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Brücke renoviert: Erinnerung an die Söderzeit

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Die historische Brücke ist wieder ausgebessert und begehbar. Für Bürgermeister Hans-Peter Seum (r.) gibt es einen Geschenkkorb des Gewerbevereins. © Elfriede Maresch

Bis in die Zeit um 1870 führte die Provinzialstraße von Nidda nach Borsdorf. Mit der Sanierung des historischen Bauwerks aus Sandstein wird an eine Epoche der Industriegeschichte erinnert.

Die neu sanierte Brücke zwischen Nidda und Bad Salzhausen führt über die sogenannte Stangenkunst. Dieses Gestänge zur Kraftübertragung wurde zwischen 1776 und 1786 erbaut und versorgte den damals blühenden Salinenbetrieb in Bad Salzhausen mit einer zusätzlichen Energiequelle: mit Wasserkraft zum Pumpen der Sole zu den Gradierwerken.

Jetzt, nach der Fertigstellung der Arbeiten, waren Bürgermeister Hans-Peter Seum, die Magistratsmitglieder Sharon Rieck und Hans-Georg Lang, die Vorsitzende des Gewerbevereins, Antje Schmidt-Wolf, sowie der Vorsitzende des Vereins Heimatmuseum Nidda, Reinhard Pfnorr und sein Stellvertreter, Steinmetzmeister Martin Röhling, gekommen.

Ein Modell der Stangenkunst

Im Heimatmuseum wird mit einem Modell der Stangenkunst an die »High Tech-Industrieanlage« von damals erinnert, die ansonsten eher in Vergessenheit geraten ist. Mehrfach führten Aktive des Museumvereins Besucher am »Tag des offenen Denkmals« entlang der Trasse der Stangenkunst und erinnerten an die Söderzeit Bad Salzhausens.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Salzhausen einem gravierenden Wandel unterworfen. Obwohl die dortige Saline, wenn auch immer weniger lohnend, bis 1864 betrieben wurde, war längst ein Kurbad aus dem einstigen Söderort geworden.

Bis in die Zeit um 1870 führte die Provinzialstraße von Nidda nach Borsdorf über diesen Hügel und nutzte die Brücke. Mit dem schon länger geplanten Eisenbahnbau, etwa auf den Strecken Nidda-Hungen und Nidda-Gelnhausen 1870, wurde die Straßenführung verändert. Die heutige Hindenburgstraße als Verbindungsstrecke in Richtung Bad Salzhausen auf die Harb und nach Borsdorf wurde gebaut. Die Brücke verlor ihre Bedeutung, die nur geschotterte Provinzialstraße verschwand unter Bewuchs.

Katzenköpfe sind wieder freigelegt

Den Museumsaktiven, vor allem Röhling, war es schon lange ein Anliegen, die völlig von Gehölzen zugewachsene und von Verfall bedrohte Brücke freizulegen und herzurichten. Schließlich vergab die Stadt den Auftrag dazu. Die Geiß-Niddaer Gartenbaufirma Lehmer entfernte Gehölze, übernahm Baggerarbeiten und der Bauhof kam zum Einsatz. Röhling beseitigte die Schäden am Brückengewölbe, legte an einem Abschnitt die Einfassungssteine der Straße, sogenannte Katzenköpfe, frei und schloss eine Lücke der Brückenmauer. Er versah einen hellen Buntsandstein mit 1,60 Länge, 70 Zentimeter Höhe und 45 Zentimeter Dicke aus dem Steinbruch Bergheim mit einem Segmentrand und fügte ihn ein, um die Mauer wieder zu schließen. Dies war eine Spende. In Verbindung mit der kommenden Landesgartenschau schlagen Pfnorr und Röhling vor, auf diesem kleinen Abschnitt wieder das Bild der Straße mit gepflasterten Gehwegen herzustellen. Eine Nachbildung der Stangenkunst, ebenfalls als kurzer Abschnitt, könnte unter der Brücke durchführen und eine Vorstellung der Anlage geben, ähnlich wie in Salzhausen das große Wasserrad und das Stück mit den Holzröhren im Unteren Kurpark.

Vitamine für den Übergang

Bürgermeister Seum freute sich über das Engagement Röhlings und Pfnorrs und betonte die gute Zusammenarbeit mit dem Verein Heimatmuseum Nidda. Dankesworte kamen auch von den beiden Magistratsmitgliedern. »Das war mein letzter Außentermin« sagte Seum. Doch auch hier wurde der Abschied erleichtert. Antje Schmidt-Wolf sprach die guten Wünsche des Gewerbevereins für Seums Ruhestand aus und übergab einen Obstkorb.

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