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Büdingen: Rewe-Kaufmann Lapp - Was in Katar passiert ist »eine Schande«

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Von: Laura Eßer

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Rainer Lapp vor seinem Markt in Büdingen: Der Kaufmann steht hinter der Entscheidung des Handelskonzerns Rewe, der im Zuge der umstrittenen Fußball-WM seine Kooperation mit dem Deutschen Fußball-Bund beendet hat. © Björn Leo

Der Handelskonzern Rewe die Zusammenarbeit mit dem DFB aufgekündigt. Eine Entscheidung, die an der Basis gut ankommt, wie der Kaufmann Rainer Lapp im Interview erklärt.

Meinungsstark ist Rainer Lapp schon immer gewesen. Dass der Handelskonzern Rewe wegen der Fifa-Entscheidung zur One-Love-Armbinde die Kooperation mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit sofortiger Wirkung beendet hat, ist ganz im Sinne des Kaufmanns, der Rewe-Märkte unter anderem in Büdingen und Ranstadt betreibt. Darüber, über die Fifa sowie die WM in Katar spricht Rainer Lapp im Interview.

Herr Lapp, wie beurteilen Sie, dass Rewe wegen der Fifa-Entscheidung zur One-Love-Armbinde die Zusammenarbeit mit dem DFB mit sofortiger Wirkung beendet hat?

Das ist eine großartige Entscheidung. Ich habe direkt zu meinem Handy gegriffen und Lionel Souque eine WhatsApp geschrieben und ihm gratuliert. Ich kenne den Konzernchef gut, zuletzt hatten wir im Zuge der Generalversammlung der Rewe Handels eG Hungen in Fulda vor gut zwei Wochen ein Gespräch, in dem wir uns über Werte, unser Image und darüber, für was wir einstehen wollen, unterhalten haben. Er ist wie ich davon überzeugt, dass die Fifa längst eine Grenze überschritten hat. Es ist gewiss nicht einfach, Entscheidungen von solcher Tragweite zu treffen. Häufig genug liegen Konzernleitungen auch mit ihren Beschlüssen falsch, rufen an der Basis eher Befremdung hervor. Dass hier klare Kante gezeigt und die Fifa als skandalös bezeichnet wird, nötig mir Respekt ab. Ähnlich sehen es die Teams in meinen Märkten und die Kundschaft. Wir erhalten seit Montag jede Menge Zuspruch.

VW, Adidas und die Telekom halten an ihrem Sponsoring fest. Können Sie deren Haltung, weiter auf Dialog zu setzen, nachvollziehen?

Ich möchte nicht über die Philosophie von anderen Unternehmen urteilen. Aber dass die WM in Katar verkauft worden ist, dass dort Menschenrechte missachtet werden und unzählige Arbeiter sterben mussten, damit sie in der Wüste ein Spektakel feiern können, ist doch eine Schande. Was Fifa-Präsident Gianni Infantino dort veranstaltet, ist einfach nicht zu fassen. Das passt doch nicht damit zusammen, wie wir als freie und globale Gesellschaft leben wollen. Und es passt auch nicht mit dem Fußball zusammen, für den vor allem wir Deutsche so brennen.

Leider muss man konstatieren: Gegen die Fifa und deren System kommst du nicht an. Der DFB hätte als starker Verband ein Zeichen setzen müssen. Das hat er verpasst. Ich hoffe sehr, dass sich noch mehr große Werbekunden und Unterstützer vom Deutschen Fußball-Bund trennen. Ich baue auf ein Schneeballprinzip. Für mich steht jedenfalls fest: Wer dem DFB die Stange hält, stellt sich auch hinter die Fifa.

Im Übrigen rechne ich damit, dass die deutsche Mannschaft in Katar doch noch einmal mit der One-Love-Armbinde aufläuft.

Was passiert mit den Fanartikeln der Nationalmannschaft, die es bei Rewe zu kaufen gibt?

Das seit Wochen erhältliche Sammelalbum wird ab sofort verschenkt. Die Kosten dafür trägt Rewe. Die bisherigen Erträge des Albums sollen vollständig gespendet werden. Bestehen bleibt die Aktion, dass es bei einem Einkauf ab zehn Euro auf Wunsch eine Sammelkarte gibt. Wir wollen ja vor allem die Kinder nicht bestrafen. Diese Reaktion kostet den Konzern richtig Geld, ich schätze einen Millionenbetrag. Aber sie ist konsequent.

Sie sind ja dennoch Fußballfan. Wie gehen Sie mit dieser WM in Katar um? Schauen Sie die Spiele?

Ich habe vor dem Turnier eine Einladung erhalten, hätte drei Eintrittskarten für ein WM-Spiel in Katar bekommen können. Aber in ein Land, in dem Schwulenhasser leben, in dem nicht jeder nach seiner Fasson agieren kann und das Menschen mit Macht und Geld unter Druck setzt, andere mit unwürdigen Arbeitsbedingungen in den Tod getrieben hat und sich dann der Welt als freundlicher Gastgeber präsentiert, möchte ich bestimmt nicht reisen.

Ganz verzichten werde ich auf die WM aber nicht. Ich schaue mir vor allem die deutschen Spiele im Fernsehen an. Für die Partie gegen Japan habe ich mich zum Beispiel mit einigen Freunden in Bleichenbach in der Traube verabredet. Wir haben ein gutes Team. Solange die deutsche Mannschaft dabei ist, gucke ich auch ihre Spiele.

Info: Zur Person

Rainer Lapp (60) ist seit 43 Jahren bei Rewe. Am 1. August 1979 hat Lapp in Stockheim begonnen. Heute ist er in Hessen in der Region Mitte der Kaufmann mit den meisten Märkten und dem höchten Umsatz. Mit 25 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zählt der Zusammenschluss Mitte zu den größten Arbeitgebern im Bundesland. Die Region erstreckt sich über die Landesgrenze hinaus bis nach Rheinhessen, Aschaffenburg und ins Sauerland. Sechs Märkte mit insgesamt 270 Beschäftigten betreibt Rainer Lapp: in Büdingen, Ranstadt, Gelnhausen, Linsengericht, Sterbfritz und Eschborn.

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