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Inspirieren und animieren: Butzbacher Plattform Social Startups wird zehn Jahre alt

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Von: Rebecca Fulle

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Ein Teil des Teams von Social Startups auf dem Butzbacher Marktplatz. In Zukunft möchten sich Deiters und sein Team stärker regional in Mittelhessen verankert. Dafür suchen sie Ehrenamtliche, die die Redaktion auffrischen. © pv

Die Gesellschaft nachhaltig inspirieren - das ist das Ziel von Social Startups. Christian Deiters, Geschäftsführer der Website, blickt zurück. Was hat sich verändert, welche Pläne hat er für die Zukunft?

Armut, Klimawandel, Inklusion und andere soziale Themen sind Teil jeder Gesellschaft. Die Unternehmergesellschaft (UG) Social Startups mit Sitz in Butzbach hat sich zur Aufgabe gemacht, Anregungen und Inspirationen für Unternehmer zusammenzustellen. Seit 2012 können sich Startups, also junge Unternehmen, auf der Website www.social-startups.de von sozialen und nachhaltigen Geschäftsideen inspirieren lassen. Soziales Unternehmertum heißt das dann - mit dem Ziel, die Gesellschaft zu einem Besseren zu verändern. Dieses Jahr feiert Social Startups sein zehnjähriges Bestehen. Der 33-jährige Geschäftsführer Christian Deiters aus Butzbach blickt auf die vergangenen Jahre zurück und verrät, wie es in der Zukunft für die UG weitergehen könnte. Auch regional möchten sie Social Startups deutlich stärker verankern.

Mittlerweile zählt Social Startups insgesamt zwölf Mitarbeitende deutschlandweit. Alle sind ehrenamtlich tätig und schreiben unter anderem Artikel für die Website, führen Interviews oder pflegen Social Media. Dabei spiele laut Geschäftsführer Deiters der eigene Antrieb eine wichtige Rolle: »Unsere Mitarbeitenden sind von innen her aus motiviert, und das schätzen wir sehr«, sagt er.

Fair, nachhaltig und klimafreundlich

»Die Seite bietet eine Mischung an Ideen, die gesellschaftliche und ökonomische Themen aufgreifen. Wir verstehen uns als Inspirations-Website«, sagt Deiters. Das gelte besonders für Gründer eines sozialen Unternehmertums. »Wir möchten einen Leitfaden an die Hand geben, beraten und Ideen finden.« So berichtet Social Startups beispielsweise von einer Software, die zu jedem Einkauf anzeigt, wie viel CO2 dadurch verursacht wird - um das eigene Konsumverhalten zu reflektieren. Auch stellt die Website ein Portal vor, das die Suche nach klimafreundlicheren Pauschal-Reisen erleichtert. Ob fair produzierte Schokolade, nachhaltige Einkaufstaschen oder digitale Thermostate für eine effiziente Energienutzung - diese und weitere Themen finden sich auf der Website.

Es gehe ihnen nicht darum, Gewinn zu machen. Soziale Probleme würden immer relevanter. »So kann es nicht weitergehen. Wir müssen etwas ändern«, sagt Deiters. Aus diesen Gründen sehe er viel Potenzial in ihrer Plattform. Gemeinsam mit Torsten Schreiber hat Deiters die UG gegründet. Schreiber arbeitet mittlerweile an seinem Startup Africa GreenTec, das sich für eine nachhaltige Energielösung in Afrika einsetzt. »Schreiber ist mit mir Geschäftsführer«, sagt Deiters. »Ich verstehe mich selbst aber als ausführende Kraft von Social Startups.«

Deiters Erwartungen übertroffen

Als die Idee für die UG 2012 aufkam, studierte Deiters noch Wirtschaftsinformatik. Sozialer Einfluss sei schon damals Thema für ihn gewesen, sagt er. Deiters habe keine großen Erwartungen gehabt: »Ich dachte, dass sich unsere Idee von Social Startups schnell erledigt hätte.« Allerdings seien im Laufe der Jahre immer mehr auf sie aufmerksam geworden. Es habe aber auch Rückschläge gegeben. »Wir wurden zum Teil nicht ernst genommen. Nachhaltigkeit war vor einigen Jahren noch kein so großes Thema wie heute.« Neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit bei Social Startups hat Deiters noch zwei weitere Teilzeit-Stellen. »Viele denken, Social Startups sei mein Hauptjob«, sagt er. Dabei sei er 30 Stunden pro Woche im Vertrieb bei »milch & zucker« tätig. »Weitere zehn Stunden arbeite ich im Technologie- und Innovationszentrum Gießen und betreue dort ein Förderprogramm für soziales Unternehmertum in Mittelhessen«, sagt Deiters.

Sichtbarkeit deutlich gestiegen

In den vergangenen zehn Jahren hat sich für den Butzbacher einiges verändert. »Die Sichtbarkeit von Social Startups ist stark gestiegen.« Auch das Verständnis für soziale Innovationen sei größer geworden. »Da wir Teil des Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschlands sind, sind wir außerdem gut vernetzt.«

Deiters würde manche Dinge heute anders machen als früher. »Ich habe viel beim Umgang mit Medien gelernt«, sagt er. »Hauptsache präsent - das war mein Motto.« Mittlerweile wisse er, dass weniger manchmal auch mehr sei. Des Weiteren seien sie zur Gründung der UG Social Startups eher fokussiert auf die Meinung der beiden Geschäftsführer gewesen. »Jetzt ist klar, dass die Arbeit im Team der Schlüssel ist.« Die Arbeit werde bei allen Ehrenamtlern erledigt, wann es passe. »Der Arbeitsaufwand variiert. Bei Events und Messen ist natürlich viel los«, sagt Deiters. Seinen zeitlichen Aufwand pro Woche schätzt er im Schnitt auf vier bis fünf Stunden.

Website regional verankern

Für die Zukunft stehen für Deiters bereits einige Dinge fest. »Wir möchten regional aktiver werden und Social Startups in Mittelhessen verankern.« Dafür suchen sie neue Ehrenamtler in ganz Mittelhessen.

Deiters und seine Kollegen planen außerdem einen Podcast. Dieser solle Themen rund um soziales Unternehmertum ansprechen. Aber auch gescheiterte Gründer und deren Erfahrungen findet Deiters spannend. Eine Vision ist außerdem eine »Datenbank«, in der alles Wissen der insgesamt 1700 Artikel der Website für Recherchen nach verschiedenen Ideen geordnet werden kann.

Die Arbeit an und für Social Startups erfüllt Christian Deiters durch und durch. »Ich kann immer etwas erzählen. Es ist wie ein Hobby für mich, nicht wie Arbeit«, sagt er. Ansonsten würde es auch nicht funktionieren, denn arbeiten, das mache er genug.

INFO: Wie finanziert sich Social Startups?

Social Startups beschäftigt ausschließlich ehrenamtliche Mitarbeitende. Allerdings fallen auch hier laufende Kosten an - beispielsweise für die Instandhaltung der Website oder auch für das neue Design der Website, das Social Startups zu Beginn diesen Jahres erhalten hat.

Deiters sagt, dass sie sich über Sponsoren finanzierten. »Die WeAreGroup / Ads & Friends* sowie GAL Digital sind aktuell sehr aktiv bei uns.« Sie erhielten dafür Namensnennungen auf der Website und mehr. Deiters Ziel sei es, weitere regionale Sponsorpartner zu gewinnen.

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Social Startups Geschäftsführer Christian Deiters. © Rebecca Fulle

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