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Container für den Übergang

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Auch an der Schule am Dohlberg finden sich neue Container auf dem Schulhof. Hier sollen vor allem, neben normalen Klassenzimmern, Differenzierungsräume geschaffen werden. © Sophie Theresa Leitz

In zwei Bildungseinrichtungen in Büdingen findet der Unterricht in Containern statt: auf dem Gelände der Stadtschule Büdingen sowie auf dem Areal der Schule am Dohlberg. Was steckt dahinter?

Die Schüler der Schule am Dohlberg fanden nach den Sommerferien eine Baustelle auf dem Schulhof vor. Neue Container wurden auf dem Gelände neben der Sporthalle auf dem Schulhof errichtet. Sie befinden sich zurzeit im Innenausbau.

Die Containeranlage soll über zwei Geschosse entstehen, über fünf Klassenräume sowie zwei Gruppenräume verfügen. Dabei könne die Schule selbst entscheiden, für welche Klassen sie den neuen Platz nutze, informiert der Kreis auf Anfrage dieser Zeitung. Durch die Containeranlage wolle man dem erhöhten Förderbedarf an der Schule gerecht werden.

Schulen entscheiden über die Nutzung

Ob sie als Schulräume oder beispielsweise als sogenannte Differenzierungsräume - ein Rückzugsbereich zum individualisierten Lernen - genutzt werden, obliegt der Schule.

Das bestätigt auch Direktor Tobias Michel. Die Schule möchte die Räume neben normalen Klassenzimmern als Differenzierungsräume nutzen. »Die Schule wurde 1967 gebaut, da gab es solche Räume nicht«, erklärt er. Bei einem Neubau eines Gebäudes würden diese heute gleich mitgeplant.

Mit den Containern hätten die entsprechenden Lehrkräfte den Platz, sich mit Schülern für eine individuelle Förderung zusammenzusetzen. Das gilt auch für den Förderunterricht im Rahmen der Inklusion, den es seit über zehn Jahren in Hessen gibt. Dabei erhalten lernschwächere Schüler besondere Unterstützung, um dann in den Unterricht der Haupt- und Realschule integriert zu werden.

Intensivklassen sollen ebenfalls dort unterrichtet werden. Aktuell gibt es drei solcher Klassen an der Schule. Dabei werden Schüler ohne Deutschkenntnisse im Alter von circa zehn bis 16 Jahren unterrichtet. Das Level sowie die Voraussetzungen variieren in den Intensivklassen stark. Einige der Kinder kommen aus Kriegsgebieten, kennen kein funktionierendes Schulsystem, oder sind mit arabischen Schriften statt lateinischen Buchstaben vertraut.

Hier sieht der Schulleiter ebenfalls die Möglichkeit, die Räume für weitere Unterteilungen zu nutzen. Die Lehrkräfte könnten somit flexibler agieren.

Andere Gründe liegen für die Containeranlage an der Stadtschule vor. Die Deckung der Ganztagsbetreuung steht im Vordergrund. Zwei der älteren Container stehen auf dem Lehrerparkplatz, für die neuen Container auf dem Schulhof musste ein Spielgerät versetzt werden. Hier befinden sich auf zwei Ebenen vier Differenzierungsräume.

Die Stadtschule in Büdingen sei ein historisches Gebäude, dort könne man nicht einfach einen dritten Stock anbauen, sagt Schulleiterin Sabine Weigand.

Beide Schulleitungen sind angenehm überrascht von der Ausstattung der Container. Diese verfügen über ausreichend Fenster, einen Beamer und ein Waschbecken. Alle Anlagen sind mit einem Klimagerät ausgestattet, welches sowohl heizt als auch kühlt. Darüber hinaus verfügen sie über eine Wärmerückgewinnung.

Der Wetteraukreis betitelt die Container als Übergangslösung. Man wolle damit kurzfristige Schülerspitzen abfangen. »Mit der Containeranlage ist an den jeweiligen Schulen der Bedarf zunächst gesichert, der Schulträger wird die Zahlen jedoch dauerhaft in den Blick nehmen und die Entwicklung der Schulen weiter beobachten«, schreibt der Kreis auf Anfrage. Wie lange die Container an den Schulen verbleiben, sei nicht festgelegt.

Kam der Zuzug so unerwartet? Die Basis für die Prognosen des Schulträgers, so schreibt der Wetteraukreis, bilden die von der Stadt gemeldeten Geburtenzahlen. Diese seien in der Regel recht zuverlässig, wobei Zuzüge und Verdichtungen hingegen weniger berechenbar seien. Darüber hinaus sei grundsätzlich nicht auszuschließen, dass sich eine Entwicklung anders darstellen könne als prognostiziert. Auch Tobias Michel betont, dass manche Entwicklungen wie zum Beispiel die der Intensivklassen nur schwer absehbar wären.

Zeit und Kosten schwer kalkulierbar

Der Wetteraukreis verweist auf das größte Schulbauinvestitions- und Sanierungsprogramm in der Geschichte der Wetterau. Dabei könne nicht alles parallel geplant und umgesetzt werden. Verschiedene Herausforderungen würden Zeit- und Kostenplanung erschweren. Dazu gehört auch die Corona-Pandemie, die durch Ausfälle beim Personal, sowohl bei der Kreisverwaltung als auch bei externen Firmen, zur Verzögerung der Planung und der Ausführung von Baumaßnahmen geführt habe. Ebenfalls negativ auf die Umsetzung hätten sich Lieferengpässe, die aufgrund der Pandemie entstanden sind, ausgewirkt.

Der Ausbruch des Ukrainekriegs hätte diese Situation noch einmal deutlich verschärft. »Dies spürt auch der Wetteraukreis bei der Planung und Umsetzung der Baumaßnahmen, da Rohstoffe fehlen und Lieferketten derart gestört sind, dass Produkte oder Baumaterialien zum Teil gar nicht oder stark verspätet geliefert werden können.«

Hinzu kommen der Fachkräftemangel in der Baubranche und die Personalfluktuation bei Firmen ebenso wie in der Kreisverwaltung.

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