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Gespräche, die hoffen lassen für Büdingens Hochwasserschutz

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Auch wenn die Bruchstelle der Seemenbachmauer provisorisch repariert ist, erkennt auch der Laie, dass eine grundlegende Sanierung überfällig ist. © POTENGOWSKI

Dass die Seemenbachmauer saniert werden muss, war schon vor dem Hochwasser 2021 klar. Stadt und Eigentümer konnten sich jedoch nicht einigen. Nun gibt es aber Bewegung in der Sache.

V ertreter der Büdinger Stadtverordnetenfraktionen, der Unteren Wasserbehörde, des RP Darmstadt und Rechtsanwalt Karl-Heinrich Seel als Vertreter der derzeitigen Eigentümer der Seemenbachmauer erörterten mit Bürgermeister Benjamin Harris und Erster Stadträtin Katja Euler Möglichkeiten zur Sicherung der Mauer. Dabei könnte die Stadt künftig eine Rolle spielen. Als Fortschritt gegenüber früheren Kontakten mit der Familie Ysenburg zum Thema lobten alle Seiten die positive und konstruktive Atmosphäre.

»Die Teilnehmer blickten nicht auf die Verantwortung in der Vergangenheit, sondern suchten Lösungen für die Zukunft, um den Hochwasserschutz für Büdingen und seine Stadtteile sicherzustellen«, stellt Harris fest. Er dankt den Stadtverordneten, die in einem Antrag den Anstoß zur Gesprächsrunde gaben. Es sei sinnvoll, die Fraktionen in die Gespräche einzubinden. Denn schließlich müssten diese einer künftigen Vereinbarung über Sanierung und Unterhalt zustimmen.

Matthias Mäser (FWG) sieht im Termin eine gute Basis für weitere Gespräche. Sowohl Stadt als auch Anwalt der Gegenseite seien gesprächsbereit. Dabei erörterte man auch Hintergründe. »Wir sehen die Seemenbachmauer nicht als alleinigen Hochwasserschutz. Auch ein Rückhaltebecken ist nötig. Umgekehrt zeigte sich, dass sie als Teil des Schutzsystems unverzichtbar ist. Um sie zu ersetzen, müsste das Rückhaltebecken ein Vielfaches des Volumens haben«, so Mäser. »Was dabei rumkommt, entscheidet sich zwischen Daumen und Zeigefinger«, stellt er fest, dass die Einigung über das Eigentum an der Seemenbachmauer eine Geldfrage sei. Er mahnt: »So ein Hochwasser kann jederzeit wieder passieren, deshalb muss schnell etwas geschehen.« Er hofft, dass die Gespräche im Laufen bleiben und es schnell einen Folgetermin gibt.

Sanierung schon vor Jahren möglich?

Auch Wolfgang Patzak (FDP) zieht nach dem Termin eine positive Bilanz. »Es war nie klar geregelt, wer in der Sache den Hut aufhat«, lobt er, dass die Stadt jetzt einen Ansprechpartner habe in Sachen Zukunft der Mauer. Dabei verweist er auf ein Firmengeflecht der Familie Ysenburg. »Es ist sehr geschickt, weil man niemand so richtig greifen kann.« Die Gesellschaft, der die Mauer gehöre, sei seit Jahren in Abwicklung.

Beim Termin sei aber auch zur Sprache gekommen, dass es schon vor Jahren für die Stadt Möglichkeiten gegeben habe, die Mauer unabhängig von Eigentümern und Familie Ysenburg zu sanieren. Rechtsanwalt Seel habe angeboten, eine Grunddienstbarkeit eintragen zu lassen, die Büdingen Handlungsvollmacht gegeben hätte. Die Stadtverordneten seien von Bürgermeister Erich Spamer nie über das Angebot informiert worden. Auch fände sich der entsprechende Brief und Spamers Antwort nicht in den Akten.

Joachim Cott (Grüne) teilt die positive Bewertung des Gesprächs: »Benno Harris ist, weil Spamer weg ist, derjenige, der dafür sorgt, dass wir wieder miteinander reden. Es gibt große Einigkeit, dass wir mit Verhandlungen etwas erreichen können. Damit wir etwas machen können, was der aktuelle Eigentümer nicht machen wird.« So pragmatisch diese Lösung ist, betont Cott, »dass wir hier auf Rechtspositionen verzichten. Es ist keine Politik des Handelns, sondern der Unterwerfung«.

Nötiges Gesamtkonzept

In den Gesprächen wurde auch klar, dass der Hochwasserschutz ein Gesamtkonzept benötige. Leider habe man dabei kein zweites, vorgelagertes Rückhaltebecken außer dem am Hammer angesprochen. Wolfgang Faust (Pro Vernunft) erklärt, dass er auch darauf hingewiesen habe, den Hochwasserschutz in Wolferborn zu verstärken. »Die Stadt muss jetzt mit dem ›Fürstenhaus‹ Nägel mit Köpfen machen«, mahnt er zu schnellen Ergebnissen und einer Übertragung des Eigentums an der Mauer. »Ich gehe davon aus, dass es dieses Jahr nichts mehr wird.«

Arno Remmers (Grüne 2.0) lobt die »Gesprächsbereitschaft im Vergleich zu früher, trotz unterschiedlicher Perspektiven«. Positiv sei, dass der Eigentümer bereit sei, die Mauer abzugeben: »Wenn die Mauer kaputt bliebe, wäre die Altstadt wesentlich häufiger von Hochwasser betroffen.« Dabei sei es schwierig, »wie die Stadt den Hochwasserschutz bei der aktuellen Finanzlage stemmen kann«.

Dem positiven Fazit schließt sich auch Rechtsanwalt Seel an. »Das war eine Gesprächsrunde, die der Sachthematik Hochwasserschutz Fortschritt gab.« Es sei Harris zu danken, dass auch die zuständigen Behörden am Tisch saßen. So gab es eine vernünftige Diskussionsrunde.

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