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Demografie klar im Blick

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Eric Lüdemann vom Planungsbüro IPU aus Erfurt erklärt in der Sondersitzung der Gemeindevertretung das integrierte kommunale Entwicklungskonzept (IKEK) für Altenstadt. © Jürgen W. Niehoff

Altenstadt (jwn). Altenstadts Gemeindevertretung hat in einer Sondersitzung das integrierte kommunale Entwicklungskonzept (IKEK) beschlossen. Damit ist der nächste Schritt zur Einleitung der Umsetzungsphase der Dorfentwicklung auf den Weg gebracht.

Im August 2020 bewarb sich die Gemeinde um die Aufnahme in das Dorfentwicklungsprogramm des Landes Hessen. Zur Erarbeitung eines passenden Entwicklungskonzepts und um die kontinuierliche Begleitung des Prozesses sicherzustellen, bildete man eine Steuerungsgruppe und betraute das Fachbüro IPU GmbH aus Erfurt mit dieser Aufgabe. In mehreren Sitzungen und unter Beteiligung der Bürgerschaft galt es zunächst, nach den Gesichtspunkten »Demografische Entwicklung«, »Daseinsvorsorge und Mobilität«, »Städtebauliche Entwicklung und Wohnen«, »Bürgerschaftliches Engagement«. »Kultur, Brauchtum und Freizeit«, »Tourismus und Landschaft« sowie »Wirtschaft und Arbeitsplätze« eine Strukturanalyse zu erstellen. Anschließend diskutierte man den Ist-Zustand und suchte Verbesserungsvorschläge.

Attraktiver

Wohnstandort

Auf dieser Basis entstand schließlich das Konzept. Ziele sind beispielsweise das Vorantreiben der Innenentwicklung der Gemeinde, um sie als Wohnstandort weiter attraktiv zu halten. Auf die Entwicklung von Baugebieten im Außenbereich will man hingegen weitgehend verzichten, um keinen Leerstand in den Ortszentren zu fördern. Einem Großteil der Bürger und potenziellen Neubürger sind der dörfliche Charakter der Ortsteile und die Landschaft sowie die Nähe zur Natur nämlich wichtige Faktoren für die Wohnqualität. Und diese Faktoren lassen sich in Anbetracht des demografischen Wandels nur dann langfristig erhalten, wenn die Gemeinde die Innenbereiche konsequent fördert und die umgebende Landschaft vor zusätzlicher Versiegelung schützt.

Auch der demografische Gesichtspunkt spielt eine große Rolle bei der Weiterentwicklung der Gemeinde. So weist Altenstadt seit 2014 eine durchgehend positive Bevölkerungsentwicklung auf. Davon profitierten aber primär die größeren Ortsteile, während die kleineren nur leicht wuchsen oder sogar schrumpften. Auffällig ist auch der seit 2014 kontinuierlich steigende Anteil nicht deutscher Bevölkerung, der zum Wachstum der Gemeinde in den vergangenen Jahren beitrug. Folglich wird Zuzug in den kommenden Jahren auch einen entscheidenden Beitrag für die künftige Stabilität der Bevölkerungszahl Altenstadts spielen.

Weitere Auswirkungen des demografischen Wandels zeigen sich im stark steigenden Anteil der älteren Bevölkerung. Das Verhältnis von jüngeren und älteren Bevölkerungsgruppen wird sich in den kommenden Jahren weiter verschieben. Deshalb muss die Gemeinde auch hier reagieren und die Neugestaltung und Verbesserung altersgerechter Infrastruktur sowie den Ausbau von Unterstützungs- und Wohnangeboten für ältere Menschen vorantreiben. Die Projektliste umfasst 25 Punkte. Nicht alle sind mach- oder finanzierbar. Aber es sind Ziele, die Bürger im Interesse der Gemeinschaft wünschten und die man anstreben sollte.

Die entscheidende Frage nach Vorstellung des Konzepts durch IPU lautete im Parlament: Wie geht es weiter? »Nachdem das Konzept von der WI-Bank und damit vom Land Hessen genehmigt und Altenstadt so in den Kreis der geförderten Kommunen aufgenommen wurde, beginnt die eigentliche Planungsphase«, sagte Eric Lüdemann vom Planungsbüro. Aus den 25 Projekten muss man nun Maßnahmen auswählen und Planung erstellen. Die genauen Kosten sind zu ermitteln und bei der Landesregierung zur Förderung vorzulegen. Da alle gewünschten Maßnahmen in etwa 4,3 Millionen Euro kosten, für die es dann möglicherweise eine Förderung von 3,1 Millionen Euro geben kann, muss man sie nacheinander und je nach Haushaltslage angehen. Darüber ist nun im nächsten Schritt zu entscheiden. Daraufhin beschloss das Parlament das Konzept einstimmig.

Bürgerkritik

an Planungen

Erwähnenswert ist allerdings noch der Versuch des 82-jährigen Günter Wicke aus der Waldsiedlung, seinen Unmut darüber auszudrücken, dass über den großen Plänen der Gemeinde der Einzelne übersehen wird. »Was nützt es mir und meinen Altersgenossen, wenn mittels IKEK in der Vogelsbergstraße also im Zentrum in den nächsten Jahren ein Dorfmittelpunkt entsteht, während uns in der Waldsiedlung an einem zentraler Platz nicht mal eine Sitzgelegenheit gegönnt wird?« Weitere Einwände Wickes waren aus Zeitgründen nicht mehr möglich. Möglicherweise besteht hier noch Beratungsbedarf.

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