1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Belastungssteuerung am Bauhof Kefenrod: Warum manche Dienste ausgelagert werden

Erstellt:

Kommentare

leo_bauhof_040622_4c
Fachbereichsleiter Martin Grundl will mehr Aufgaben, die unwirtschaftlich sind, auslagern, um die Arbeitsüberlastung am Bauhof der Gemeinde Kefenrod abzumildern. FOTO: SCHICK © Paulina Gertrud Schick

Bauhöfe leisten wichtige Arbeit, die von der Öffentlichkeit häufig als Selbstverständlichkeit angesehen wird. Dass es jedoch Grenzen gibt und innovative Ideen gefragt sind, zeigt das Beispiel Kefenrod.

Schneefreie Straßen im Winter, ein gepflegtes Ortsbild und nicht zuletzt die Wasserversorgung und Abwasserreinigung - dem Bauhof einer Kommune kommen grundlegende Aufgaben zu, die im Alltag oft als etwas Selbstverständliches erscheinen. Immer wieder ist Einsatz rund um die Uhr gefragt, schnell häufen sich Überstunden an. So auch beim Bauhof in Kefenrod. Der Kreis-Anzeiger hat mit Martin Grundl, Leiter des Fachbereichs für Bau- und Liegenschaftsverwaltung, über Gründe für die Arbeitsüberlastung des Bauhofs sowie mögliche Lösungsansätze gesprochen.

Herr Grundl, der Kefenröder Bauhof erfüllt ein breites Aufgabenfeld. Auch in Notfällen sind die Männer immer wieder gefragt. Was waren die größten Herausforderungen im vergangenen Jahr?

2021 kamen viele Dinge zusammen. Angefangen bei einem schneereichen Winter mit umfangreichem Winterdienst im Januar und Februar. Dazu kam Ende Januar das Hochwasser. Dort war schnelles Eingreifen vor allem an der Abwasserhebeanlage in Burgbracht gefragt. Ein Ausfall der Anlage hätte zu einem Rückstau des Wassers in die Häuser führen können. Gemeinsam mit der Feuerwehr konnte der Bauhof das verhindern. Eine weitere Hochwasserschutzmaßnahme ist die Kontrolle von Regenüberlaufbecken, Brunnen und Hochbehältern. Sie sind mit Fernwirkanlagen ausgestattet, die bei Auffälligkeiten eine Alarmmeldung an die Smartphones der Mitarbeiter senden.

Und das neben routinemäßigen Arbeiten...

Es gab im vergangenen Jahr weitere Herausforderungen, die durchaus planbar waren: Die Räumung der Teichkläranlage in Bindsachsen fällt nur alle sieben Jahre an, ist im Vergleich zu herkömmlichen Kläranlagen jedoch sehr zeitaufwendig. In diesem Zusammenhang war eine intensive Zuarbeit des Bauhofes über vier Wochen notwendig. Sehr aufwendig war auch der Umzug des Kefenröder Kindergartens »Wirbelwind« in die Interims-Kita, wozu Möbel ab-, auf- und umgebaut sowie Brandschutz und Alarmanlage gesichert und eingerichtet werden mussten.

Laut Ihres Berichts zur Tätigkeit des Bauhofes, den Sie der Gemeindevertretung vorgelegt haben, summieren sich die Überstunden der vier Bauhofmitarbeiter zu Jahresbeginn auf insgesamt 600 Stunden. Woher kommt diese hohe Zahl?

Es ist einerseits sehr viel Arbeit angefallen, die Überstunden kommen aber auch durch Einsätze außerhalb der Dienstzeiten zustande - etwa, wenn eine Fernwirkanlage nachts oder am Wochenende Alarm schlägt. Im Winterdienst haben wir die Räumung der Seitenstraßen seit zwei Jahren an einen Dienstleister ausgelagert. Dennoch: Wenn die Mitarbeiter um 4 Uhr in der Früh beginnen, wären die Regelstunden mittags erfüllt. Instandhaltung von Heizungen und Gebäuden fallen aber auch dann noch an, ebenso die typischen Aufgaben eines kommunalen Bauhofes.

Es ist also auch die Summe aus kleineren Teilen?

Ja, etwa die wöchentliche Sichtkontrolle aller Geräte auf den Spielplätzen oder die Zuarbeit bei Bestattungen, die oft samstags stattfinden. Manche Arbeiten können nur in kurzen Zeiträumen durchgeführt werden, der Heckenschnitt im Feld beispielsweise von Oktober bis Februar. Neben der üblichen Müllentsorgung gibt es immer wieder Sperrmüll in der Gemarkung zu beseitigen. Auch bei jeglichen anderen Vorfällen wird der Bauhof häufig hinzugerufen. Das gesamte Aufgabenfeld lässt sich abschließend gar nicht aufzählen.

Welche Maßnahmen sind gegen die Überlastung zu treffen? Braucht es mehr Personal?

Das ist schwierig. Ein fünfter Mitarbeiter würde auch die Erwartungshaltung der Bevölkerung erhöhen.

Was kann sonst Abhilfe schaffen?

Mein Ansatz ist eher, Arbeiten auszulagern, die für den Bauhof unwirtschaftlich sind - dort lässt sich je nach Bedarf leicht nachsteuern. Etwa beim Mähen auf Flächen, die kleiner als 300 Quadratmeter sind, dauert die Rüstzeit länger als die tatsächliche Arbeitszeit. Wir haben die Grünflächenpflege bereits zum Teil ausgelagert und wollen das ausweiten, um mehr Zeit für höherwertige Arbeiten zu haben. Auch den Kehrdienst auf öffentlichen Plätzen, an Bushaltestellen und um Dorfgemeinschaftshäuser haben wir für Kefenrod und Bindsachsen bereits an eine 450-Euro-Kraft ausgelagert. Derzeit suchen wir noch jemanden für Hitzkirchen und Helfersdorf. Eine größere Entlastung wird es in der Betreuung der Wasserversorgung geben: Da diese aktuell nicht den rechtlichen Anforderungen entspricht, müssen wir die technische Betriebsführung auslagern. Dadurch werden etwa 15 bis 20 Wochenstunden frei. Allgemein ist die Situation in diesem Jahr nicht so gravierend und es konnten bereits einige Überstunden abgebaut werden.

Als Abteilung des Fachbereichs für Bau- und Liegenschaftsverwaltung der Verwaltung der Gemeinde Kefenrod kümmert sich der Bauhof um einen rechtmäßigen Betrieb, Zustand der Kommune und ihre Infrastruktur. Neben der Wasserversorgung und der Abwasserreinigung gehören auch die Pflege öffentlicher Plätze sowie die Betriebstauglichkeit der Gebäude und der Haustechnik von Verwaltung, Kindergärten, Feuerwehr- und Bürgerhäusern dazu. Gemeinsam mit dem Fachbereichsleiter Martin Grundl koordinieren Bauhofleiter Hans-Jürgen Göth und dessen Stellvertreter Stefan Poppe die Arbeit der vier Mitarbeiter. pgs

Martin Grundl ist seit Oktober 2019 als Leiter des Fachbereichs für Bau- und Liegenschaftsverwaltung im Rathaus der Gemeinde Kefenrod tätig. Nach dem Abitur in Nidda absolvierte der gebürtige Schottener eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten beim Wetteraukreis. Es folgte ein duales Studium in Allgemeiner Verwaltung an der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung in Gießen, von 2014 bis 2019 war Grundl bei der Kreisverwaltung für Immobilienmanagement zuständig. Der 32-Jährige ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in seinem Heimatort, dem Schottener Stadtteil Sichenhausen. pgs

Auch interessant

Kommentare