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Buchstaben, Zahlen und Verbote

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Ein Kennzeichen mit klarer Nazi-Symbolik. SYMBOLFOTO: IMAGO © Imago Sportfotodienst GmbH

Ein neues Auto oder Zweirad kommt ins Haus. Und zum neuen Untersatz dann noch das passende Wunsch-Kennzeichen. Doch mit den Wünschen kann das so eine Sache sein. Erlaubt ist nicht alles.

VON HOLGER SAUER

Wetteraukreis. Viele werden das kennen. Ein neues Auto oder Zweirad kommt ins Haus. Egal, ob gebraucht oder frisch aus der Fabrik - die Freude ist meist groß. Und zum neuen Untersatz dann noch das passende Wunsch-Kennzeichen. Kennen auch viele. Doch mit den Wünschen kann das so eine Sache sein. Erlaubt ist schließlich nicht alles. Regeln gibt es da längst. Mit Blick auf die Nazi-Zeit werden bestimmte Kombinationen, die als Abkürzung für NS-Organisationen oder die Namen damaliger Repräsentationen des Terrorregimes stehen, nicht vergeben. Ergo tauchen sie auch nicht auf den Schildern auf.

In der Nachbarschaft hat der Landkreis Gießen über generell verbotene Buchstabenkombinationen hinaus seit Kurzem den Index eigenständig erweitert. Was wiederum die Grünen im Wetterauer Kreistag auf den Plan gerufen hat. Zur nächsten Sitzung haben sie einen Antrag gestellt: Der Kreisausschuss soll prüfen, ob bei der Vergabe von Kfz-Kennzeichen »Auffälligkeiten bezüglich der Verwendung bestimmte Buchstaben- beziehungsweise Zahlenkombinationen vorliegen, die auf einen extremen, insbesondere rechtsextremen Hintergrund schließen lassen«. Sei das der Fall (»Der Wetteraukreis hat seine eigene Geschichte und Auffälligkeiten bezüglich rechtsextremer Tendenzen«), sollte genauso verfahren werden wie im Kreis Gießen.

Auf der Verbotsliste stehen dort »BH« für Blood and Honour«, »WP« für »White Pride« und Zahlencodes wie die »18« (für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet: »Adolf Hitler«), »88« («Heil Hitler«) und »444« für »Deutschland den Deutschen«.

Die aktuelle Vorgehensweise des Wetteraukreises sieht laut Pressestelle der Verwaltung so aus: Die Buchstaben- und Zahlenkombination des Kennzeichens dürfe nicht gegen die guten Sitten verstoßen. »Hierzu gab es für das Land Hessen einen Erlass aus dem Jahr 2000, der inzwischen in das allgemeine Verwaltungshandeln übergegangen ist«, teilt Pressesprecher Michael Elsaß auf Anfrage dieser Zeitung mit. Danach dürfen die Buchstabengruppen »HJ«, »KZ«, »NS«, »SA«, »SD« und »SS« nicht vergeben werden. Diese wurden in Hessen mit dem Zentralrat der Juden festgelegt.

Prinzipiell könnten auch noch nicht ausgegebene Kombinationen gesperrt werden, bereits ausgegebene hätten aber Bestandsschutz. Das wäre der Verfahrensweg wie ihn der Kreis Gießen gewählt hat.

Der Zulassungsbehörde des Wetteraukreises sind nach den Worten von Elsaß bislang keine Auffälligkeiten bekannt hinsichtlich weiterer Zahlen- und Buchstabenkombinationen wie etwa der »444«.

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