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Das Gedächtnis von Unter-Schmittener

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Ein Blick ins nostalgische Fotoalbum zeigt eine Szene im »Chausseehaus«: Inhaberin Ella Becker und Ehemann Alfred, sitzend Carl Eckhardt sen., Vater des späteren Bürgermeisters Carl Eckhardt. © Petra Ihm-Fahle

Über die Vergangenheit staunen, für die Zukunft lernen. Damit das möglich ist, muss jemand historisches Material sammeln und hüten. In Unter-Schmitten tut dies Ortsvorsteher Steffen Schneider.

Es sind vor allem Fotos, die Steffen Schneider in seinem Archiv hat, eine vierstellige Zahl mag es sein. »Es sind Bilder, die ich von Familien bekommen oder digitalisiert habe«, erzählt der Ortsvorsteher von Unter-Schmitten. Mitunter ging er auch auf Personen zu, um deren alte Fotos zu scannen und somit sichern zu können.

Eigene Bilder sind ebenfalls dabei, nicht nur vererbte aus der Familie, sondern in großer Fülle auch selbst aufgenommene. Von 1992 bis 1999 war der heute 49-Jährige als freier Mitarbeiter und Redakteur beim Kreis-Anzeiger aktiv. »Dadurch habe ich eine Leidenschaft fürs Fotografieren entwickelt und auch viele Dias gemacht«, schildert er. Alles, was sich im Ort tat, dokumentierte er: den Umbau des Bürgerhauses, den Abbau der Telefonzelle, den zugefrorenen Harb-Teich und vieles mehr.

Festschriften

und viele Fotos

Damals fotografierte er noch analog und oft in SchwarzWeiß. Die Abzüge hob er auf, und wenn er einen speziellen Anlass hat, digitalisiert er die Bilder auch. Ein weiteres Steckenpferd war es, Festschriften für Vereine zu erstellen. »So bin ich nach und nach dazu gekommen, einiges zur Dorfgeschichte von Unter-Schmitten zu haben.« Vor allem von der Sportgemeinschaft, der SG. Er zeigt ein Buch, das alte Unterlagen wie das Gründungsprotokoll enthält, das er binden ließ. »Das liest sich wie ein Roman«, sagt Steffen Schneider. Ende der 90er-Jahre des vergangenen Jahrtausends übergab ihm die Witwe Wilhelm Wagners viele Abzüge. Wagner war in den 50er- und 60er-Jahren Lehrer in Unter-Schmitten. »Er war ein sehr guter Hobbyfotograf und hat das Leben damals festgehalten. Die Straßen, die Landwirtschaft, die Gewerbetreibenden, die Gaststätten, Lebensmittelläden und vieles mehr.« Es sei eine wunderbare Dokumentation des Alltags eines typischen oberhessischen Dorfs. Einiges hat Schneider auch von Günther Föller, der in den 70er-Jahren viel fotografierte. Es waren Dias, von denen er sich Abzüge machen ließ.

Beruflich bedingt wurde es mit dem Sammeln in den vergangenen Jahren etwas weniger. Dann kam die Pandemie. »Wir wollten im vergangenen Jahr das 75-jährige Bestehen der SG feiern, aber es ist coronabedingt ausgefallen. Nun holen wir es nach. Da war abgesprochen, dass ich Bilder zeige.« Das machen sie am Samstag, 24. September, in einer Abendvorstellung. Und dafür steckt Schneider gerade in den Vorbereitungen.

Es macht ihm Spaß, der Öffentlichkeit diese Einblicke zur Verfügung zu stellen und erlebbar zu machen. Mit schmucken Kalendern beispielsweise, die die Vereinsgemeinschaft in den vergangenen zwei Jahren verkaufte. Sie halfen, die Einnahmeverluste durch die ausgefallenen Veranstaltungen aufzufangen. In den Kalendern stellte Schneider nostalgische Fotos aktuellen Fotos gegenüber oder dokumentierte das dörfliche Leben der 50er und 60er-Jahre. Jene Aufnahmen stammen aus dem Fundus Föller/Wagner.

Schneider kennt die Personen auf den Wagnerschen Fotos zum Teil noch persönlich. »In den 90er-Jahren habe ich mit meinem Opa und einer Nachbarin einen Dia-Abend gemacht und mir die anderen Namen aufgeschrieben.«

Gesammeltes auf dem Dachboden

Seine Archivalien hütet Schneider auf dem Dachboden. Was in den Ordnern und Kästen enthalten ist, notiert er, damit das Wissen nicht verlorengeht. »Es ist ein Hobby«, betont er. Seine Lieblingsfotos sind die von der Landwirtschaft in den 50er- und 60er- Jahren. »Zum einen, weil man die Personen sieht, aber auch, wie die Art der Landwirtschaft die Landschaft beeinflusst hat. Man kann viele Rückschlüsse ziehen, zum Beispiel zu Biodiversität und Artenvielfalt.« In großen Teilen bestehe heute Monokultur - viele Hecken, Feldgehölze und Ackersäume seien weggefallen, »Früher hatten viele Landwirte ihren Acker, Kartoffeln, Getreide, Futterrüben. Und wo früher zehn Kulturen waren, hat man heute nur eine Kultur.«

Vielleicht wird Steffen Schneider eines Tages ein Buch über die Geschichte Unter-Schmittens schreiben. Das Material hätte er dazu.

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Steffen Schneider macht es Spaß, alte Bilder und Unterlagen für die Öffentlichkeit verfügbar zu machen. © Petra Ihm-Fahle

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