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Bürgerpark statt Fußballfeld in Büdingens Stadtmitte

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Von: Petra Ihm-Fahle

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cwo_IHMbruchwiese_120922_4c © Petra Ihm-Fahle

Zwei Visionen standen sich gegenüber, als es im Büdinger Parlament um die Zukunft auf der Bruchwiese und für die Sportanlagen ging. Das vor dem Hintergrund der Landesgartenschau 2027.

L ang und kontrovers war die Debatte, nach der das Büdinger Parlament am Freitagabend einen mehrheitlichen Beschluss zur Neubeplanung der Bruchwiese fasste, dies in namentlicher Abstimmung. Die Stadt wird das Areal demnach in den Realisierungsprozess zur Interkommunalen Landesgartenschau 2027 (LGS) aufnehmen. Zudem besteht das Bestreben, die dort gelegenen Sportplätze auf den Dohlberg umzusiedeln beziehungsweise neu zu errichten (siehe Info).

Ulrich Majunke (FWG), der Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses, bezog sich eingangs auf zwei Versammlungen städtischer Ausschüsse. Auch dort ergab sich kein einheitliches Meinungsbild, mehrheitlich trafen die Ausschussmitglieder dann folgende Entscheidung: »Das Areal an der Bruchwiese wird in den Realisierungs- und Ideenteil der LGS eingebracht.« Dazu gehören laut Majunke auch die Eberhard-Bauner-Allee und der Rathaus-Parkplatz. Der sogenannte Ideenteil wird seinen Worten zufolge durch einen neuen Bereich an der Stadtmauer, sprich dem Hirschgraben, ergänzt, einschließlich Lohsteg bis zum Seemenbach.

Gespaltenes Parlament

Bürgermeister Benjamin Harris (CDU) warb engagiert dafür, dem Bürgerpark zuzustimmen. »Wir entscheiden nicht nur, ob wir ein Sportzentrum am Dohlberg bauen oder nicht. Das haben wir in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach getan. Weil uns das Geld fehlte, haben wir uns immer wieder dagegen entschieden«, stellte er fest. Das Parlament beschließe vielmehr, ob es eine städtebauliche Entwicklung für Büdingen will. Als Stichworte nannte er mehr Aufenthaltsqualität, Verlässlichkeit der Kommune gegenüber den anderen Beteiligten, eine angemessene, normgerechte Sportstätte, gute Förderaussichten und Aufmerksamkeit durch auswärtige Investoren. »Sie entscheiden heute, ob unser schönes Büdingen aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst wird«, betonte der Rathauschef.

Es gab Befürworter und Gegner der Pläne. Zu den Unterstützern gehörten neben der CDU die FWG, die Grünen 2.0 und Sozialdemokrat Boris Winter. Die Kritiker warnten hingegen vor finanzieller Überlastung - die Zeche zahle letztlich der Steuerzahler. Zu dieser Gruppe gehörten Redner von FDP, »Original«-Grünen, Pro Vernunft, SPD und Robert Wasiliew (AfD).

Pro-Vernunft-Mann Wolfgang Faust plädierte im Rahmen eines Änderungsantrags vergeblich, den Sportplatz auf der Bruchwiese zu erhalten und stattdessen andere Bereiche Büdingens zu erschließen. Wasiliew warnte vor Rechtsstreitigkeiten mit dem Fußballverein SG Büdingen sowie nachhaltigen Schäden für den Sport. Erfolglos stellte auch er Änderungsanträge, etwa zu Fördergeldern, die die Stadt möglicherweise zurückzahlen muss, falls sie bereits geförderte Flächen wie die Emil-Diemer-Anlage zurückbaue.

Susanne Cott (Grüne) fragte: »Wo soll das Geld herkommen?« Die finanziellen Auswirkungen für die Kommune sind ihrer Ansicht nach nicht absehbar. Wolfgang Patzak (FDP) erklärte: »Unter dem Strich verbauen wir die Zukunft von Büdingen für ein kurzes Aufflackern und eine Fehlentscheidung auf der falschen Fläche.« Nach Ansicht des Liberalen werden wieder Straßenbeiträge kommen, die Grundsteuer wird steigen, »die Haushalte werden keinen Spielraum mehr haben«.

Joachim Cott (Grüne) meinte, die Stadt setzte mit der Bruchwiese von Beginn an »auf ein Pferd mit nur drei Beinen«. Prof. Dr. Udo Stern (SPD) führte die Kosten und die hohe Inflationsrate ins Feld. Sein Fraktionskollege Rolf Kleta fügte hinzu, die Stadt solle die Prioritäten besser beim Hochwasserschutz setzen. »Verliert nicht den Überblick - das können wir nicht gebrauchen«, appellierte auch Gunnar Bähr (Pro Vernunft).

Jonathan König (CDU) teilte indes die Sichtweise von Rathauschef Harris. »Bringen Sie diesen Mut auf, Stillstand ist Rückschritt« sprach er von einer »einmaligen Chance«. Sozialdemokrat Winter schilderte, angesichts der Kassenlage ebenfalls Bauchschmerzen zu haben. »Aber wollen wir in Büdingen die Entwicklung städtebaulich verschlafen?« Unter Applaus malte Ulrich Majunke den Imageschaden aus: »Wenn wir diese Chance nicht nutzen, dann lachen die uns aus, egal, in welchen Fördertopf wir künftig greifen wollen.« 22 Ja-Stimmen sprachen gegenüber elfmal Nein und einer Enthaltung schließlich eine deutliche Sprache.

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cwo_IHMsportplatz_120922_4c © Petra Ihm-Fahle

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