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Das Grauen von Buchenwald

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Von: red Redaktion

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Auf dem Gelände des ehemaligen KZs gibt ein Mitarbeiter der Gedenkstätte den Schülerinnen und Schülern wichtige Einblicke, um das, was dort in der NS-Zeit geschah, besser zu verstehen und zu verarbeiten. © pv

Ortenberg (red). 20 Oberstufenschülerinnen und -schüler der Gesamtschule Konradsdorf erforschten kürzlich eine Woche lang die Geschichte des Konzentrationslagers Buchenwald und gingen sowohl den Spuren der Opfer als auch denen der Täter nach.

Die Gedenkstätte Buchenwald ist ein Erinnerungsort auf dem Gelände des früheren Konzentrationslagers bei Weimar. Hier wurden zwischen 1937 und 1945 über 250 000 Menschen aus vielen Ländern Europas inhaftiert. Mehr als 50 000 von ihnen starben unter den schrecklichen Bedingungen oder wurden ermordet. Am 11. April 1945 übernahmen die inhaftierten Menschen das Lager, nachdem die SS vor der US-Armee geflohen war. Heute ist nur noch ein kleiner Teil des früheren Konzentrationslagers zu sehen, jedoch ist das gesamte Gelände Teil der Gedenkstätte und kann besucht werden.

Die Schülerinnen und Schüler erkundeten fünf Tage lang das Gelände der Gedenkstätte, halfen bei ihrer Instandhaltung und der Restauration von Fundstücken und besichtigten Weimar. Zudem gingen sie am Beispiel der Firma Topf & Söhne in Erfurt der Frage der Mitwisser- und Mittäterschaft nach.

Ankunft über

den Gedenkweg

Zu Beginn der Buchenwaldfahrt besichtigte man die Gedenkstätte. Man näherte sich ihr langsam über den Gedenkweg, um dann die Route zu beschreiten, die neu angekommene Häftlinge vom Bahnhof zum Aufnahmegebäude gehen mussten, wo sie sortiert und in Arbeitsgruppen eingeteilt wurden. Schließlich ging es weiter durch das Eingangstor auf den Appellplatz.

In den folgenden Tagen erkundete die Gruppe das Gelände. Dabei informierte man sich über die verschiedenen Baracken, von denen heute keine mehr steht, aber auch die Bereiche der SS. Buchenwald diente nicht nur als Konzentrationslager für alle, die nicht in das Gesellschaftsbild des NS-Staats passten, sondern auch als Ausbildungsort für zeitweise 4000 SS-Männer. So konnten die Schülerinnen und Schüler nicht nur die Seite der Häftlinge betrachten, sondern auch einen Einblick in die Täter und ihre strenge SS-Erziehung bekommen. Zudem unternahm man einen Ausflug zur Erinnerungsstätte Topf & Söhne in Erfurt, die die Krematoriums-Öfen für Buchenwald, Auschwitz-Birkenau und andere Konzentrationslager entwarf und baute. Dort befasste man sich mit der Motivation eines zivilen Betriebs zur Mittäterschaft.

Für die Schülerinnen und Schüler war es wichtig, nach Buchenwald zu fahren, um die Geschichte besser verstehen zu können. Nun sehen sie ihre Aufgabe darin, das Erfahrene weiterzugeben. Wenn Menschen die Grausamkeit und Gewalttätigkeit der NS-Zeit und vor allem den schrecklichen Umgang mit den Häftlingen in den Konzentrationslagern verstehen, kann sich die Geschichte nicht wiederholen, hoffen sie. Das Leid von Millionen Menschen dürfe nicht vergessen werden.

Ein Ort, der viele

Fragen aufwirft

Die Schülerinnen und Schüler erlebten viel in Buchenwald. Dabei kamen zahlreiche Fragen auf, die jeder für sich selbst beantworten musste. Die Fragen nach dem Erlebten waren am wichtigsten. Nach eigener Aussage fanden die Schülerinnen und Schüler Antworten auf Fragen nach den Tätern und ihren Beweggründen und was aus den Menschen in den Konzentrationslagern nach dem Krieg wurde. Auch Aufbau und Entwicklung der KZs verstanden sie nun besser.

Unbeantwortet ließ die Fahrt für viele hingegen die Gründe für den Krieg, die Verfolgung und den Hass. Auch was die Häftlinge gefühlt haben müssen oder der Grund für die Reuelosigkeit der Täter erschloss sich manchem nicht. Dafür nahmen die Konradsdorfer Erfahrungen von Demut, Wissen und zahlreiche Emotionen mit nach Hause.

Auf die Frage, was jeder für sich aus Buchenwald mitgenommen hat, gab es viele verschiedene Antworten. Manche bezogen sich direkt auf das Geschehene im Konzentrationslager: »Dass die Ausbeutung und Vernichtung der Häftlinge noch viel schlimmer waren, als wir uns das vorstellen können.« Andere bezogen sich direkt auf den Ort: »Der Ort ist auf irgendeine Weise fesselnd und es gibt immer etwas Neues, das man entdeckt oder herausfindet.« Wieder jemand anderes war überzeugt, »dass das bereits im Schulunterricht vertiefte Thema an diesem Ort lebendiger, bewusster und greifbarer« wurde. Anderen wiederum wurde klar, »dass es keine Rechtfertigung für irgendeine Art von Ausgrenzung gibt und alle Menschen gleichwertig sind und sich gegenseitig respektvoll behandeln sollten«.

Letztlich erfuhr und erlebte jeder und jede das KZ und dessen Geschichte auf ganz eigene Weise. Alle nahmen ihr eigenes Fazit und Wissen mit nach Hause.

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