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Den schweren Weg gemeinsam gehen

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VON BJÖRN LEO

Nidda. Eine positive Metastase, eine Keimzelle, nennt Alexandra Prues das Angebot, das an diesem Donnerstag, 21. Juli, an den Start geht. Die Frauenselbsthilfe Krebs, deren Sprecherin Prues seit vielen Jahren ist, möchte in Nidda wieder eine Gruppe etablieren. Im Wetteraukreis wäre das dann neben den Runden in Büdingen und Bad Nauheim die dritte.

Die Diagnose Krebs ist immer heftig. Das Leben ändert sich unmittelbar, vielen Menschen bricht alles weg. »In der Gruppe haben alle diese Erfahrungen gemacht. Gemeinsam ist ein schwerer Weg gewiss nicht kürzer, aber einfacher zu gehen«, sagt Alexandra Prues im Gespräch mit dieser Zeitung. Sandra Frank, Gemeindeschwester in Nidda und Triebfeder des Engagements, die als Ansprechpartnerin vor Ort fungieren wird, ergänzt: »Themen, die uns bewegen, bekommen in diesem Kreis einen angemessenen Raum. Wir fangen auf, lassen los, hören zu und haben Verständnis. Wir sind offen für alle, Zwänge und Verpflichtungen gibt es keine.«

Große Nachfrage

37 Jahre hat Christel Meurer bis 2015 die Frauenselbsthilfe nach Krebs Schotten-Nidda geleitet. Damals besuchten vor allem Patienten des Kreiskrankenhauses Schotten und solche der Schlossbergklinik Gedern die Gruppe. »Noch immer ist die Nachfrage groß«, weiß Alexandra Prues. Für manche ist der Weg nach Büdingen, wo die Gruppe etwa 40 Teilnehmerinnen umfasst, von denen sich 20 bis 30 regelmäßig treffen, einfach zu weit, weiß Barbara Krüger. Ihre Diagnose liegt mehr als zwölf Jahre zurück, 2013 musste sie operiert werden - Brustkrebs. Von der Frauenselbsthilfe erfuhr sie damals von einem Arzt in Bad Nauheim. »Ich fühlte mich sofort geborgen, bekam Hilfe sowie wichtige Informationen.«

»Die Gemeinschaft der Gruppe hat mich wieder aufgebaut«, sagt Barbara Krüger. Gleiches weiß Nicole Bier zu berichten. »Die Gruppen sind keine Jammerclubs. Wir kreieren jeden Tag neu. Und natürlich gibt es nicht nur blaue Tage, sondern auch graue. Es ist aber ermutigend, dass wir alle im selben Boot sitzen und in dieselbe Richtung zurück ans Ufer wollen.«

Vor diesem Hintergrund richtet sich die Frauenselbsthilfe nun im Raum Nidda an Menschen mit der Diagnose Krebs. Ganz bewusst spricht der Text der ersten offiziellen Werbeschrift die Gefühlsebene an: Ihr Leben scheint aus den Fugen zu geraten? Angst und Mut, Befürchtungen und Hoffnungen, Verzagtheit und Vertrauen wechseln sich schwindelerregend ab?

Hilfe zur Selbsthilfe

Das Leitmotiv der Frauenselbsthilfegruppe Krebs ist die Hilfe zur Selbsthilfe. In Kooperation mit der Stadt Nidda wird deshalb ein Treffen zum Austausch für Betroffene im Karl-Dietz-Haus (Auf dem Graben 36) angeboten. Erstmals am Donnerstag ab 14.30 Uhr.

Geplant sind kleine Schritte. Die Gruppe soll frei in der Gestaltung der Zeit sein, sie soll sich selbst organsieren. Aus ihrer Mitte heraus sollen Ideen und Vorschläge kommen, wie die Gruppenarbeit künftig aussehen kann.

Wo liegen die Interessen? Welche Informationen sind hilfreich? Welche Experten können hinzugezogen werden? Wie lässt sich ein Netzwerk aufbauen? »Über die Gruppenarbeit soll nach Möglichkeit die Krise als Chance begriffen werden«, sagt Alexandra Prues. Sie soll Betroffenen und Angehörigen sowie Freunden von Menschen mit einer Krebs-Diagnose helfen.

Ansprechpartnerinnen sind Barbara Krüger unter der Telefonnummer 0 60 43/9 72 00 14 für die neue Gruppe Nidda, die Niddaer Gemeindeschwester Sandra Frank unter 0 60 43/40 06 19 sowie Alexandra Prues unter 0 60 41/8 23 66 20 für die Gruppe Büdingen. FOTO: IMAGO

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