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Bikejöring: Mit Ylvi zur Weltmeisterschaft

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Von: Monika Rittershaus

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Niklas Mohr aus Wallernhausen mit seiner Hündin Ylvi. © Monika Rittershaus

Niklas Mohr aus Wallernhausen fährt mit seinem Hund Fahrrad. Im vergangenen Jahr holte er sich mit Ylvi den Deutschen Meistertitel im Bikejöring. Nun erhielt er ein besonderes Ticket.

Mensch und Hund - eine Verbindung, die nicht selten zu einer außergewöhnlichen Freundschaft heranwachsen kann. Man vertraut sich, man kennt sich, weiß von der Persönlichkeit und die Handlungsweise des anderen. Eine Voraussetzung, die im gemeinsamen Sport besonders wichtig ist. Bikejöring, eine Disziplin des Zughundesports, bei der der Hund vor dem Fahrrad läuft und das Fahrrad zieht, erfordert sowohl von Hund als auch Mensch eben genannte Eigenschaften in ganz besonderem Maße. Denn hier trainiert der Mensch darauf hin, im Einklang mit einem anderen Lebewesen Höchstleistungen vollbringen zu können.

In den Wäldern von Wallernhausen

Wer in den Wäldern rund um Wallernhausen und Umgebung spazieren geht, kann dem Gespann mit großer Wahrscheinlichkeit begegnen. Denn hier dreht Niklas Mohr (25), gelernter Sport- und Fitnesskaufmann, mit seiner Hündin Ylvi täglich seine Runden. Niklas Mohr ist sehr erfolgreich im Bikejöring und hat im vergangenen Jahr den Titel »Deutscher Meister« abgestaubt. Dieser Zeitung berichtet er von seiner großen Passion Bikejöring und der besonderen Beziehung zu seiner Hündin.

Der Wallernhäuser ist seit seiner frühen Kindheit sportlich sehr aktiv. Nach einer kurzen sportlichen Pause während seiner Bundeswehrzeit beginnt er ein Physiotherapie-Studium, welches er dieses Jahr mit einem Staatsexamen abschließen wird. Zum sportlichen Ausgleich zu Bikejöring geht er Bouldern und Wandern. Trotz des wachsenden Erfolgs und Interesses in Social Media-Kanälen, die er bespielt, wirkt der 25-Jährige bodenständig.

Bikejöring ist ein sehr anspruchsvoller Sport, der in Deutschland noch eher unbekannt ist. Wie kam der junge Mann zu diesem außergewöhnlichen Hobby?

Großgeworden ist er quasi auf einem Fahrrad, erzählt er - nur ohne Hund. Vor einigen Jahren hatte er mit einem Radsportkollegen seine Freundin in Gedern besucht, die mit ihrem Hund schon länger Bikejöring betreibt. »Das hat mich total begeistert.« Fünf oder sechs Jahre lang ist er mit Hunden anderer gefahren.

Ylvi ist die Dame seines Herzens

»Natürlich wollte ich dann irgendwann einen eigenen Hund, um mit ihm an Wettkämpfen teilnehmen zu können. Da ich aber mittlerweile ein gewisses Leistungslevel erreicht hatte, musste ich mir penibel Gedanken über eine geeignete Rasse machen.« Es sollte ein Greyster, eine Kreuzung aus Deutsch Kurzhaar und Greyhound werden, die speziell für den Sport gezüchtet werden. Durch Kontakte ist er auf eine Adresse in Norwegen gekommen und hat nach einem halben Jahr auf der Warteliste 2018 endlich seinen Welpen Ylvi bekommen. »Seither bin ich sehr zufrieden mit der Dame.«

Auch wenn der eigene Hund erst spät kam, also dem Hobby folgte, hat er eine sehr enge Beziehung zu seiner Hündin aufgebaut. »Ich kenne sie seit sie Welpe ist, habe sie großgezogen, fast wie ein eigenes Kind. Es ist einfach so schön, sie aufwachsen zu sehen und ihre stetig wachsenden Fortschritte mitzuerleben. Das ist es, was mich an Bikejöring am meisten reizt: Die intensive Beziehung zu meiner Hündin.« Dass es möglich ist, durch gegenseitiges Vertrauen im gewissen Maße zu einer Einheit zu werden, sei ein unglaubliches Gefühl.

Die Saison läuft nach Maß. Nach langer Zeit können sie mit ihren ehemaligen Idolen mitmischen. In Leipa ist das Team im vergangenen November sogar Deutscher Meister geworden. »Der ganze Zeitaufwand, die Zusammenarbeit mit Sponsoren, eben alles, was da so dranhängt - es ist definitiv mehr als nur ein Hobby.« Niklas Mohr wird mittlerweile durch einen Sponsor ausgestattet und ist für diesen auch in Social Media unterwegs.

Freude, wenn sie das Geschirr erblickt

Tatsächlich wird Niklas Mohr oft gefragt, ob es dem Hund überhaupt Spaß macht, im Zug zu laufen und ihn zu ziehen? »Wer allerdings Ylvi dabei beobachtet, wie sie vor Freude und Erwartung ausrastet, wenn sie nur das Geschirr sieht, nimmt seine Frage direkt wieder zurück.« Es sei für sie schon der Weltuntergang, wenn er alleine für sich trainiert und sie zu Hause bleiben muss. Mohr ist überzeugt: »Sie hat Bikejöring definitiv im Blut. Bei jedem Wettkampf und auch schon während des Trainings gibt sie immer 150 Prozent und würde für mich bis zur Erschöpfung laufen, was ich natürlich nicht zulasse. Auf der anderen Seite würde ich alles für meinen Hund geben.«

Das macht sich bemerkbar. Durch die erfolgreiche Saison und den Meistertitel ist das Gespann in den A-Kader des Verbands Deutscher Schlittenhundesport Vereine (VDSV) aufgenommen worden und hat ein Ticket für die ICF-Weltmeisterschaft in Pledran in Frankreich vom 29. April bis 1. Mai erhalten. Die Zeit läuft.

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