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Bereit für die Zukunft

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Von: red Redaktion

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Journalist und Autor Harald Martenstein hält die Festrede. © pv

Wetteraukreis (red). Vor 110 Jahren wurde mit einer Handvoll Mitarbeiter die Grundwasserversorgung und aus deren Erlösen wiederum die Elektrifizierung der Region eingeleitet. Es war die Geburtsstunde der heutigen Ovag-Gruppe. Rund 110 Gäste trafen sich nun in der neuen Fahrzeughalle auf dem Betriebsgelände Warth zwischen Dorheim und Friedberg zur akademischen Feier.

Ovag-Vorstandsvorsitzender Joachim Arnold begrüßte - auch im Namen seines Vorstandskollegen Oswin Veith - neben den Landräten Jan Weckler (Wetterau) und Manfred Görig (Vogelsberg) zahlreiche Bürgermeister aus dem Versorgungsgebiet, Vertreter der ZOV-Verbandsversammlung, des Aufsichtsrats sowie aus Politik und Wirtschaft in der neuen Fahrzeughalle.

Als Festredner war einer zu Gast, der nicht zum ersten Mal auf Einladung der Ovag anreiste, jedoch mit dem Thema Energieversorgung auf den ersten Blick wenig zu tun hat: der Journalist und Autor Harald Martenstein, bekannt durch seine wöchentliche Kolumne in der Wochenzeitung »Die Zeit«. Martenstein, sich dieser Tatsache bewusst, stellte das in einer launigen Rede sofort klar: Seine »privaten Geschichten« aus Berlin nahm Martenstein nun, um zu illustrieren, warum die Ovag in seinen Augen nach 110 Jahren dort stehe, wo sie nun einmal stehe: Den »Irrweg der Entkommunalisierung« sei man in der Region nicht gegangen, nicht so töricht »wie Berlin« gewesen. Die Ovag agiere offenbar eher mit Augenmaß und scheine »bestimmte modische Fehler nicht gemacht« zu haben.

Martenstein erinnerte zudem an all das, was die Ovag in der Region darüber hinaus auszeichne, etwa den Jugend-Literaturpreis und die Lesereihen, in deren Zuge er selbst schon mehrfach Gast gewesen sei. Er werde, scherzte Martenstein, eine Religionsgemeinschaft mit dem Namen »Die Zeugen Ovags« gründen, sollte der regionale Energieversorger auch noch einen Preis für langhaarige Autoren über 60 - wie er einer sei - stiften.

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Dr. Ulrich Lenz, sagte, es sei »ein Wunder«, dass ein kommunaler Verbund so lange halte und funktioniere. »Die Ovag ist der beste Beweis dafür, dass trotz paritätischer Mitbestimmung ein Betriebserfolg möglich ist.« Er lobte die vom Unternehmen gelebte kommunale Zusammenarbeit. »Das liegt seit der Gründung vor 110 Jahren in der DNA.«

Die Ovag, das sei für viele Menschen in den Landkreisen Wetterau, Vogelsberg und Gießen ein Stück Heimat. Hier müsse man sich bei Lob, Kritik und Fragen nicht durch anonyme Hotlines kämpfen, sondern habe Ansprechpartner vor Ort am Ohr. Ein Umstand, den auch Festredner Martenstein als heutzutage ungewöhnliches Aushängeschild pries.

Energie-Hunger regional stillen

Ovag-Vorstand Arnold blickte vor allem in die Zukunft. Wie werde man den steigenden Hunger nach Energie unabhängig von ausländischen fossilen Energieträgern möglichst regional stillen können? Wie werde man diese Energie nachhaltig speichern können und was könne man zur weiteren Dekarbonisierung beitragen? Die damit verbundenen Herausforderungen nehme man gerne an. »Es gilt, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen und langfristige Ziele vorausschauend zu verfolgen.« Dazu zähle auch, Know-how in der Region zu halten und Arbeitsplätze zu sichern, das Personal weiterzubilden und auf kommende Herausforderungen vorzubereiten.

Das größte Kapital der Ovag seien die gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die »treuen regionalen Kundinnen und Kunden«.

Der Betriebsratsvorsitzende Thorsten Hankel ging auf die riesigen Veränderungen in 110 Jahren ein und erinnerte an Errungenschaften wie Rechenmaschinen und Spannungsführer sowie an kleine Helfer im Büro wie den Bleistiftspitzer. Der sei heute, wie die Rechenmaschine, obsolet. »Was tatsächlich geblieben ist: die Fernwasserleitung. Das ist echte Wertarbeit.« Das Unternehmen habe zwei Weltkriege und zwei Währungsreformen, die Umstellung auf den Euro und den Jahrtausendwechsel überstanden. »Ich bin mir sicher, wir werden auch die nächsten 110 Jahre überstehen«, sagte Hankel.

Zwischen den Redebeiträgen unterhielten Benedikt Sender am Saxofon und Carlo Brüggemann am Klavier das Publikum. Das Duo ist dritter Preisträger des hessischen Landeswettbewerbs »Jugend musiziert«. Zudem spielte der Musikverein Ober-Wöllstadt auf.

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