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Die jetzigen Pächter des Dorfgemeinschaftshauses in Harb wollen das Gebäude kaufen. Am Montag stellen sie ihre Pläne vor.

Bürgerhaus-Verkauf eine Option

Das Bürgerhaus in Nidda-Harb könnte verkauft werden. Die Pächterin Kerstin Gerardi will investieren und stellt kommenden Montag ihre Pläne im Ortsbeirat vor. Damit könnte eine grundsätzliche Diskussion über die Frequentierung, notwendige Sanierungen und Plätze für die Gemeinschaft ins Rollen kommen.

Für den kommenden Montag, 29. November, lädt Harbs Ortsvorsteherin Gabriele Heume-Schmidt zu einer außerordentlichen Ortsbeiratssitzung ein. Auf der Tagesordnung steht nur ein Punkt: »Information und Konzeptvorstellung zum Erwerb des DGH Harb durch Frau Kerstin Gerardi und Tochter«. Es wäre damit das erste Dorfgemeinschaftshaus in der Großgemeinde Nidda, das die Stadt aus ihren Händen gibt, und könnte damit eine grundsätzliche Diskussion über Frequentierung, Sanierungsstau und das Für und Wider für den Erhalt anstoßen.

Räume werden sehr wenig genutzt

Seit 2009 hat Kerstin Gerardi das Bürgerhaus gepachtet, betreibt dort das Restaurant Casa Mia. Das Gebäude in der Breslauer Straße 9 verfügt über einen großen Saal von 112 Quadratmetern für 120 Personen. Der Clubraum hat 38 Quadratmeter und Platz für 40 Personen. Genutzt wurden diese Räume in den vergangenen Jahren sehr wenig. Der Ortsbeirat tagt dort, der Saal dient als Wahlraum und vor einigen Jahren, erzählt die Wirtin, habe sich donnerstags dort noch eine Gruppe Frauen getroffen. Das Dorfgemeinschaftshaus ist neben dem Bürgerhaus in der Kernstadt das einzige, in dem noch ein Restaurant ist.

Vor ungefähr einem halben Jahr hatte Kerstin Gerardi in der Stadtverwaltung angeklopft und ihr Interesse bekundet. In der kommenden Woche möchte sie ihr Konzept dem Ortsbeirat vorstellen. Was sie und ihre Tochter genau in den Räumen vorhaben, will sie vorab, bevor das Gremium nicht informiert ist, nicht öffentlich machen. Nur so viel sagt sie, dass die Gastronomie bleiben soll, sie größere Investitionen nicht als Mieterin stemmen wolle und es weiterhin die Möglichkeiten für Ortsbeirat oder Vereine gebe.

Ortsvorsteherin Gabriele Heume-Schmidt weist darauf hin, dass noch nichts entschieden sei. Grundsätzlich sei diese Überlegung nicht verkehrt, sofern für die Bürger eine Räumlichkeit behalten werden könne. Schließlich solle der Stadtteil Harb wachsen. Ende 2019 wurden hier 775 Einwohner gezählt. Harb ist von seiner doch recht jungen Geschichte geprägt. 1935 wurden hier etliche Hektar Bäume für die Errichtung eines Militärflughafens gefällt. Nach seiner Auflösung 1945 wurde hier besiedelt, der Ort ist von Gewerbebetrieben geprägt.

Direkt neben dem Bürgerhaus liegt das Feuerwehrgerätehaus. Eventuell könnten für die Bürger dort Räume gefunden werden, könnte sich Heume-Schmidt vorstellen. »Diese Sachen müssen geklärt werden.« Ein Vorteil könnte sein, dass die Immobilie dann etwas ordentlicher aussehe und instand gehalten werde. Der hintere Bereich des Gebäudes biete genügend Möglichkeiten für einen Freiplatz oder vielleicht sogar einen Biergarten.

Auf die Planungen für einen Bürgerpark, den der Ortsbeirat zwischen dem Kinderspielplatz und Bürgerhaus anvisiert, hätte dies keinen Einfluss. Das Projekt würde eher davon profitieren. »Wichtig ist erst einmal, wie der Ortsbeirat dazu eingestellt ist«, sagt Bürgermeister Hans-Peter Seum. Und, ob sich die Mitglieder des Gremiums das vorstellen könnten.

Welche Chancen, welche Risiken birgt ein Verkauf? »Es ist ein Haus, das davon lebt, dass es frequentiert wird. Durch die Familie Gerardi würde die Frequenz erhöht«, antwortet Seum. Der Rathauschef gibt zu bedenken, dass die Stadt die Unterhaltungskosten für das Gebäude, das wenig genutzt wird, trage.

Stadt wartet Signal des Ortsbeirats ab

Bei einem Eigentümerwechsel müsste dann festgelegt werden, dass die Öffentlichkeit die Räume für die Wahlen oder auch Bürgerversammlungen nutzen könnte. »Wir können die Wähler nicht nach Borsdorf oder Nidda schicken.« Dies vertraglich zu regeln, hält Seum für machbar. Das Risiko wiederum sei, dass die Stadt den Zugriff auf das Gebäude verliere.

Auch wenn es Geld koste, müsse man diese Strukturen aufrechterhalten. Schließlich würden viele Vereinsmitglieder in den Dörfern helfen und durch ihre Eigenarbeit der Stadt Investitionen einsparen. Im Feuerwehrgerätehaus sieht Seum allerdings keinen ausreichenden Platz für Familienfeiern oder Vereinsjubiläen.

Sofern der Ortsbeirat in der nächsten Woche ein positives Signal gibt, werde die Stadt, so kündigt Seum an, in die Gespräche einsteigen.

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