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Compostella: Mit Bio-Klebeband ins Museum

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Installationen aus kompostierbarem Klebeband - wie hier im Moskauer Garage-Museum für zeitgenössische Kunst vor drei Jahren - werden ab 7. Mai in Schweden und in Berlin zu sehen sein. Allerdings in einer deutlich größeren Version. © pv

Aus dem Vogelsberg kommt ein Klebeband, das mit Plastik nix zu tun hat. Es ist kompostierbar. Und »Monta Biopack«, so der Name, taugt sogar als Material für Kunstobjekte.

Alle Verpackungen werden irgendwann einmal entsorgt. Die einen werden verbrannt, die anderen werden recycelt, viel zu wenige werden kompostiert.« Ein Grundgedanke, der nicht von der Hand zu weisen ist. Von ihm angeleitet, ist vor rund acht Jahren in der ehemaligen Residenzstadt Laubach Compostella gegründet worden. Ein Unternehmen, das mit seinen Produkten ganz auf Kompostierung setzt, »weil nach unserer Auffassung das Recycling nicht die optimale Lösung ist, sondern nur eine Verlängerung des Lebenszyklus - denn am Ende wird auch die recycelte Verpackung verbrannt«.

Compostella fertigt Naturpapier aus Zellulose, Obst- und Gemüsebeutel sowie Tragetaschen aus Biokunststoff, der auf Maisstärke basiert. Compostella steht aber auch für »Monta Biopack«. Ein speziell entwickeltes Kleband, das es sozusagen in sich hat. Es besteht zu 90 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen.

Das Unternehmen Compostella gehört inzwischen als GmbH zur Hera Papierverarbeitung und ist im Rainröder Gewerbegebiet ansässig. Hera-Geschäftsführer Jens Vonderheid hat dort einen stattlichen Neubau errichtet. Die bisher in Ober-Schmitten ansässige Firma wird in absehbarer Zeit im Schottener Stadtteil ihre künftige Heimstätte beziehen.

Zur Philosophie von Compostella gehört es, nicht nur kompostierbare Alternativen zu entwickeln, bei denen Plastikprodukte aus fossilen Materialien durch Artikel aus nachwachsenden und nachhaltigen Rohstoffen ersetzt werden. Compostella unterstützt und fördert auch Kunst und Kultur, insbesondere Kunstobjekte, die aus kompostierbaren Materialien hergestellt werden.

Wie das aussieht, wird demnächst zu sehen sein. Im schwedischen Knislinge. Im Skulpturenpark Wanås Konst wird ab Samstag kommender Woche eine große Kunstinstallation aus dem kompostierbarem Klebeband aus dem Vogelsberg zu sehen sein. Das röhrenförmige Objekt erstreckt sich raumfüllend in einer 50 Meter langen Scheune aus dem 18. Jahrhundert und ist transparent, stabil und sogar begehbar.

Beim »Monta Biopack«-Material handelt es sich nach Unternehmensangaben um milchsäurebasierte Polylactide, das zu 90 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen besteht und vollständig kompostierbar ist.

Die österreichische Künstlergruppe »Numen/ For Use«, die sich seit 15 Jahren mit komplizierten Konstruktionen aus Seilen und Klebebändern beschäftigt, hat lange nach einem nachhaltigen Material für ihre Zwecke gesucht, wie Compostella-Gründer Arnold Schleier sagt. Besonders fasziniert sind die Künstler von den Verarbeitungseigenschaften des innovativen Materials.

»Numen/For Use« hat seit mehreren Jahren mit Compostella zusammengearbeitet und die Entwicklung des Klebebands initiiert und mitbegleitet. Zunächst war keine Version elastisch oder transparent genug, um die herkömmlichen Plastikklebebänder zu ersetzen, sie brachen und hafteten nicht ausreichend genug. Schließlich hatte das Verfahren nach mehreren Anläufen ein Stadium erreicht, das die nötigen formalen und physikalischen Eigenschaften besitzt, »und sogar herkömmliche Kunststoffklebebänder übertrifft«.

Bereits vor drei Jahren wurde im Moskauer Garage-Museum für zeitgenössische Kunst Klebeband aus dem Hause Compostella für eine ähnliche Installation eingesetzt. Die Kunstinstallation »Tape Moscow« war gleichsam die Weltpremiere der neuen Tape-Generation, die aus nachwachsenden Rohstoffen besteht, und in deren Verlauf die Zersetzung zum integralen Bestandteil des Kunstwerks wird. Als solche nahm sie an der Moskauer Kunstausstellung »Ökologie als neue Politik« teil, die sich mit Umweltstrategien, -politiken und -visionen auseinandersetzte.

»Die Kompostierung ist die logische und natürliche Form der Entsorgung. Sie funktioniert aber nur, wenn die Verpackungen aus natürlichen und nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Dann zerfallen sie in ihre Ausgangsmaterialien und schließen den natürlichen Entsorgungskreislauf. So hat es die Natur vorgesehen«, sagt Arnold Schleier, der auch nach dem Verkauf von Compostella weiterhin für das Unternehmen arbeitet.

Statt Schweden geht auch Berlin

Übrigens: Für Kunstinteressierte, denen eine Reise nach Schweden dann doch zu weit und aufwendig sein sollte: Auf der Tape Art Convention in Berlin zeigen die »Numen«-Künstler vom 7. bis 21. Mai ebenfalls eine Installation aus dem nachhaltigen Klebeband.

BUNDESPREIS: Das in Laubach gegründete und inzwischen in Rainrod ansässige Unternehmen Compostella ist 2018 als Gewinner des siebten Bundespreises Ecodesign ausgezeichnet worden. Mit dem Preis würdigen Bundesumweltministerium und Bundesumweltamt seit 2012 herausragende Leistungen im ökologischen Design. Compostella erhielt den Preis in der Kategorie »Produkt« für das von ihm entwickelte Naturpapier. Das wird ausschließlich aus Zellulose, Wasser und Zucker hergestellt und kann konventionelle Haushaltsprodukte wie Alu- und Frischhaltefolie sowie silikonisiertes Backpapier ersetzen. Bei der Kompostierung verhält es sich wie Salat. VON HOLGER SAUER

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