabei noch von den Vorstandsmitgliedern Walter Gasche und Petra Lehmann-Stoll, der Leiterin des Glaubergmuseums, fotografiert und inventarisiert.

Doch es stellten sich neue Fragen: Wie kam der Sandsteinkopf auf den Acker? Und warum fand sich im Gegensatz zur fast vollständigen Statue hier nur der Kopf? In der Rückschau könnte es sich laut Erk so zugetragen haben, dass die ursprüngliche Statue bereits vor 2400 Jahren zerbrochen wurde und der Kopf seitdem isoliert im Erdreich gelegen hatte. Bei den Ausgrabungen muss er dann wohl unbemerkt mit dem abgetragenen Erdreich auf den nahen Acker gelangt sein. »Eine zweite Erklärung wäre die Flurbereinigung 1973. Damals trug manden letzten Rest des keltischen Grabhügels ab. Der Kopf könnte damals schon von seinem ursprünglichen Platz entfernt worden sein, weshalb man ihn später bei den Grabungen nicht fand.«

Wer zerstörte die Statuen?

Bleibt das Rätsel der zerbrochenen Statue. Hier kann man nur spekulieren, denn insgesamt waren es vier Statuen, von denen nur eine fast vollständig erhalten geblieben ist. Von den drei übrigen fanden sich über 100 Fragmente, darunter auch der später gefundene Kopf. Waren es Herrscher, Krieger, Priester oder die Ahnen des Stammes? Welche Rolle diese Statuen für die Kelten genau gespielt hatten und warum man sie zerstörte, dieses Geheimnis bleibt vorerst ungelöst. Es ist daher ein außerordentlicher Glücksfall, dass der »dritte Mann« allen Unwägbarkeiten zum Trotz am Ende seinen Platz in der Keltenwelt eingenommen hat, als stolze Leihgabe des Glauburger Heimat- und Geschichtsvereins.

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