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Betreuungsvereine im Wetteraukreis - »Wie die Feuerwehr«

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Teil eines guten Teams: Leiterin Marion Grumbrecht, Isolde Steinke und Kroba Maarouf-Thiele (von links) vom Betreuungsverein Diakonie Wetterau. © Elfriede Maresch

Wer und was genau ist die Liga der freien Wohlfahrtspflege im Wetteraukreis? Der Kreis-Anzeiger geht dieser Frage in einer Serie nach. Dieses Mal im Fokus: die drei Betreuungsvereine in Nidda, Büdingen und Friedberg.

Erwachsene, die wegen einer körperlichen, seelischen oder geistigen Behinderung oder einer psychischen Erkrankung ihre Angelegenheiten nicht mehr selbstständig regeln können, brauchen eine rechtliche Betreuung.

Marion Grumbrecht, Leiterin des Betreuungsvereins der Diakonie Wetterau in Nidda, hat viele Aufgaben. Zum einen unterstützt sie mit ihrem Team aus vom Amtsgericht bestellten rechtlichen Betreuerinnen gebrechliche Menschen, in deren privatem Umkreis niemand diese Hilfe übernehmen kann. Es geht etwa um die Interessenvertretung gegenüber Behörden und Institutionen, in Vermögens- oder Wohnungsangelegenheiten, bei Entscheidungen im gesundheitlichen Bereich.

Aufgaben

sind vielfältig

Weitere Aufgaben sind das Gewinnen, Begleiten und Weiterbilden von Ehrenamtlichen sowie die Zusammenarbeit mit relevanten Institutionen. Auch die Öffentlichkeitsarbeit in Kirchengemeinden oder Vereinen mit Vorträgen zur Vorsorgevollmacht oder zur Betreuungs- und Patientenverfügung ist Aufgabe der Betreuungsvereine.

Es ist Freitag, 15 Uhr. Grumbrecht hat gerade den Computer heruntergefahren. Da klingelt das Telefon. Ein aufgeregter Mann meldet sich. Gerade sei seine Vermieterin ins Krankenhaus gekommen, wahrscheinlich mit einem schweren Herzinfarkt. Die 90-jährige demente Mutter, dringend auf Hilfe angewiesen, sei in der Wohnung zurückgeblieben. »Machen Sie was! Dafür sind Sie doch zuständig«, fordert der Mann. Und wieder einmal denkt Marion Grumbrecht: »Wir sind wie die Feuerwehr.«

Freier Freitagnachmittag - ade! Grumbrecht fährt in die Gemeinde im Süden der Wetterau, wo Mutter und Tochter Ruckermann (Name von der Redaktion geändert) leben. Es ist schwer, die verwirrte und aufgeregte alte Frau zu beruhigen, die Grumbrecht nur flüchtig kennt. Die Betreuung wurde erst vor Kurzem vom Amtsgericht eingerichtet.

Grumbrecht telefoniert, findet mit Mühe einen Kurzzeitpflegeplatz in einem Seniorenheim in der Nähe, packt das Nötigste und fährt die alte Dame hin. Aber die Finanzierung ist nicht gesichert, die Tochter im Krankenhaus nicht ansprechbar, die Mutter außerstande, Auskunft zu geben. In der Wohnung sind noch zwei Katzen. Mit der Hilfe des Anrufers findet Grumbrecht eine entfernte Verwandte der Ruckermanns, die die Tiere versorgt. Im Lauf der nächsten Woche stellt sich heraus, dass Mutter und Tochter bleibend hilfsbedürftig sind.

Grumbrecht informiert das Amtsgericht und beantragt die Vermögenssorge, die nicht mit angeordnet worden war. Ohne Zugriff auf das Konto lassen sich jedoch keine Hilfen organisieren und Rechnungen bezahlen. Die Tochter, schon vorher gesundheitlich angeschlagen, hatte versäumt, für die Mutter einen Pflegegrad zu beantragen. Erst nach und nach stabilisiert sich der Zustand der Patientin und Grumbrecht kann mit ihr Absprachen treffen.

Sie beantragt für die Mutter einen Pflegegrad und sucht einen Pflegeheimplatz für längere Zeit. Die Tiere müssen dann doch im Tierheim untergebracht werden - Grumbrecht organisiert auch das. Die Tochter in der Reha, die Mutter im Pflegeheim - langsam stabilisiert sich die Situation.

Doch die Heizung läuft nicht, der Mieter beschwert sich. Das Heizöl ist leer und wird von der Betreuerin bestellt. Grumbrecht überweist nach Absprache mit der Tochter Rechnungen und Mahnungen, die in der Wohnung lagen, und ist ihr beim Rentenantrag behilflich.

Grumbrecht: »Unsere Arbeit wird durch Fallpauschalen vergütet. Für zeitaufwendige Fälle wie bei den Ruckermanns, die nicht selten sind, sind wir völlig unterfinanziert. Seit Jahren kämpft unser Berufsverband um eine ausreichende Finanzierung.« Unentbehrlich ist die Hilfe von Ehrenamtlichen (siehe Artikel unten). Sie werden durch die Hauptamtlichen des Vereins vorbereitet, treffen sich zum Austausch, dreimal im Jahr zu Weiterbildungen. Sie erhalten eine Aufwandsvergütung und sind über das Land Hessen versichert.

Kontakt

aufnehmen

Wer sich für diese Aufgabe interessiert, kann unter der Rufnummer 0 60 43/51 99 474 oder per E-Mail an betreuungsverein@betreuung-diakonie-wetterau.de unverbindlich Kontakt aufnehmen. Der Betreuungsverein Büdingen ist unter der Rufnummer 0 60 42/39 22 und per E-Mail an rita-hueser@caritas-giessen.de erreichbar, der Betreuungsverein Friedberg unter der Rufnummer 0 60 31/18 63 3 oder per E-Mail an info@betreuungsverein-friedberg.de. VON ELFRIEDE MARESCH

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