Wahlkampf in Büdingen

Büdingen protestiert gegen AfD

Die AfD wirbt fast sechs Monate vor der Bundestagswahl intensiv um Anhänger. Ihr Spitzenkandidat Alexander Gauland sprach am vorigen Donnerstag in Büdingen. Die politischen Gegner kamen zur Mahnwache.

Die NPD hat es in der 21 000 Menschen zählenden Stadt am Seemenbach bis ins Parlament geschafft. Auch die AfD ist dort aktiv. Mit dem Haus Sonnenberg fand sie ein passendes Veranstaltungslokal. Dort sprachen schon Björn Höcke und Frauke Petry zu ihren Anhängern. Nun kam der Bundestags-Spitzenkandidat Alexander Gauland zum Wahlkampf in die Stadt.

Präsenz zeigen dort aber auch rund 30 Mahnwachen-Teilnehmer des Büdinger Bündnisses. Gut 50 Meter vom Tagungslokal der AfD entfernt stehen sie am Donnerstag unter Polizei-Beobachtung auf dem geschotterten Parkplatz und halten Transparente für eine bunte Gesellschaft in die Höhe. „Wir dürfen dieser Partei nicht die Meinungshoheit überlassen“, ruft Boris Winter vom Büdinger Bündnis durch den Lautsprecher. Die AfD-Politiker bedienen unverhohlen rassistische und nationalistische Ressentiments, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Müller. Diese Partei sei „nichts anderes als eine NPD im Schafspelz“. Und der AfD-Spitzenkandidat Gauland komme nach Büdingen, „weil er weiß, dass er hier NPD-Wähler ziehen kann.“

Im Haus Sonnenberg sammeln sich derweil gut 100 AfD-Anhänger in den beiden großen Restaurant-Räumen. Einige Stühle bleiben darin frei. Der Kreisvorsitzende Klaus Herrmann und seine Leute wirken deutlich entspannter als beim Auftritt von Frauke Petry im vorigen Juni – Pressevertreter und Neugierige werden diesmal nicht abgewiesen. Man fühlte sich offenbar durch die in sieben Kleinbussen angereisten Bereitschaftspolizisten geschützt. Trotzdem postiert die AfD zwei in Schwarz gekleidete Sicherheitsmänner direkt neben dem Rednerpult. Reporter des Rundfunks und regionaler Zeitungen bekommen einen eigenen Tisch in der Nähe – und später das Angebot, in der Lobby Kaffee und Kuchen zu kosten.

Die meist männlichen Zuhörer im Alter von etwa 40 bis 70 Jahren müssen lange warten bis Alexander Gauland ans Mikro geht. Zuvor sprechen Andere: Mariana Harder-Kühnel, eine junge Rechtsanwältin aus Gelnhausen, die das dortige Bundestags-Direktmandat ihrem ehemaligen Klassenkameraden Peter Tauber von der CDU abnehmen will. Der habe früher weit rechter gedacht als jetzt, berichtet sie. Und schildert ihn als eine Art prinzipienlosen Wendehals ohne Kinder.

Der aus Bayern zugereiste ehemalige CSU-Politiker David Bendels. Ein junger Mann mit schwarz glänzender Frisur und bayerischem Weizenbier in Reichweite. Bendels bescheinigt seinem Ex-Vorsitzenden Horst Seehofer, er sei „Erfüllungsgehilfe der Deutschland vernichtenden Masseneinwanderung“. Der Polizei vor dem Haus dankte Bendels unter Applaus, weil sie die Versammlung vor „rotlackierten Nazihanseln da draußen“ schütze. Die Mahnwachen-Teilnehmer seien nämlich Nazis. Beifall aus dem Publikum. Der ehemalige Kriminalpolizist und aus der CDU geworfene Fuldaer AfD-Direktkandidat Martin Hohmann arbeitet an der Ehrenrettung der Bundeswehr. In der rumore es gewaltig, so Hohmann.

Weil Ursula von der Leyen mit ihrer Kritik an der Truppe deren Ehre verletzt habe. Der „etwas merkwürdige“ Oberleutnant, den man wegen Terrorverdachts verhaftet habe, sei ja vielleicht kriminell. Aber er habe den Deutschen gezeigt, dass man bei Geldknappheit nur seinen Pass wegwerfen und sich als Asylbewerber melden müsse. Dann habe man einen netten Nebenverdienst. Diese These baut der Hauptredner Alexander Gauland später aus. Gut 240 Millionen Leute aus dem afrikanischen Islam-Gürtel wollten nach Deutschland, behauptete der alte Herr. In 30 Jahren würden 1,2 Milliarden ins Land drängen. Wenn man die alle mit dem deutschen Sozialhilfesatz beglücken wolle, müssten die Deutschen fünf Billionen Euro aufbringen. Besser wäre es, wenn die Deutschen unter sich blieben. Wenn die deutschen Polizisten 2015 Merkels Befehle verweigert und keine Flüchtlinge ins Land gelassen hätten. Und wer von den türkischstämmigen Deutschen für „Erdogans Despotie“ gestimmt habe, „möge auch künftig in Anatolien wieder zu Hause sein.“ Aus dem Publikum lauter Beifall.

Nach zwei Stunden dürfen einige Zuhörer Fragen stellen. Die Klima-Rettung sei doch ein Rechtsbruch, will ein Mann wissen. Gauland meint: Sobald sie das Sagen habe, werde die AfD das Erneuerbare Energien-Gesetz ersatzlos streichen. Man wolle an den traditionellen Energien festhalten. Einen weiteren Zuhörer plagt ein anderes Problem: „Was macht man, damit die Frauen früher Kinder bekommen?“ So, wie früher, als sie noch zwei bis drei Kinder hatten.“ Da muss selbst Alexander Gauland passen. Dieses Problem könne man wohl politisch nicht lösen.

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