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Demonstranten stören Mahnwache in Nidda

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Die Organisatoren der Mahnwache hatten eine Installation symbolisch für rund 700 000 Menschen aufgestellt, die seit Beginn der Pandemie zu Hause isoliert leben müssen. © Oliver Potengowski

Pöbeleien auf dem Marktplatz: Einige Gegner der Corona-Maßnahmen pöbeln auf dem Marktplatz in Nidda und mischen sich unter die Teilnehmer einer Mahnwache.

Nidda/Altenstadt (ten). Mit einer Mahnwache haben rund 30 Teilnehmer am Montag auf dem Marktplatz gegen sogenannte »Spaziergänger« und für die Menschen, die besonders von der Pandemie betroffen sind, demonstriert. Dabei wurden sie von den Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen zeitweise massiv gestört. Die Polizei verhielt sich weitgehend passiv.

Die Stadtverordnete der Linken Stella Luise Smith hatte die Mahnwache unterstützt von Der Partei Wetterau und Niddaer Bürgern angemeldet. Ab 18 Uhr stellten sich schließlich 28 Teilnehmer, darunter Stadtverordnete der Linken, der SPD, der Grünen und der Bürger-Liste in einem großen Kreis am Rand des Marktplatzes mit ausreichend Sicherheitsabstand auf. In dem Kreis hatten die Organisatoren eine Installation von farbigen Schatten unter einer Plastikplane aufgestellt. Sie sollte symbolisch für rund 700 000 Menschen stehen, die seit Beginn der Pandemie zu Hause isoliert leben müssen.

Unmittelbar neben dieser angemeldeten, genehmigten und von selbst gestellten Ordnern begleiteten Mahnwache versammelte sich dicht gedrängt eine große Gruppe der sogenannten »Spaziergänger«. Uwe Bonarius hatte als Vertreter des Ordnungsamts der Stadt beide Gruppen ausdrücklich aufgefordert, »respektvoll miteinander umzugehen«. Mit Trommeln, Tambourinen und Sprechchören laut lärmend zogen die »Spaziergänger« durch die Stadt. »Ihre Freiheit meint Egoismus, meint Rücksichtslosigkeit, meint das Recht der Stärkeren und nicht die Freiheit in solidarischer, emphatischer Verantwortung mit seinem Umfeld«, charakterisiert der Niddaer Manuel Müller die »Spaziergänger«. In seiner Ansprache rückt er diejenigen in den Blick, denen wegen eines besonders hohen Gesundheitsrisikos durch die Pandemie seit zwei Jahren auf ihre Gewohnheiten verzichten mussten. Alexander Diller von Der Partei betonte, dass das im Grundgesetz garantierte Demonstrations- und Versammlungsrecht kein Freifahrtschein sei. In den Internet-Gruppen, in denen sich die »Spaziergänger« organisieren, werde »ganz offen dazu aufgerufen, Verordnungen zu ignorieren und Gesetze zu brechen.« Dass die Polizei gegen Verstöße nicht vorgehe, bestärke diese in ihrem Tun und mache sie immer dreister. Dabei würden Rechtsextreme, Antisemitismus und Holocaustrelativierung geduldet.

Diese Analyse bestätigte sich am Montag. Unter den Augen der Polizei wurde von den »Spaziergängern« gegen die genehmigte Mahnwache gepöbelt. Dabei kam es auch zu einzelnen leichten körperlichen Übergriffen und Drohungen.

Mitten durch die Gegenkundgebung

Als die Gegner der Corona-Maßnahmen das zweite Mal am Marktplatz vorbeikamen liefen einige lärmend mitten durch die Gegenkundgebung. Erst dann forderte die Polizei sie auf, um die Mahnwache herumzugehen. Im Ergebnis war die Gegenkundgebung zeitweise von trommelnden und grölenden »Spaziergängern« umzingelt.

Der SPD-Gemeindevertreter Jan Voß berichtet aus Altenstadt von ähnlichen, teilweise noch massiveren Störungen und sogar Rempeleien der »Spaziergänger« gegen die Mahnwache. Dabei sei es zu der absurden Situation gekommen, dass aus der Gruppe der mit rund 70 Teilnehmern abermals geschrumpften Gruppe der Gegner der Corona-Maßnahmen, unter denen sich auch bekannte Rechtsextreme befanden, »Nazis raus« skandiert worden sei. Als Voß versuchen wollte, die Polizeistreife über die Übergriffe zu informieren, sei diese allerdings verschwunden gewesen.

Die Polizei und auch Bürgermeister Hans-Peter Seum in Nidda beurteilen den Verlauf der »Spaziergänge« und der Gegenkundgebungen als »friedlich und aus polizeilicher Sicht ohne besondere Vorkommnisse.«

Bonarius benennt auch ein Kapazitätsproblem. »Wie soll man so zwei Gruppen trennen, ohne einen Riesenaufwand?«

Jörg Reinemer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen berichtet auf Nachfrage des Kreis-Anzeigers, dass an den 32 Orten, an denen »Spaziergänge« und teilweise auch Gegenveranstaltungen stattgefunden hätten, »eine niedrige dreistellige Zahl« von Polizisten eingesetzt worden seien. In Nidda wurden diese von Bereitschaftspolizei unterstützt. Weder in Altenstadt noch in Nidda seien die Personalien von Teilnehmern festgestellt worden. Auch seien bisher keine Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden.

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