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Büdinger Kulturkreis will mit Benefizkonzert ein Zeichen für Frieden setzen

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Markus Karger als Landfrau Ursula Kraft: Die Hoffnung auf Frieden, die Kraft der Gemeinschaft und das Engagement von Künstlern wie Martin Schnur, Christiane Burkard, Tine Lott und Ulrike Johannsen lassen den Vorsitzenden des Büdinger Kulturkreises optimistisch in die Zukunft blicken. © pv

Das anstehende Benefizkonzert überschreibt der Kulturkreis Büdingen mit Titel »Friedenszeichen«. Ein Interview mit dem Vorsitzenden Markus Karger zeigt die wichtige Arbeit der Kulturschaffenden auf.

Mit einem Benefizkonzert möchte der Büdinger Kulturkreis anlässlich des Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges und der Befreiung vom Nationalsozialismus an diesem Sonntag, 8. Mai, im Pferdestall des Kulturzentrums Oberhof ein Friedenszeichen setzen. Zudem will man Solidarität mit den Menschen in der Ukraine bekunden, die Geflüchteten unterstützen sowie die Hoffnung auf ein friedliches und vereintes Europa kundtun. Der Kreis-Anzeiger hat mit dem Kulturkreisvorsitzenden Markus Karger über die Hintergründe dieses außergewöhnlichen Konzeptes gesprochen.

Statt Heiterkeit und Frohsinn prägen Nachdenklichkeit, Tiefgang und Hoffnung das diesjährige Muttertagskonzert des Kulturkreises. Wie ist das Motto »Friedenszeichen« entstanden und welche Anliegen verbinden sich damit?

Kriege sorgen für Zerstörung und unsagbares Leid - auf beiden Seiten. Das vom Marburger Bildhauer Dieter Paffrath erschaffene Mahnmal im Max-Halberstadt-Park an der Büdinger Stadtschule stellt eine Pietà da, die Gestalt einer um ihren Sohn trauernden Mutter Maria. Es erinnert die Betrachter an das Leid der Mütter und Frauen, das hier sinnbildlich für alle Familien steht, die ihre gefallenen Soldaten, ihre Söhne, Brüder und Väter betrauern. Dieses Denkmal hat keinerlei heroischen Gestus, es mahnt, dass es bei Kriegen in erster Linie Verlierer gibt. Die Nationalität spielt dabei keine Rolle, die Trauer über einen geliebten Menschen ist universell. Der Krieg in der Ukraine macht das Büdinger Mahnmal auf beklemmende Weise aktuell und vielleicht schaffen wir es auch mit unserer Veranstaltung, diesen Gedanken eine Stimme und einen Ausdruck zu verleihen, um so ein Zeichen für Frieden und ein rasches Ende des Leids zu setzen.

Stehen die vier Protagonisten Martin Schnur, Christiane Burkard, Tine Lott und Ulrike Johannsen in einer besonderen Beziehung zu den beiden genannten Themenkreisen?

Alle vier Kunst- und Kulturschaffende des Abends stehen für ein politisches und gesellschaftliches Engagement in Deutschland, aber perspektivisch auch darüber hinaus. Ich denke zum Beispiel daran, wie viele Kinder mit den wunderbaren Kindertheaterstücken des Theaters Mimikri großgeworden sind und wie sie ganz selbstverständlich an Themen wie Toleranz und Vielfalt, Rücksicht und Achtsamkeit herangeführt wurden und werden. Man kann sich ebenso die Konzerte von und mit Tine Lott vor Augen führen, die zum Beispiel Lieder von Joan Baez so wunderbar interpretiert. Ulrike Johannsen ist in der Hospizhilfe engagiert.

Wir haben allein in diesen drei Frauen schon ein Spektrum vorliegen, das einen Menschen von seiner frühen Kindheit bis zu seinen letzten Stunden begleiten könnte. Last but not least: Martin Schnur hat den Stein überhaupt erst ins Rollen gebracht, als er mich anrief und fragte, ob der Büdinger Kulturkreis eine solche Veranstaltung organisieren könnte.

Verraten Sie uns schon einige musikalische oder literarische Titel des Abends?

Vieles ist noch im Werden und natürlich wollen wir den Besuchern auch ein paar Überraschungen lassen. Ulrike Johannsen wird zum Beispiel das Lied »Valse du printemps égaré« (»Walzer vom verlorenen Frühling«) spielen. Ein Stück, das sie in den zurückliegenden zwei Jahren durch die Corona-Shutdowns begleitet hat und, das auf ganz andere Weise auch für dieses Frühjahr stehen kann. Tine Lott interpretiert politischere Titel, sicherlich auch von Joan Baez. Texte, die wir im Laufe des Abends rezitieren, stammen unter anderem von Erich Kästner und Kurt Tucholsky.

Mit welcher Resonanz rechnen Sie?

Wir hoffen auf regen Zuspruch - nicht ausschließlich von Müttern und Frauen. Gleichwohl verstehen wir, wenn die eine oder andere ihren Muttertag lieber mit positiven Gedanken füllen möchte. Aber vielleicht entwickelt der Abend ja auch eine Strahlkraft auf diejenigen, die nicht kommen, sondern nur davon hören oder lesen: Er soll in jedem Fall zum Nachdenken darüber anregen, was Krieg bedeutet. Und wie wichtig es ist, sich immer wieder für Frieden einzusetzen.

Besteht im Anschluss an das Konzert Gelegenheit zum Austausch?

Bei unseren Veranstaltungen holen wir ja die Künstler ganz bewusst in die Mitte des Publikums, indem wir das Publikum an drei Seiten um die Bühne herum platzieren. Die Zuschauer sitzen nicht weiter als vier, fünf Meter von den Künstlern entfernt. Wir hoffen, dass schon während der Veranstaltung eine Kommunikation entsteht und Funken überspringen können.

Welche weiteren Veranstaltungen hat sich der Kulturkreis für das laufende Jahr vorgenommen?

Leider ist unser Programm immer noch von Corona, zumindest von den Nachwirkungen der Pandemie, beeinflusst. Wir möchten in der kommenden Saison nach den Sommerferien zunächst einmal die Gastspiele mit Monika Blankenberg und Daniel Helfrich nachholen, die wir im Frühjahr 2020 im ersten Lockdown absagen mussten. Das füllt bereits den Herbst dieses Jahres. Tagesaktuell können wir nicht agieren, da wir ja auch eine gewisse Vorlaufzeit haben.

Gesellschaftspolitisch sind wir längst engagiert und lassen das hoffentlich auch weiterhin deutlich in unserer Programmgestaltung durchblicken. Wir sind zudem Labelträger »Vielfalt Wetterau - Region für alle!« und so freut es uns, dass die Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch die Schirmherrin dieses Benefizabends im Büdinger Oberhof ist.

Wie sehen Sie die Möglichkeit von Kunst und Kultur generell, Einfluss auf Menschen und die Gesellschaft zu nehmen?

»Die Aufgabe von Kunst- und Kultur«, das hat der stellvertretende finnische Botschafter in Deutschland Antti Kaski bei der Eröffnung der internationalen Kunstausstellung »in situ« vor drei Jahren in Gedern und Hirzenhain gesagt, »ist es, die Fragen zu stellen, die die Politik zu beantworten hat.« In diesem Sinne möchte ich auch zukünftig versuchen. als Solo-Kunst- und Kulturschaffender sowie im Verein und in diversen Kooperationen Fragen zu stellen, Denkanstöße zu geben und Zeichen für eine bessere Gesellschaft und Welt zu setzen.

Mit einem Benefizkonzert möchte der Kulturkreis anlässlich des Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges und der Befreiung vom Nationalsozialismus an diesem Sonntag, 8. Mai, ein Friedenszeichen setzen. Die Wetterauer Kulturpreisträger Martin Schnur und Christiane Burkard (Theater Mimikri) sowie Tine Lott und die Harfenistin Ulrike Johannsen gestalten einen abwechslungsreichen Konzertabend im Oberhof. Das musikalische Programm wird durch literarische Texte für Frieden und gegen den Krieg abgerundet. Martin Schnur trug die Idee eines Konzerts an das Team des Büdinger Kulturkreises heran.

In den zurückliegenden Jahren gestaltete der Kulturkreis traditionell an Muttertag ein Konzert mit heiterer Musik und Texten. In diesem Jahr wird das Konzert am gewohnten Termin freilich nachdenklicher und politischer ausfallen. »Wir finden es trotzdem passend, ein solches Konzert auch an Muttertag zu gestalten, erinnert es doch auch an das unsagbare Leid und die Trauer, die ein Krieg in den Familien auf beiden Seiten anrichtet«, sagt der Vorsitzende des Kulturkreises Markus Karger im Vorfeld der Veranstaltung. Auch auf den Europatag einen Tag später, am 9. Mai, nimmt die Benefizveranstaltung zugunsten ukrainischer Flüchtlinge Bezug. »Der Krieg in der Ukraine führt uns allen vor Augen, dass die Zeit nationaler Alleingänge vorbei ist - Europa als ein Ganzes gefordert ist«, so die Veranstalter.

Das Konzert beginnt um 19 Uhr. Es findet im Pferdestall des Kulturzentrums Oberhof, (Obergasse 23) statt. Der Eintritt ist frei. Spenden sind erbeten. Einlass ist ab 18.15 Uhr. mü

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Martin Schnur. © pv

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